Februar 15, 2021
Von Indymedia
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Im Zuge des Aufrufs der „Perspektive Kommunismus“ zu Aktionen unter dem Motto „Ihr System ist unsere Krise, fĂŒr Frauen*befreiung und Kommunismus“ haben wir in der Nacht zum 13.02.21 die Niederlassung von „persona service“, einem Leiharbeitsunternehmen in Stuttgart, mit der Parole „Eure Leiharbeit bringt Frauen*armut. FĂŒr Frauen*befreiung und Kommunismus“ markiert. Persona service beschĂ€ftigt Leiharbeiter*innen in Pflege- und ReinigungstĂ€tigkeiten, dem Einzelhandel sowie dem Sozial- und Erziehungsdienst. Das Unternehmen profitiert nicht nur von der ausbeuterischen Zeit- und Leiharbeit, sondern auch von den patriarchalen Strukturen unserer Gesellschaft.

Die Ausbeutung durch Zeit- und Leiharbeit dient im Kapitalismus dazu, Arbeitnehmer*innen noch einfacher ausbeuten zu können: Leiharbeiter*innen dienen den Kapitalisten als kurzfristige Deckung eines Personalbedarfs. Arbeitnehmer*innen werden flexibel eingesetzt und leiden als erste, wenn UnternehmensauftrĂ€ge zurĂŒckgehen. Diese Flexibilisierung im Interesse der Arbeitgeber bedeutet fĂŒr die BeschĂ€ftigten Planungsunsicherheit, eingeschrĂ€nkter Arbeitsschutz, zeitliche Befristung bis hin zu ortsĂŒbergreifenden EinsĂ€tzen. In Krisenzeiten sind es hĂ€ufig Leiharbeiter*innen, die als erstes vor die TĂŒr gesetzt werden oder unter prekĂ€ren ArbeitsverhĂ€ltnisse leiden. In der Corona-Pandemie wurden bspw. LeiharbeitskrĂ€fte in KrankenhĂ€usern von den Impfungen fĂŒr Mitarbeiter*innen ausgeschlossen. Im Gegensatz dazu freuen sich Leiharbeitsfirmen ĂŒber ihr flexibel einsetzbares ArbeitskrĂ€fteangebot fĂŒr den Lebensmittelhandel, in der sozialen Betreuung oder bei der Begleitung von Kindern und alten Menschen. Ohnehin prekĂ€r organisierte Frauen*berufe drohen nun mit der Corona-Pandemie noch weiter flexibilisiert zu werden.

In den patriarchalen Strukturen unserer Gesellschaft werden sogenannte frauen*typische Berufe aber ohnehin schon herabgewĂŒrdigt. Sie kennzeichnen sich durch geringes gesellschaftliches Ansehen, niedrige GehĂ€lter, schlechte Arbeitsbedingungen und Überlastung der BeschĂ€ftigten. Der gesellschaftliche Wert der Pflege-, Betreuungs- und Reinigungsarbeit, kann nicht wie bei der Herstellung eines Autos anhand der ProduktivitĂ€t, anhand des Profits, gemessen werden. Das macht es fĂŒr die Herrschenden einfacher, diese TĂ€tigkeiten so herabzuwĂŒrdigen, dass die BeschĂ€ftigten von dem Gehalt kaum leben können, obwohl diese TĂ€tigkeiten fĂŒr das Funktionieren einer jeden Gesellschaft notwendig sind.

Wir sind mehr als flexibel einsetzbare ArbeitskrÀfte, die nach wirtschaftlichen Interessen wie Spielfiguren an Unternehmen ausgeliehen werden!

Frauen* werden jedoch nicht nur in der Lohnarbeit, sondern auch auch darĂŒber hinaus ausgebeutet und unterdrĂŒckt. So sind es ĂŒberwiegend Frauen*, die den Haushalt managen, sich um die Erziehung der Kinder kĂŒmmern, Angehörige pflegen oder auch den Partner physisch und psychisch umsorgen. Die reproduktiven, gesellschaftlich notwendigen TĂ€tigkeiten werden im Kapitalismus somit entweder in Form prekĂ€rer BeschĂ€ftigung oder im „Privaten“ durch Frauen*ausbeutung organisiert. Durch die doppelte Ausbeutung der Frau* in der Lohnarbeit und in der Familie geraten Frauen* in Armut und/oder finanzielle AbhĂ€ngigkeit zu ihren Partnern.

FĂŒr zahlreiche Frauen* ist diese Ausbeutung zusĂ€tzlich begleitet von patriarchaler hĂ€uslicher Gewalt.

Der Weg zur Befreiung der Frauen* muss mit dem Kampf gegen den Kapitalismus verbunden werden, denn der Kapitalismus basiert auf Frauen*ausbeutung und -unterdrĂŒckung. Die Ausbeutung der Frauen* durch den Kapitalismus ist eng mit der Ausbeutung der Frauen* durch MĂ€nner* verwoben.

Die Aktion gegen das Zeitarbeitsunternehmen ist daher symbolisch: Sie soll aufzeigen, dass sich unser Frauen*kampf gegen das Patriarchat und das Kapital richtet. Lasst uns gemeinsam feministische, klassenkĂ€mpferische und kommunistische Strukturen aufbauen und Frauen* organisieren, um mit ihnen gemeinsam diesen Kampf zu fĂŒhren. Einen Kampf, in dem es um ein System geht, in dem Frauen* weder durchs Kapital, noch durchs Patriarchat ausgebeutet und unterdrĂŒckt werden. Ein System, in dem möglichst viele der TĂ€tigkeiten, die heute im Privaten ĂŒberwiegend von Frauen* geleistet werden, vergesellschaftet werden. Und in der das, was nicht vergesellschaftet werden kann, von allen Geschlechtern gleichermaßen ausgefĂŒhrt wird und niemand mehr in Armut leben muss.

Organisieren wir uns fĂŒr den Frauen*kampf und eine kommunistische Perspektive! Gegen Leiharbeit, Kapitalismus und Patriarchat!




Quelle: De.indymedia.org