Oktober 13, 2021
Von InfoRiot
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Berlin/Stahnsdorf – Die Beisetzung eines Neonazis im Grab eines jĂŒdischen Musikwissenschaftlers auf dem evangelischen SĂŒdwestkirchhof in Stahnsdorf sorgt fĂŒr Empörung. Der Berliner Antisemitismusbeauftragte Samuel Salzborn habe Strafanzeige wegen des Verdachts der Störung der Totenruhe, der Verunglimpfung des Andenkens Verstorbener und der Volksverhetzung erstattet, teilte die Senatsverwaltung fĂŒr Justiz am Dienstag in Berlin mit. Der evangelische Bischof Christian StĂ€blein unterbrach nach Angaben der Landeskirche wegen des Falls seinen Urlaub.

„Die Bestattung eines Holocaust-Leugners auf der GrabstĂ€tte von Max Friedlaender ist ein schrecklicher Fehler und ein erschĂŒtternder Vorgang angesichts unserer Geschichte“, erklĂ€rte der Bischof der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz.

„Ich bin erschĂŒttert und fassungslos ĂŒber das Geschehen“, sagte der Bischof am Dienstagmorgen bei einem Besuch der GrabstĂ€tte. „Ich möchte alles daran setzen, diese SchĂ€ndung des Grabes von Max Friedlaender aufzuarbeiten. Ich werde alle rechtlichen Schritte prĂŒfen, die den Vorgang rĂŒckgĂ€ngig machen könnten. In jedem Fall werde ich dafĂŒr Sorge tragen, dass wir ein ehrendes Gedenken fĂŒr Max Friedlaender auf diesem Friedhof bewahren.“ Am Dienstagabend sprach StĂ€blein gegenĂŒber dem RBB-Sender Radioeins von einem „Versagen unserer Kirche“. 

Brandenburgs Antisemitismusbeauftragter SchĂŒler fordert Umbettung

Der Antisemitismusbeauftragte der Bundesregierung, Felix Klein, teilte der Deutschen Presse-Agentur mit: â€žEs ist tatsĂ€chlich ein Ă€ußerst unglĂŒcklicher Fehler, der hier unterlaufen ist. Ich habe bereits mit den Beteiligten gesprochen und die Verantwortlichen haben glaubhaft versichert, den Fall grĂŒndlich intern aufzuarbeiten und kĂŒnftig Strukturen zu schaffen, dass so etwas nicht mehr passiert.“

Der Leiter der Antisemitismusfachstelle Brandenburg, Peter SchĂŒler, forderte die Evangelische Kirche auf, die Urne des Neonazis Hafenmeyer umzubetten. “Es ist unbegreiflich wie es dazu kommen konnte, dass das Andenken an einen deutsch-jĂŒdischen Wissenschaftler ausgerechnet durch die Beisetzung eines ĂŒberzeugten Schoa-Leugners und Neonazis verunglimpft wird”, teilte er mit. 

Der Grabstein von Max Friedlaender.Foto: dpa

Dass zur Beisetzung hochrangige Neonazis aus ganz Deutschland und
dem Ausland gekommen seien, zeige, “welchen Stellenwert Heldenverehrung in der Szene besitzt”, so SchĂŒler: “Die GrabstĂ€tte von Max Friedlaender darf auf keinen Fall zu einem Pilgerort fĂŒr Antisemiten werden, deshalb ist die Umsetzung der Urne von Henry Hafenmayer dringend geboten.”

Zahlreiche Rechtsextremisten auf der Trauerfeier

Der 1909 eröffnete SĂŒdwestkirchhof gehört zur evangelischen Landeskirche, deren Bischof StĂ€blein seit rund zwei Jahren ist. Dort wurden am vergangenen Freitag die sterblichen Überreste des Neonazis Henry Hafenmayer aus Nordrhein-Westfalen beigesetzt. An der Trauerfeier nahmen zahlreiche Rechtsextremisten teil, darunter auch der wegen Volksverhetzung lange inhaftierte Antisemit Horst Mahler.

[Lesen Sie auch: â€žAus der Geschichte getilgt“ – Neonazi im Grab eines jĂŒdischen Wissenschaftlers beerdigt (T+)]

„Die Absicht liegt hier auf der Hand, dass Rechtsextremisten bewusst ein jĂŒdisches Grab gewĂ€hlt haben, um durch die Beisetzung eines Holocaustleugners die Totenruhe zu stören“, erklĂ€rte Salzborn: Das „gesamte Friedhofsetting mit verurteilten Holocaustleugnern bei der Beisetzung“ verlange nach einer strafrechtlichen ÜberprĂŒfung. Er habe deshalb Anzeige bei der Polizei in Brandenburg erstattet.

Mit der evangelischen Landeskirche sei er zudem „im konstruktiven Austausch“, welche Konsequenzen der Vorfall haben soll, betonte Salzborn. Es mĂŒsse geprĂŒft werden, ob und gegebenenfalls wie schnell der Holocaustleugner umgebettet werden kann, um das wĂŒrdige Andenken an den Musikwissenschaftler Max Friedlaender nicht lĂ€nger zu stören. Salzborn ist seit 2020 Ansprechpartner des Landes Berlin zu Antisemitismus.

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Friedhof gehört kirchenrechtlich zu Berlin

Der mehr als 200 Hektar große SĂŒdwestkirchhof in Stahnsdorf ist Deutschlands grĂ¶ĂŸter evangelischer Friedhof. Er liegt sĂŒdlich von Berlin in Brandenburg zwischen Potsdam und Teltow, gehört jedoch kirchenrechtlich zu Berlin.

Nach Bekanntwerden des Falls hatte die Landeskirche die Auswahl der ehemaligen GrabstĂ€tte von Max Friedlaender (1852-1934) fĂŒr die Beisetzung am Montag als Fehler bezeichnet. Die Bestattung sei nicht evangelisch begleitet worden. Die Entscheidung, die Anfrage nach einer GrabstĂ€tte nicht abzulehnen, sei in der Kirchenverwaltung im Konsistorium getroffen worden, sagte eine Kirchensprecherin: „Leitend ist dabei im Grundsatz, dass jeder Mensch ein Anrecht auf eine letzte RuhestĂ€tte hat.“ Der erste GrabstĂ€ttenwunsch sei von der Friedhofsleitung abgelehnt worden. (epd, mit jaha/dpa)




Quelle: Inforiot.de