November 16, 2020
Von Interessengemeinschaft MetzgergrĂŒn
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„MetzgergrĂŒn – Ein StĂŒhlinger Wohnquartier verĂ€ndert sich“, war der Titel des StĂŒhlinger SPD – Magazins im November 2019. Das MetzgergrĂŒn wird verĂ€ndert, trifft es aus unserer Perspektive viel eher.

„Die Sache ist gelaufen“, wird uns BewohnerInnen schon seit Jahren erzĂ€hlt. Der Erhalt ist doch nun wirklich endgĂŒltig vom Tisch, der Abriss schon seit langem geplant und beschlossen. Nur wir sind leider zu dumm, um es endlich zu kapieren und uns damit abzufinden. Wir sollten froh sein, dass wir ĂŒberhaupt noch da sind, bekommen wir zu hören und dass wer will doch bleiben könne. So einfach kann es sein, ist es aber nicht!

Wenn die MieterInnen des MetzgergrĂŒns ĂŒber die Jahre befragt wurden, haben sich die meisten klar fĂŒr Erhalt und Instandhaltung ausgesprochen und auch die notwendigen VerĂ€nderungen gefordert. Im Zeitraum von 2012 bis 2016 wurden drei Nachbarschaftsumfragen von der Bewohnerinitiative erhoben, eine Bachelor-Arbeit befasst sich mit dem Engagement der BewohnerInnen fĂŒr ihr Viertel. Wir wurden gefilmt und vom Radio interviewt. Eine Vielzahl von Begehungen, Treffen und Informationsveranstaltungen fanden statt.

Eine entscheidende GrĂ¶ĂŸe fehlte jedoch sowohl der Basis wie dem großen Ganzen: Die Diskussion und die Auseinandersetzung mit verschiedenen Möglichkeiten. „Soziale Stadt“- Förderung, Erhaltungssatzung, Milieuschutz – dies alles wurde ausgeklammert und mit uns nicht besprochen.
Es war einfach kein Thema, obwohl die AufsichtsrĂ€tInnen der Freiburger Stadtbau GmbH durchaus verschiedene VerĂ€nderungsoptionen fĂŒrs MetzgergrĂŒn diskutierten.

Wie ist es möglich, fragen wir uns, daß diese Informationen nicht zu uns ins Viertel zurĂŒckflossen? Wenn sich Quartiersrat und BĂŒrgerverein so aktiv und initiativ im Prozess zeigten, wie die Stadtplanung behauptet, wie genau wurden die BewohnerInnen denn beteiligt und ihre LebensrealitĂ€ten berĂŒcksichtigt? Unser Widerstand trifft auf UnverstĂ€ndnis – doch warum wir protestieren werden wir nicht gefragt!

„Dornröschenschlaf vorbei“, verkĂŒndete die Presse den Siegerentwurf im Jahr 2017. In diesem wurde uns dann auch ganz klar unser Platz zugewiesen: Eine Vielzahl der Sozialwohnungen wird im LĂ€rmschutzriegel entlang der Bahnlinie angesiedelt. Auch bedeutet die „bessere Durchmischung“ der neuen Nachbarschaften eine Trennung: Sozialgeförderte Wohnungen, freifinanzierte Mietwohnungen und Eigentumswohnungen werden in unterschiedlichen GebĂ€uden separiert. Und die Zahl an bezahlbaren Wohnungen wird nicht sonderlich erhöht. Das alles scheint fĂŒr diestĂ€dtische Planung wohl ganz normal zu sein und das gilt dann als zeitgemĂ€ĂŸ! Vom Verlust der gesamten HausgĂ€rten und 90 BĂ€ume des jetzigen Viertels mal ganz zu schweigen


Die letzte Informationsveranstaltung der Freiburger Stadtbau fĂŒr die MieterInnen des MetzgergrĂŒns prĂ€sentierte exemplarisch eine 2 Zimmer – Sozialwohnung von 45qm, abzĂŒglich der 4qm-BalkonflĂ€che. Darin eine KĂŒche mit 5 TĂŒren und Zugang zur Toilette. Im Hof eine GartenflĂ€che von 320qm fĂŒr schĂ€tzungsweise 50 Mietparteien

Ja, wir können bleiben, wenn wir das akzeptieren, was uns angeboten wird. Die KrÀfte sind ungleich verteilt, das kennen wir nicht anders.

Um unsere Situation als MieterInnen am aktuellen Geschehen zu verdeutlichen: Auf den Siegerentwurf 2017 folgten prompt Mieterhöhungen. Die Betriebskosten wurden uns dann sowohl 2018 als auch 2019 erhöht – trotz des vom Gemeinderat verordneten Mieterhöhungsstopp fĂŒr die FSB!
Besser spĂ€t als nie wollen wir auf diese MissstĂ€nde und unsere WĂŒrde aufmerksam machen. „Alle Menschen sind gleich“, doch wer mehr hat ist wohl gleicher
 Und da wird ernsthaft von uns erwartet und gefordert, dass wir den Abriss unseres Wohnviertels tatkrĂ€ftig unterstĂŒtzen?

Anett Zeller und Sophia GrĂ€sslin fĂŒr die Interessengemeinschaft MetzgergrĂŒn,
Dezember 2019




Quelle: Metzgergruen.noblogs.org