September 23, 2021
Von Kollektiv.26 Autonome Gruppe Ulm
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In den letzten Tagen machte in Ulm eine angekĂŒndigte Banner Aktion von Klimaaktivist*innen große Schlagzeilen. Lokale und regionale Medien berichteten, dass diese angekĂŒndigt hĂ€tten, auf dem Wahrzeichen der Stadt das MĂŒnster zu klettern und ein Banner anzubringen. Prompt reagierte darauf die Polizei mit Drohungen und stundenlangem PrĂ€senz zeigen auf dem MĂŒnsterplatz.
Von außen wirkte das erstmal verwirrend – warum wird so eine Aktion denn vorher angekĂŒndigt? Mittlerweile ist klar: Das ist so abgelaufen weil die SĂŒdwestpresse eine Sperrklausel gebrochen hat und aktiv Partei ergriffen hat.
Nach einigen Tagen ist fĂŒr uns jetzt ersichtlich, was genau passiert ist. Die Klimaaktivist*innen hatten eine Pressemitteilung mit Sperrklausel vorab geschickt und wollten somit die lokale Presse ĂŒber die Aktion informieren. Nun wurde dieser Plan nicht ohne die geballte Kompetenz der SĂŒdwestpresse gemacht. Diese entschied sich nĂ€mlich, gepflegt auf die Sperrklausel zu scheißen und vorab zu berichten – Nachdem die Katze aus den Sack war, zogen die Aktivist*innen ihre Sperrfrist zurĂŒck. Und bis auf die Augsburger Zeitung wird das soweit wir wissen von niemanden sonst auch nur erwĂ€hnt.
Damit wurde faktisch die Aktion verunmöglicht, da die Ulmer Cops nichts lieber tun als 50 Meter vor ihrem Revier spazieren zu fahren um eine harmlose & symbolischen Aktion zu verhindern. Sie produzierte dabei noch einiges an MĂŒllaussagen wie folgende:
  • die Kosten fĂŒr den Einsatz soll einzelnen Personen angerechnet werden
  • das Anbringen eines Transpis soll Hausfriedensbruch sein
  • Einzelnen Aktivist*innen wurde vorab ein „Betretungsverbot fĂŒr den Großraum Ulm“ mitgeteilt, komischerweise nur Personen deren Namen in einer gewissen Pressemitteilung waren
Dass die (Ulmer) Polizei DĂŒnnpfiff von sich gibt ist und alles was mit Klima, Antifa, Links oder so zu tun hat nicht sonderlich mag, ist wahrlich nichts neues. Doch dass die SWP sich an eine Sperrklausel nicht hĂ€lt und anscheinend Namen an die Polizei weitergibt wollen wir in aller Deutlichkeit als das beizeichnen was es ist: Ein parteiischer Kackmove der aktiv eine politische Aktion verhindert hat.
Wir wĂŒrden nach Jahren Pressearbeit in Ulm grundsĂ€tzlich davor warnen, die SWP ĂŒber irgendetwas vertrauliches zu informieren. Das was wir bisher mitbekommen haben, reicht von falscher Faktengrundlage, wortwörtliches Kopieren von Polizeimeldungen, Weigerungen mit anonymen Gruppen Kontakt zu haben oder Gegendarstellungen wahrzunehmen, bis zu falschen Quellenangaben.
Wir wollen hiermit nicht in das wirre rechte Geschrei von LĂŒgenpresse oder kontrollierten Medien fallen, doch eine Kritik an grĂ¶ĂŸeren und kommerziellen Medien ĂŒberlassen wir nicht dem rechten Diskurs. Linke Kritik an Mediendarstellungen sollte sie an ihren eigenen Standards messen.  Ihr gebt vor, objektiv zu berichten? Wie entscheidet ihr welches Bild ihr nutzt, welche Personen interviewt werden, welche Nachricht wichtiger als die andere ist? Und fĂŒr wen der Pressekodex gilt, mit wem gesprochen wird und mit wem nicht? 
Was ist den ObjektivitĂ€t? Im konkreten Fall hat das veröffentlichen der SWP dazu gefĂŒhrt das statt eine Aktion, die Kritik an der CDU und Klimapolitik Ă€ußert, ein ganz anderes Bild in der Öffentlichkeit entsteht. Eine gescheiterte Aktion und eine starke Polizei, die schnell und eifrig reagiert.
Ein Polizeieinsatz von, fĂŒr und mit der SĂŒdwestpresse
Diese Bilder von Polizei Autos vor dem MĂŒnster hĂ€tte es ohne sie nicht gegeben. Dieses Bild hat die SWP wortwörtlich selbst erstellt. In diesem Fall wird nicht berichtet, sondern das Ereigniss selbst geschaffen.
Wir glauben das sind auch wirtschaftliche, statt objektive Interessen – „Kletteraktion am MĂŒnster angekĂŒndigt – Klimaaktivsten wollen Banner enthĂŒllen“, „Polizei verhindert den Klimaprotest“ – das klickt sich halt gut. Viele Möglichkeiten können da eine Rolle spielen: fallende Print Verkaufszahlen, weniger Angestellte, weniger Zeit & mehr Druck tagesaktuelle Schlagzeilen rauszuhauen und natĂŒrlich Clicks fĂŒr die Online Abos zu generieren.
Das alles fĂŒhrt nicht zu gutem Journalismus (genauso wenig wie die berufliche Karriere des derzeitigen Chefredakteurs – Bild, die Bunte & Kölner Express)
Und genau diese Art von Journalismus – Große Headline, wenig Inhalt, oft emotional aufgeladen (Empörung/Wut/Schock) – wirkt sich gesellschaftlich aus. In einer Zeit mit zunehmender Propaganda aus extrem rechten Kreisen, muss schlechter Journalismus in die Verantwortung gezogen werden, weil er durch das fokussieren auf reißerische Inhalte am NĂ€hrboden fĂŒr rechtes Gedankengut beitrĂ€gt.
PS: FĂŒr alle die drauf angewiesen oder daran interessiert sind Lokalzeitung zu konsumieren ein Tipp.  Ein Abo in der lokalen StadtbĂŒcherei geht oft mit einem Zugang zu online Presse Datenbanken ein. Dort könnt ihr leicht verzögert vieles lesen was sonst hinter einer Paywall versteckt ist.



Quelle: Kollektiv26.blackblogs.org