November 16, 2020
Von LibertĂ€res BĂŒndnis Ludwigsburg
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Aktionstage von Ende GelĂ€nde, Rheinisches Braunkohlerevier – Kohle stoppen. Systemwandel jetzt!

23 – 28. September 2020

Die Gruppen aus dem BĂŒndnis Kesselbambule haben sich dazu entschieden gemeinsam fĂŒr Ende GelĂ€nde zu mobilisieren und eine gemeinsame Anfahrt zu organisieren. In einer Massenaktion des zivilen Ungehorsams werden wir Ende September fĂŒr das Bestehen der Dörfer, eine ernsthafte Klimagerechtigkeit und einen echten Systemwandel einstehen.

Mit einer Infoveranstaltung waren wir am Samstag 12.9. ab Nachmittags im Schlosspark in Stuttgart anzutreffen. 5 unterschiedliche Gruppen des BĂŒndnisses haben sich vorgestellt und Inputs rund um das Thema Klimakrise/Klimagerechtigkeit gehalten. Es gab unter Anderem “Klimekrise aus feministischer Perspektive”, “Klimakrise und Generationenfrage”, “Klimakrise und Klassenfrage”, “Klimakrise und (Neo-)Kolonialismus” sowie “Herrschaft und Ökologie”. Unseren Input zu „Herrschaft und Ökologie könnt ihr weiter unten Im Text nachlesen.

Am 19.9. gibt es noch ein Aktionstraining zur Vorbereitung fĂŒr die Aktionstage. Hier erfahrt ihr auch alles weitere zu möglichen rechtlichen Folgen, sowie zur An- und Abreise.

Tickets fĂŒr die Busfahrt zu den Aktionstagen im Rheinland gibts in der Raupe Immersatt und im Lilo Herrmann Haus.

Auf gehts! Ab gehts! Ende GelÀnde!

Input von (LB)ÂČ zu „Herrschaft und Ökologie“

Hei Leute, wir sind das libertĂ€re BĂŒndnis aus Ludwigsburg. Wir sind eine anarchistische Gruppe und wir sind hier weil wir gerade alle lachend in ne KreissĂ€ge rennen und diese KreissĂ€ge ist die Klimakatastrophe. Wir haben uns die Frage gestellt, was hat Herrschaft eigentlich mit Ökologie und der Klimakrise zu tun hat? Unser gegenwĂ€rtiges System macht es möglich, dass wenige ihre Profitinteressen gewaltsam durchsetzen können und dadurch Mensch und Umwelt beherrschen. Darum ist fĂŒr uns der Kampf um Klimagerechtigkeit auch ein Kampf fĂŒr eine herrschaftsfreiere Welt ohne kapitalistische ZwĂ€nge und der damit einhergehenden Ausbeutung von Mensch und Natur.

Kritik an HerrschaftsverhÀltnissen

Es ist allerhöchste Eisenbahn, dass der Mensch kapiert, dass sein Versuch die Natur zu beherrschen, ja zu unterjochen, zum Scheitern verdammt ist. Kein anderes Lebewesen zeigt die Tendenz die Naur systematisch und allumfassend zu unterwerfen. Zu allem Überfluss sorgen die Macht- und Profitinteressen dafĂŒr, dass die meisten Menschen sich nicht mehr als Teil des großen Ganzen begreifen. Uns ist bewusst, dass es in der Natur Hierarchien gibt, nur funktioniert diese nicht nach dem Prinzip der Unterwerfung aller Strukturen unter eine Einzige. Der Kapitalismus, mit seinen Herrschaftsstrukturen ĂŒber alles andere, zerstört das Gleichgewicht der Natur. Er zwingt zu Wachstum und Konkurrenzabwehr und lĂ€sst kein moralisches oder ökologisches Verhalten zu, da dies zum Wettbewerbsnachteil und Niederlage auf dem Markt fĂŒhren wĂŒrde. Der Kapitalismus ist damit strukturell unmoralisch und anti-ökologisch.

Die Ursache der ökologischen Krise grĂŒndet in der Herrschaft des Menschen ĂŒber die Natur, die eng verbunden ist mit der Herrschaft des Menschen ĂŒber den Menschen. Ökologische Probleme entstehen aus tiefgreifenden sozialen Problemen. Im Kapitalismus wird nicht nur die Natur und die Rohstoffe fĂŒr Profitinteressen beherrscht, sondern auch der Mensch selbst zur Ware. Nicht nur die Natur leidet unter der westlich-geprĂ€gte Lebensweise. Unser Wirtschaften und unsere Lebensweise sind von globalen Hierarchien und Herrschaftmechanismen durchzogen. Menschen in ehemals kolonialisierten LĂ€ndern werden ausgebeutet. Deren Lebensgrundlage fĂŒr Spottpreise zerstört, nur damit wir uns bei Kik Krocks fĂŒr 3 Euro, jedes Jahr ein neues Handy und 2 Autos pro Haushalt leisten können. Zudem tragen Menschen in ehemals kolonialisierten LĂ€ndern am wenigsten zur Klimakrise beit, sind allerdings am stĂ€rksten von deren Folgen betroffen. Wir wollen damit nicht sagen, dass unser Konsumverhalten der Grund, noch die Lösung fĂŒr die ganze Scheiße wĂ€re, aber wollen wir unseren Lebensstandard wirklich weiterhin auf ein solch blutiges und ausbeuterisches System bauen? Unserer Meinung nach ist es besser Verantwortung zu ĂŒbernehmen und Entscheidungen ĂŒber unsere Lebensweise nicht der BĂŒrokratie oder dem Markt zu ĂŒberlassen.

Wie schon gesagt, wir dĂŒrfen nicht dem Irrglauben verfallen, dass die Wahl des ‚ökologischeren‘ SpĂŒlmittels oder der Kauf von CO2-Ausgleichszertifikaten beim nĂ€chsten Flug nach Malle, die Lösung irgendeines Problemes wĂ€ren – ganz im Gegenteil: sie können die Findung einer ökologischen Alternative lĂ€hmen indem Menschen sich drauf ausruhen, vermeintlich genĂŒgend getan zu haben. Was wir stattdessen brauchen sind AnsĂ€tze, welche die Wurzeln der Probleme anpacken, wir brauchen also ein radikales Umdenken. Aber so dĂŒrfen wir auch nicht in unserer radikalen Kritik steckenbleiben, nein, wir mĂŒssen unsere Theorien in die Praxis fĂŒhren, ohne in umweltschĂŒtzlerischen Reformismus zu verfallen. Was wir brauchen sind vorgelebte Beispiele, in welchen wir nicht mĂŒde werden dĂŒrfen zu betonen, dass Ökonomie, Ökologie, und soziale Organisation miteinander verknĂŒpft sind: z.B. effektives Arbeiten ohne Chefs, gegenseitige Hilfe, sowie demokratische, also selbstbestimmte Organisation aller Lebensbereiche. In unserer Überzeugung sind diese AnsĂ€tze dazu geeignet Hierarchien, ĂŒberflĂŒssigen Ressourcenverbrach und schielßlich die Herrschaft von Menschen ĂŒber Menschen aufzulösen. Dies hat unserer Ansicht nach mit Ökologie weitaus mehr zu tun als die Wahl des ökologischeren SpĂŒlmittels. Wie der Botaniker JĂŒrgen Dahl schon sagte: „Es geht nicht mehr um die Raperatur der Maschinen, sondern um die Schließung der Fabrik.“

Alternative Konzepte

Unsere Vorstellung von einer ökologischen Welt strebt ist eine ohne Kapitalismus und Nationalstaat. Sie strebt die Neustrukturierung der Gesellschaft auf eine dezentrale, gemeinschaftliche Weise an, damit fĂŒr alle ein ausgefĂŒlltes öffentliches und privates Leben möglich ist. Unserer Ansicht nach können wir alle im Hier und Jetzt beginnen gesellschaftliche VerhĂ€ltnisse zu Ă€ndern. Daher ist es notwendig mit Beispielen voran zu gehen und zu zeigen, dass ein anderes Miteinander möglich ist. Es ist wichtig, dass neue AnsĂ€tze von unten gebildet werden und so an den realen Problemen und BedĂŒrfnissen der Menschen ansetzen. Dezentrale Entscheidungsbefugnisse, die die Betroffenen zu (selbstbestimmenden) AkteurInnen machen, können einer komplexen Gesellschaft und ökologischen Notwendigkeiten gerecht werden. Oder wie der Dichter Erich MĂŒhsam schon sagte: „Wirklichkeit wĂ€chst aus Verwirklichung“.

Uns ist klar, dass wir mit unseren kleinen Projektchen voll mit utopistischen Spinnern nicht die Avengers oder so sind, die mal eben so den Planeten retten. NatĂŒrlich haben unsere AnsĂ€tze auch SchwĂ€chen, ganz abgesehen von ihrer Begrenztheit. Aber der springende Punkt ist doch, dass die meisten tiefen UmwĂ€lzungen irgendwann einmal ganz klein angefangen haben und von vielen Mitmenschen bestenfalls belĂ€chelt wurden. Denn was wĂ€re z.B. die parlamentarische Demokratie ohne konspirative Humanistenzirkel von vor 200 Jahren mit ihren praktischen Kleinstexperimenten?

Konkrete Beispiele

Auch Hier und Heute gibt es solche praktischen Experimente, wie zum Beispiel die Freie Arbeiter*innen Union (FAU) als anarcho-syndikalistische Basisgewerkschaft oder, als umweltspezifisches Projekt, die Besetzung des Dannenröder Waldes.

Seit rund einem Jahr besetzen rund 100 Aktivist*innen diesen uralten Mischwald in Hessen, um gegen dessen Zerstörung durch einen Autobahnbau zu protestieren. Sie organisieren sich in insgesamt sechs Dörfern aus selbstgebauten BaumhĂ€usern und erproben dort ihren Entwurf einer hierarchiefreien Gesallschaft. Hierbei geht es natĂŒrlich, abgesehen von gelebter Utopie, um eine radikale Widerstandskultur gegen den Bau eines durch und durch zerstörerischen Betondenkmals einer Gesellschaft, die ihre SUVs als wichtiger erachtet, als die Natur von der sie abhĂ€ngt. Dies ist eine direkte Aktion gegen den Bau von noch mehr Schwachsinn, in einer Welt in der Wahlen, Demonstrationen, Petitionen, Klagen und Appelle an politische EntscheidungstrĂ€ger*innen so bedeutungslos erscheinen, wie ein Furz im Wind. Dieses wunderbare Projekt steht jedoch kurz vor der RĂ€umung. Am 01.10. beginnt die Rodungssaison, bis dahin sollen die Besetzer*innen verschwunden sein. Deshalb rufen wir euch auch dazu auf, UnterstĂŒtzung zu leisten, fahrt hin, bringt den Leuten im Danni Nahrung, Verpflegung, Kraft und SolidaritĂ€t. Und achtet darauf, dass dabei Mund und Nase bedeckt bleiben.

Auch die anarchistische Waldbesetzung des Hambacher Forst hat eine enorme mediale und soziopolitische Reichweite in die Öffentlichkeit und kann Hier und Heute ein Beispiel fĂŒr den Versuch eines hierarchiefreieren und selbstbestimmteren Zusammenlebens zu geben.

Ende GelÀnde

Doch warum finden wir Ende GelÀnde gut und gehn da hin?

Ende GelÀnde ist eine Graswurzelbewegung und gelebter Widerstand von Unten. Die Organisation erfolgt in kleinen Gruppen von Menschen, die gemeinsam in die Aktion gehen und aufeinander Acht geben. Diese Bezugsgruppen ermöglichen, dass die Menschen in Ihnen selbst festlegen können, wie sie Entscheidungen treffen und wie Aufgaben verteilt werden. Auch können dadurch die Anliegen der Beteiligten besser in die Aktion einbezogen werden.

Unser Ziel ist es als Teil von Ende GelĂ€nde mit Hilfe von zivilem Ungehorsam zerstörerische Grenzen bewusst zu ĂŒberschreiten und diese damit ein fĂŒr alle mal zu verschieben. Damit meinen wir, dass ziviler Ungehorsam wie ein Brennglas wirken kann und einen Diskurs ĂŒber Klimagerechtigkeit und allgemein eine gerechtere Welt befeuern kann. UnschlĂŒssige, zerstörerische Praktiken geraten in den Fokus der Aufmerksamkeit, was lĂ€ngst ĂŒberfĂ€llig ist. Damit können wir ein Zeichen setzen, dass wir uns nicht lĂ€nger damit abfinden dass solche klimaschĂ€dlichen Verfahren weiterhin Praxis bleiben. Denn auch wenn Scheiße legal ist, bleibt es immernoch Scheiße. Oder war es nicht auch mal legal Frauen* das Autofahren und die BerufsausĂŒbung zu verwehren und HomosexualitĂ€t zu kriminalisieren? Wir mĂŒssen kritisch reflektieren, was in dieser Gesellschaft als legal gilt und einschreiten wenn wir zu dem Schluss kommen, dass das Unsinn ist!

Schluss

Wir sehen also, dass es möglich ist alternative Lebensweisen und Organisationsstrukturen zu erproben und realisieren, die weitaus umfassender sind als alle BambuszahnbĂŒrsten dieser Welt. Ja, dass wir das sogar mĂŒssen, wenn wir wollen sich hier grundlegend was Ă€ndert, oder wie Bookchin sagte: „Wenn wir nicht das Unmögliche zuwege bringen wird das Undenkbare eintreten“.

Alle Wurzeln der ökologischen Krise liegen in unserem absurden Wirtschafts- und Politiksystem. Die Art und Weise wie wir Menschen mit Natur und Umwelt umgehen, unser Leben auf Ausbeutung aufbauen, ist nur die Konsequenz aus dieser AbsurditĂ€t. Genau deshalb verstehen wir uns nicht etwa als „auch ökologisch“, sondern als „notwendigerweise ökologisch“.

Unser Weg kann nur an den Wurzeln ansetzen.




Quelle: Lbquadrat.org