Juli 4, 2022
Von FAU Flensburg
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Warum es sehr anstrengend ist, einen Entlastungstarifvertrag fĂŒr sechs Unikliniken zu erkĂ€mpfen, es sich aber dennoch lohnt, erklĂ€rt Intensivpfleger Albert Nowak

Letztes Jahr in Berlin, jetzt an sechs UniversitĂ€tskliniken in verschiedenen StĂ€dten Nordrhein-Westfalens: BeschĂ€ftigte verschiedener Professionen streiken unbefristet fĂŒr einen Tarifvertrag Entlastung, bei dem es nicht nur um die Löhne, sondern auch um die Personalsituation in den KrankenhĂ€usern geht. An diesem Dienstag, den 14. Juni, findet nun ein gemeinsamer Streiktag der sechs Standorte in Bonn statt – ursprĂŒnglich war die Aktion in MĂŒnster geplant gewesen. Grund fĂŒr die kurzfristige Verlegung ist ein Angriff der Unternehmerseite: Das UniversitĂ€tsklinikum Bonn will den Ausstand fĂŒr illegal erklĂ€ren; es hat vor dem dortigen Arbeitsgericht eine einstweilige VerfĂŒgung gegen den Streik beantragt, die am heutigen Dienstag verhandelt wird. Worum es beim Arbeitskampf genau geht, wie der Streikalltag aussieht und was andere tun können, um die Streikenden zu unterstĂŒtzen, erlĂ€utert Albert Nowak, der in Köln am Uniklinikum streikt.

Ihr streikt in Nordrhein-Westfalen an sechs Unikliniken, inzwischen (Anfang Juni) seit ĂŒber einem Monat – worum geht’s, was ist euer Ziel?

Albert Nowak: Wir fordern einen Entlastungstarifvertrag fĂŒr mehr Personal, bessere Arbeitsbedingungen und eine bessere Ausbildung. Unser Kernanliegen, mehr Personal, wollen wir ĂŒber verbindliche Personal-Ratios erreichen; fĂŒr die Intensivpflege fordern wir beispielsweise ein Pflegekraft-zu-Patienten-VerhĂ€ltnis von eins zu eineinhalb. Und es soll ein Konsequenzenmanagement geben, wenn diese Ratios unterschritten werden. Das heißt: Wenn sich nicht an die vereinbarte Personalregelung gehalten wird, soll es Belastungspunkte geben, fĂŒr die die BeschĂ€ftigten dann frei bekommen. Wir fordern aber auch Verbesserungen in der Ausbildung, etwa mehr Praxisanleitungsstunden oder ein besseres Lehrenden-Auszubildenden-VerhĂ€ltnis. FĂŒr alle Bereiche, fĂŒr die wir konkrete Forderungen aufgestellt haben, haben dort arbeitende Kolleg*innen diese selbst entwickelt, weil sie die Expert*innen sind und am besten wissen, was sie brauchen.

Und wie ist der Stand?

Etwa 2000 Kolleg*innen sind jeden Tag im Streik. Er ist unbefristet, das heißt er lĂ€uft, bis wir einen unterschriftsreifen Tarifvertrag Entlastung haben – davon sind wir leider noch weit entfernt im Moment. Wir hatten vor unserem Streik der Landesregierung ein hunderttĂ€giges Ultimatum gestellt, das sie hat verstreichen lassen, obwohl sich schon damals mehr als 12.000 BeschĂ€ftigte in einer Petition hinter die Forderungen gestellt haben. Die Arbeitgeber sagen (zum Zeitpunkt des GesprĂ€chs am 7. Juni, Anm. der Redaktion), wir wĂŒrden seit zwei Wochen verhandeln, aber so empfinden meine Kolleg*innen und ich das nicht – unsere Seite ist in den GesprĂ€chen sehr klar und gut vorbereitet, wir wissen, was wir wollen und können es auch mit vielen Studien und Zahlen begrĂŒnden; von den Arbeitgebern gab es bisher dagegen kein einziges Angebot, ĂŒber das verhandelt werden könnte. Der Knackpunkt ist die ungeklĂ€rte Finanzierung.

Habt ihr damit gerechnet, dass der Streik so lange dauern wird – ist das Thema unter den Streikenden?

NatĂŒrlich spielt das eine Rolle, wir machen uns darĂŒber Gedanken – beispielsweise sind viele der Streikenden Alleinerziehende und so ein Arbeitskampf ist echt auch eine Mehrbelastung. Zudem ersetzt das Streikgeld nicht zu hundert Prozent den Lohn – so ein wochenlanger Streik geht nicht spurlos an einem vorbei, egal ob man draußen steht oder den Notdienst schiebt. Streiken heißt nicht, die ganze Zeit am Streikzelt zu sitzen, Kaffee zu trinken und Karten zu spielen. Aber: Wir wissen, wofĂŒr wir es machen, das ist unsere Chance, das Leben von uns und so vielen anderen Menschen positiv zu beeinflussen. Deshalb gibt es auch einfach eine krasse Entschlossenheit.

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Quelle: Fau-fl.org