Juli 7, 2021
Von End Of Road
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kopiert aus der taz

Senat lÀsst CDU abblitzen

Wegen eines antifaschistischen Banners an der „Buchte“ stellt die CDU ihre Förderung infrage. Die Naturfreundejugend findet das diskreditierend.

Gegen junge Pflanzenfreunde hat selbst die CDU nichts einzuwenden. Meistens

Die CDU hat viele Fragen: Sie möchte wissen, wie viel Geld das Jugendhaus Buchte jĂ€hrlich von der Stadt bekommt – und wie eine öffentliche Finanzierung „mit den dort propagierten offen linksextremen Überzeugungen“ in Einklang zu bringen sei. Das und noch mehr steht in der Senatsanfrage der CDU, die am Dienstag in der BĂŒrgerschaft beantwortet wurde. Und die von der Naturfreundejugend (NFJ), zu der die Buchte gehört, als „Angriff auf jugendpolitische Ausdrucksformen“ gewertet wird.

Der Grund fĂŒr die Fragen ist ein Banner an der Fassade der Buchte. Darauf steht „Freiheit fĂŒr Lina!“ und „Antifas raus aus den KnĂ€sten“, außerdem ein Spendenaufruf samt Kontodaten an den Verein Rote Hilfe: eine „SolidaritĂ€tsorganisation, die politisch Verfolgte aus dem linken Spektrum unterstĂŒtzt“, beschreibt sie sich selbst.

Oder auch ein Verein, der „‚linke‘ Straf- und GewalttĂ€ter unterstĂŒtzt“, sagt der Bremer Verfassungsschutz ĂŒber die Rote Hilfe Bremen in seinem aktuellen Bericht. „Wenngleich die RH selbst nicht gewalttĂ€tig agiert, gehört sie aufgrund ihrer gewaltunterstĂŒtzenden und gewaltbefĂŒrwortenden Einstellung zur gewaltorientierten linksextremistischen Szene.“

Diese Einordnung ist nicht neu; bereits 2020 hatte der Bremer Verein dagegen geklagt, jedoch im Oktober vor dem Verwaltungsgericht verloren. Die Rote Hilfe hat Widerspruch eingelegt, das Verfahren steht noch aus.

Lina ist eine 26-jĂ€hrige Leipziger Antifaschistin, die seit November 2020 in Untersuchungshaft sitzt und der die Bundesanwaltschaft die Bildung einer linksextremen kriminellen Vereinigung vorwirft. Mit dem Banner wolle man auf ihre Situation sowie die „Möglichkeit zur solidarischen RechtshilfeunterstĂŒtzung“ aufmerksam machen, heißt es auf der NFJ-Internetseite. Neben SolidaritĂ€t und der Unschuldsvermutung sei Rechtshilfebeistand ein demokratischer Grundsatz, daher sei der öffentliche Hinweis darauf „absolut unproblematisch“.

Dies könne man – Meinungsfreiheit sei Dank – gerne auch anders sehen, so die NFJ. Der „autoritĂ€re Versuch von Disziplinierung“ durch die CDU – damit meint die NFJ das Infragestellen der Förderung – sei dagegen unverhĂ€ltnismĂ€ĂŸig. Zudem stelle er den Versuch dar, „als unbequem empfundene Akteure der Zivilgesellschaft kleinzuhalten“, so die NFJ am Dienstag.

Ein weiterer Vorwurf aus der Senatsanfrage – die Arbeit in der Buchte sei „durch linksextreme Ideologie geprĂ€gt“ – ist fĂŒr die NFJ falsch sowie ein „weitreichender Diskreditierungsversuch“: Denn der Vorwurf habe nicht nur potentielle Konsequenzen fĂŒr die NFJ als TrĂ€ger der Jugendarbeit; es werde so versucht, „emanzipatorische Positionen an sich zu diskreditieren – weil sie durch den Extremismus-Vorwurf eben nicht mehr als legitime Positionen wahrgenommen werden“. Durch solche VorstĂ¶ĂŸe hat zuletzt auch der ThĂŒringer Spitzenkandidat der CDU von sich reden gemacht.

Bereits seit April hĂ€ngt das Banner an seinem Platz. Als erstes beschwerte sich die Konrad-Adenauer-Stiftung Anfang Juni darĂŒber, dass die Öffentlichkeit dies „unwidersprochen“ hinnehme. Vor dem Hintergrund der öffentlichen Finanzierung des Treffpunkts sei das Banner ein „Skandal“, der Spendenaufruf fĂŒr die Rote Hilfe „der Gipfel der Unverfrorenheit“.

Die CDU-Fraktion machte prompt mit: „Die Sozialsenatorin finanziert ganz offensichtlich einen Verein, der Kinder und Jugendliche dazu bringt, linksextreme StraftĂ€terinnen zu unterstĂŒtzen“, sagte Sandra Ahrens, Sprecherin fĂŒr Kinder und Jugend. Am selben Tag sagte sie im Weser Kurier, dass die Gelder in der Buchte „fĂŒr den Aufbau linksextremer Strukturen“ verwendet wĂŒrden. Die Senatsanfrage folgte.

Die NFJ bezeichnet ihre TĂ€tigkeit lieber als Jugendarbeit und -kultur, gestĂŒtzt auf die GrundsĂ€tze Antifaschismus, Kapitalismuskritik und Gleichberechtigung. Man wolle „Menschen in die Lage versetzen, sich von gegebenen HerrschaftsverhĂ€ltnissen zu emanzipieren und sie kritik-, urteils- und entscheidungsfĂ€hig machen“.

Senat sieht keine Anlass, die Förderung einzustellen

FĂŒr diese Arbeit erhalte die Buchte 2021 insgesamt 151.900 Euro, erklĂ€rt am Dienstag Jan Fries, Staatsrat bei der Jugendsenatorin. Er erlĂ€utert auch die Voraussetzung fĂŒr die Förderung eines Jugendverbands: die „Bekennung zur freiheitlich demokratischen Grundordnung“; nicht etwa die Übereinstimmung der Positionen eines Jugendverbandes mit der jeweiligen Regierung. Da dem Senat keine Erkenntnisse ĂŒber linksextremistische Ausrichtungen des Bremer Vereins vorliegen wĂŒrden, gebe es „keinen Anlass, die Förderung einzustellen“.

Ob Jugendeinrichtungen also aufhĂ€ngen dĂŒrfen, was sie wollen, und ob der Senat mit derselben BegrĂŒndung auch Transparente akzeptiere, die die gewaltorientierte rechtsextremistische Szene unterstĂŒtzen, fragt Ahrens weiter und betont, dass die CDU mit dem Buchte-Banner ein „echtes Problem“ habe. Doch ein Plakat, so Fries, das sich auf eine „im Verfassungsschutzbericht kritisch gewĂŒrdigte Einrichtung bezieht“, fĂŒhre nicht dazu, eine Organisation selbst als linksextremistisch einzustufen.

Was die CDU mit ihrer Anfrage macht, ist kein Einzelfall: Bundesweit sei zu beobachten, sagt Fries, dass politische JugendverbĂ€nde, die ĂŒber das Bundesprogramm „Demokratie leben“ gefördert werden, wiederholt mit Extremismus-VorwĂŒrfen und dem Infragestellen ihrer Förderung konfrontiert seien – „obwohl sie sich dem Erhalt der freiheitlichen demokratischen Gesellschaftsordnung verpflichteten“.

Quelle: taz.de




Quelle: Endofroad.blackblogs.org