November 16, 2020
Von Spektrum 360
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+++ PRESSEMITTEILUNG +++

Heute Morgen besuchten wir das Jobcenter in Annaberg-Buchholz, wo wir auf das entwĂŒrdigende System, welches auf Ausbeutung, Ausgrenzung und Leistungszwang beruht, aufmerksam machten und Flyer verteilten.

Seit dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts im letzten Jahr ist es den Jobcentern nicht mehr möglich, den Menschen um die 60% bzw. sogar den gesamten Bezug zu kĂŒrzen. Doch auch die weiterhin anwendbaren KĂŒrzungen um 10 bis 30% sind untragbar, da die BezĂŒge das absolute Existenzminimum darstellen.

Sanktionen können ganze Existenzen zerstören. Immerhin dient dieses Bestrafungssystem dazu, Menschen in eine berufliche Richtung zu drĂ€ngen, die sie von sich aus meist gar nicht wĂ€hlen wĂŒrden, um schließlich verwertbar zu sein. Der daraus resultierende psychische Druck veranlasst die Betroffenen dazu, Minijobs, prekĂ€re ArbeitsverhĂ€ltnisse und Ein-Euro-Jobs einzugehen.

Abgesehen davon zeigen Menschen in ihnen aufgezwĂ€ngten, unliebsamen ArbeitsverhĂ€ltnissen verstĂ€ndlicherweise weniger Arbeitsbereitschaft als in Berufen, die sie gern ausĂŒben. Den Jobcentern geht es aber letztlich auch nur darum, Erwerbslose irgendwie zu beschĂ€ftigen und damit die Arbeitslosenstatistik zu verfĂ€lschen. So werden bsp. Mini-Jobber*Innen oder LeiharbeitskrĂ€fte in den Statistiken nicht mehr gezĂ€hlt, obwohl die ArbeitsverhĂ€ltnisse meist befristet sind und die Betroffenen zusĂ€tzlich finanziell aufstocken mĂŒssen. So schrieb Oscar Wilde bereits 1891:

Und da ich das Wort Arbeit ausgesprochen habe, möchte ich darauf hinweisen, wie viel Törichtes heutzutage ĂŒber die WĂŒrde der Handarbeit geschrieben und gesagt wird. Handarbeit ist durchaus nicht etwas, das WĂŒrde verleiht, zumeist ist sie absolut erniedrigend. Irgend etwas zu tun, das man ohne Freude ausfĂŒhrt, ist geistig und moralisch verwerflich, und viele Arbeiten sind völlig freudlose TĂ€tigkeiten und sollten auch als solche betrachtet werden. [
] Der Mensch ist fĂŒr Besseres geschaffen, als Dreck aufzuwirbeln. Alle diese Arbeiten sollte eine Maschine ausfĂŒhren.

Die sozialen GegensĂ€tze der kapitalistischen Verwertungsstruktur hat also viele Gesichter – Jobcenter und deren Sanktionssystem sind eines davon. Ob Steuerbetrug oder Börsencrash, RĂŒstungsexporte oder Lobbyismus, Kinderarmut oder Lohnarbeit: Der Kapitalismus stellt keine bedĂŒrfnisgerechte Gesellschaft dar.

Daher lautet unsere Alternative lautet SolidaritĂ€t und eine Ablehnung des Arbeitsfetischmus. Eine Gesellschaft fernab von Lohnarbeit und Herrschaft ist möglich. Es gilt Luxus fĂŒr alle & nieder mit der Arbeit.




Quelle: Spektrum360.noblogs.org