November 30, 2021
Von Die Plattform Berlin
379 ansichten


WerkstĂ€tten fĂŒr Menschen mit Behinderung (WfbM) sind derzeit staatlich finanziert, da eine WfbM sich nicht gegen die Konkurrenz anderer Unternehmen am Markt behaupten könnte. In einer WfbM arbeiten sowohl Menschen direkt in der Produktion als auch Menschen, die den Produzierenden begleitend und unterstĂŒtzend zur Seite stehen. FĂŒr viele Menschen mit Behinderung ist die Werkstatt ein tagesstrukturierendes Moment, das viele nicht missen möchten. DarĂŒber hinaus fungiert der Ort als sozialer Raum, der jenseits einer reinen Arbeitswelt existiert. Viele Menschen bewahrt dies vor Vereinsamung oder/und bietet ihnen zudem Abwechslung zum gewöhnlichen Heimalltag. Doch – und das ist der entscheidende Punkt bezĂŒglich einer Forderung um den Mindestlohn – handelt es sich letzten Endes um Lohnarbeit, die es entsprechend zu vergĂŒten gilt. Eine kostendeckende Produktion in der WfbM, die sowohl Begleitung tariflich und Produzierende nach Mindestlohn entlohnt, ist nicht möglich. Folglich muss der Staat die Finanzierung im Bestehenden ĂŒbernehmen. Momentan erhalten die Produzierenden in den meisten FĂ€llen zunĂ€chst Grundsicherung und nach einigen Jahren Erwerbsminderungsrente. Die an dieser Stelle absolut gerechtfertigte Forderung nach einem Mindestlohn wĂŒrde dies jedoch auf den Kopf stellen.

„Nicht mehr Rechenschaft vor Ämtern ablegen, sondern Lohn auf dem Konto!“

Die Forderung nach einem Mindestlohn wĂŒrde kurzum eine Umschichtung von Geldern bedeuten, die den bĂŒrokratischen Weg ĂŒber die Ämter einspart und stattdessen eine direkte Zahlung an die WfbM gewĂ€hrleistet, die dann wiederum Mindestlöhne zahlen könnte.
Die entstehende Kostensteigerung bei der Finanzierung des Mindestlohnes ist hierbei ein bekanntes ablehnendes Argument der Arbeitgeber- oder Staatsseite, wie es reflexartig in verwandten Themen rund um den Komplex der Sicherung von Arbeitnehmer:innen Rechte zu hören ist.

Das zweite Hauptgegenargument – oder vielmehr die Sorge – der Kritiker:innen besteht zynischerweise darin, dass mit dem Mindestlohn auch die Arbeitsschutzgesetze bei den Produzierenden greifen wĂŒrden. Das wĂŒrde eben jene in eine ganz andere Position versetzen und ihnen zum Beispiel die Möglichkeit geben, sich gewerkschaftlich zu organisieren und/oder auch BetriebsrĂ€te zu grĂŒnden. Dies wĂŒrde im ĂŒbrigen auch dem Anspruch der Eingliederung und der UN-Behindertenrechtskonvention(1) gerecht werden. Wie ĂŒblich, scheint die kollektive Organisation fĂŒr Rechte der WerktĂ€tigen nicht im Sinne der staatlichen Verwaltung zu sein, die eben jene Rechte versucht zu beschneiden, wo es nur geht.

Wir unterstĂŒtzen hiermit ausdrĂŒcklich die Forderung nach einem Mindestlohn und das damit einhergehende Recht auf gewerkschaftliche Organisierung.

„Raus aus die Isolation und her mit der Möglichkeit emanzipatorischer Organisation!“


(1) https://de.wikipedia.org/wiki/UN-Behindertenrechtskonvention


YouTube-Kanal von Lukas KrÀmer:
https://m.youtube.com/channel/UC06OgZ7nG97XxfLmjhEZiAA

„WerkstĂ€tten sind das Gegenteil von Inklusion”
https://www.jetzt.de/politik/werkstaetten-fuer-behinderte-menschen-forderung-mindestlohn-lukas-kraemer




Quelle: Berlin.dieplattform.org