April 12, 2021
Von Freie ArbeiterInnen Union (FAU)
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Wenn man Geschichten von prekĂ€ren BeschĂ€ftigungsverhĂ€ltnissen hört, dann spielen diese meist in der Welt des Versandhandels, der Lieferdienste oder der Discounter. Nicht aber in der schöngeistigen Welt der Verlage und des Buchhandels. Und schon gar nicht im Umfeld einer Verlagsbuchhandlung mit klangvollem Namen, die fĂŒr ihre Publikationen aus Kunst und Kunstwissenschaft, Architektur, Design und Mode, Fotografie, Film und Kunsttheorie sowie fĂŒr ihre Ausstellungskataloge seit Jahrzehnten berĂŒhmt ist: die von Walther König.

Die Buchhandelskette aus Köln hat ihre 45 Filialen in Deutschland sowie einigen europĂ€ischen StĂ€dten in der Regel in Museen oder in deren NĂ€he angesiedelt. In MĂŒnchen werden die Museums-Shops im Lenbachhaus, im Museum Brandhorst und im Haus der Kunst von Walther König betrieben. Die BeschĂ€ftigten sind – wie ĂŒberall – ĂŒberwiegend Werkstudenten.

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Und eben jene elf MĂŒnchner Studierende gehen mit Hilfe der Basisgewerkschaft FAU nun auf die Barrikaden. Die VorwĂŒrfe: Die GeschĂ€ftsfĂŒhrung der Buchhandlung Walther König habe die schon immer schlechten BeschĂ€ftigungsbedingungen der Werkstudenten in der Pandemie in einem nicht mehr hinnehmbaren Maße verschlechtert. Und nachdem man mit gewerkschaftlicher UnterstĂŒtzung seine Forderungen zu Urlaubs- und Krankheitstagen sowie eine rechtmĂ€ĂŸige Handhabung der Arbeitsstunden wĂ€hrend der Schließung der Museen und die Auszahlung des Gehaltes gefordert hatte, wurde allen elf studentischen ArbeitskrĂ€ften der MĂŒnchner Filialen mit Verweis auf die Nöte durch den Lockdown am 2. MĂ€rz gekĂŒndigt. “Geschockt”, sei man gewesen, “so eine Eskalation hĂ€tte keiner erwartet”, sagen alle, mit denen man dazu spricht.

Schon bisher sei es so gewesen, dass jeder Urlaubsanspruch den BeschĂ€ftigten verwehrt und eine Lohnfortzahlung im Krankheitsfall ignoriert worden sei. Die verpassten Schichten seien als Minusstunden verbucht worden, die die Studierenden spĂ€ter wieder “hereinarbeiten” mussten. Die Zahl der Festangestellten wĂŒrde König bewusst niedrig halten, die Werkstudenten seien diejenigen, die den Betrieb am Laufen hielten. Das sei das “GeschĂ€ftsmodell Walther König”, sagen sie.

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Schon beim ersten Lockdown wurde der ohnehin schon geringe Lohn von 9,85 Euro der Werkstudierenden, die keinen Anspruch auf Kurzarbeitergeld haben, auf 60 Prozent reduziert. Dabei wurde die HĂ€lfte des Entgelts als bedingungsloser Zuschuss gezahlt, die andere HĂ€lfte wurde als eine Art Gehaltsvorschuss mit einem negativen Arbeitszeitkonto erfasst und sollte spĂ€ter durch Arbeit ausgeglichen werden. Im ersten Lockdown nahmen die Betroffenen das zunĂ€chst hin. Doch als König im zweiten Lockdown die gleiche Strategie fuhr und sich bei einzelnen an die 200 Minusstunden ansammelten, die bei einer durchschnittlichen Monatsarbeitszeit von 56 Stunden dann ohne Bezahlung abgearbeitet werden sollten, protestierten sie.

Franz König, Gesellschafter und einer der beiden GeschĂ€ftsfĂŒhrer, bestĂ€tigt in einer schriftlichen Stellungnahme der SZ: “Wir schĂ€tzen unsere Studierenden als Kollegen und nehmen unsere soziale Verantwortung als Arbeitgeber sehr ernst. Daher haben wir mit ihnen Vereinbarungen diskutiert und schriftlich geschlossen, die einerseits eine Fortzahlung des Entgelts in Höhe von 60%, d.h. auf Niveau des Kurzarbeitergeldes, ermöglichten, andererseits betriebsbedingte KĂŒndigungen vermieden.”

Die Werkstudenten sagen, sie hĂ€tten damals aus Furcht um ihre Jobs unterschrieben. FĂŒr viele ist es das einzige Einkommen. König schreibt auch: Aufgrund der VorwĂŒrfe habe man das persönliche GesprĂ€ch zu den Werkstudierenden in MĂŒnchen gesucht, doch “kein einziger” habe sich “bezĂŒglich der genannten VorwĂŒrfe selbst an uns gewandt”. Die Werkstudenten entgegnen, man wollte sich nicht in EinzelgesprĂ€chen auseinanderdividieren lassen, sondern mit einer Stimme sprechen und diese sei die FAU. Deren Anfragen seien aber unbeantwortet geblieben. Stattdessen blieb zunĂ€chst der Lohn aus, dann kamen die KĂŒndigungen.

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Zu den grundsĂ€tzlichen Arbeitsbedingungen Ă€ußert sich Franz König wie folgt: “SelbstverstĂ€ndlich leisten wir Werkstudierenden Lohnfortzahlung bei krankheitsbedingten Fehlzeiten und Vorlage einer AU. NatĂŒrlich gewĂ€hren wir den Werkstudenten auch Urlaub, teilweise durch Abgeltung.” Dem widersprechen aber mehrere ehemalige Mitarbeiter, unter anderem auch Stephan Janitzky, der im Buchladen im Haus der Kunst jahrelang teils als Werkstudent, teils als Festangestellter gearbeitet hat. Urlaub werde bei Walther König nicht bezahlt, im Krankheitsfall Minusstunden notiert – selbst wenn eine Bescheinigung vorgelegt wurde. Auch Maurin Dietrich, Direktorin des MĂŒnchner Kunstvereins, hat wĂ€hrend ihres Studiums in Berlin fĂŒr die Buchhandlung Walther König gearbeitet und bestĂ€tigt die generellen VorwĂŒrfe der Studierenden: “Das System wird gestĂŒtzt von studentischen Mitarbeitern.”

Unter den Werkstudierenden der Buchhandlungen von Walther König in anderen StĂ€dten rumort es ebenfalls, wie man hört. Die GeschĂ€ftsfĂŒhrung soll Verbesserungen angeboten haben. Ob das noch hilft, scheint fraglich. Der gute Name von Walther König jedenfalls hat schon ein paar Kratzer abbekommen.




Quelle: Fau.org