November 25, 2020
Von FAU Bronheim
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Eine gute Woche Streik mit Schweiß, TrĂ€nen, Jubel und Frust neigt sich dem Ende entgegen. Die letzten Arbeiter*innen reisen ab – ob nach RumĂ€nien oder zu neuen Jobs. Die Versprechungen des rumĂ€nischen Konsulats sich um Arbeitsvermittlung und Heimreisen zu kĂŒmmern wurden nur rudimentĂ€r eingehalten. Die FAU blieb hingegen aktiv und solidarisch, vermittelte gemeinsam mit zahlreichen UnterstĂŒtzer*innen und in stĂ€ndiger Absprache mit den Arbeiter*innen neue ArbeitsplĂ€tze und RĂŒckreisemöglichkeiten. Wir bleiben in Kontakt, um die jeweiligen individuellen Lösungen begleiten zu können.

Jetzt steht zum Einen eine lange, intensive Phase juristischer Prozesse um die Lohnforderungen an. Wir sind froh ĂŒber die tatkrĂ€ftige UnterstĂŒtzung durch unsere AnwĂ€lt*innen, die bereits in den vergangenen Tagen vor große Herausforderungen gestellt wurden und mit nicht vorhersehbaren Situationen konfrontiert wurden.

Außerdem stehen nun Wochen und Monate intensiver Aufarbeitung unserer Arbeit und unserer eigenen Dokumentation an.

Wir bedanken uns ganz besonders bei unseren Dolmetscher*innen, die schier Unglaubliches geleistet haben und es uns ermöglichten jederzeit in einen Dialog mit den Arbeiter*innen treten zu können.

Und wir bedanken uns bei allen fĂŒr die verschiedensten Formen von UnterstĂŒtzung, ob durch FAU-Syndikate, durch internationale Vernetzungen oder einfach spontane SolidaritĂ€t; sei es durch schiere Zeit, die investiert wurde, durch Spenden von Wasser, mit Verpflegung, Pavillons, Tischen, BĂŒromaterial, Geldmitteln, guten Tips, Kontakten und so vielem mehr.

Wir sind bewegt von der tiefen SolidaritĂ€t und von dem Eindruck, einen Teil dazu beigetragen zu haben, dass Arbeiter*innen sich ihrer Ausbeutung nicht mehr hilflos ausgeliefert sehen. Denn wir dĂŒrfen nicht vergessen: Den Anfang des Erntestreiks in Bornheim machten die Arbeiter*innen vollkommen selbststĂ€ndig. Sie emanzipierten sich und traten in einen Streik. Nur weil wir sie mit ihren BedĂŒrfnissen ernst nahmen, uns bemĂŒhten ihre Interessen zu verstehen und diese zu kommunizieren, konnten wir einen gemeinsamen Weg gehen.

Um unseren Eindruck dessen zu verdeutlichen, zitieren wir hier noch einmal eine der Arbeiterinnen kurz vor ihrer Abreise:

„Wir werden euch sehr vermissen! Ohne euch hĂ€tten wir nicht so lange durchgehalten. Wir werden keinen Tag vergessen und noch unseren Kindern davon erzĂ€hlen.“

Auch wir werden euch und diese gemeinsame Zeit nie vergessen. Wir hoffen, dass wir uns bei einem erfreulicheren Anlass wieder sehen werden.

Und wir wissen: Der Kampf geht weiter.





Quelle: Bonn.fau.org