April 22, 2021
Von Paradox-A
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Lesedauer: 4 Minuten

Und wieder mal ein Superwahljahr. Komisch, ich kann es ĂŒberhaupt nicht mehr zuordnen, wann das letzte war. Mir kommt es aber so vor, als wenn eigentlich dauernd super Wahljahre sind. Also zumindest alle vier Jahre, manchmal aber auch alle zwei. Wie auch immer, Ă€rgerlich ertappte ich mich dabei, doch wieder Wahlumfragen anzuschauen und die Statements der Kanzlerkandidat*innen anzuhören. Ich möchte mich modern und informiert fĂŒhlen. Dass ich es chronisch glaube nicht zu sein, hĂ€ngt einerseits mit meiner ostdeutschen Sozialisation, andererseits mit meiner kindlichen und jugendlichen Anti-Haltung gegenĂŒber allen Trends zusammen. Ich arbeite daran, mich dort heraus zu schĂ€len, denn sonst wird eben keine sozial-revolutionĂ€re Perspektive daraus. Doch das bleibt
 wie sagt man? 
 ein Prozess.

Wie auch immer: Kanzlerkandidat*innen-Aufstellung und das ganze Drumherum. Kriegt man mal wieder das GefĂŒhl verkauft, dass es um irgendwas ginge. Eigentlich geht es ja auch um was, aber nicht um das, was mir da prĂ€sentiert wird medial. Die Frage der Gesellschaftsform, in welcher wir leben, stellt sich dabei verstĂ€ndlicherweise nicht. Die Pandemie war ein super stressiger Stillstand – da ist es nett, mal einer Pseudokontroverse zu folgen. Und da ich leider bisher Fußball oder anderen Sportarten, wo Mannschaften konkurrieren, was abgewinnen konnte, fĂŒhrt das dann eben wieder zum Wahlspektakel zurĂŒck. Angriff – Teamplay – Verteidigung – RĂŒckpass – Schuss – Tor – und wieder rein ins Feld. Klar, es ist nun auch FrĂŒhling und da ziehen die Heere traditionell inn die Schlacht, nachdem sie im Winter gerastet, sich gegenseitig geschont und ihre Waffen repariert haben.

Dass immer mal was in Bewegung zu sein scheint, politisch, finde ich auch gut. Gesellschaft hat nun mal keine ontologische Grundlage, weswegen die ganzen Rechten verschiedener Coleur ja auch so krampfhaft bemĂŒht sind, sich irgendwelchen Quark wie „Heimat“, „Tradition“, „Nation“ und solchen Unsinn zurecht zu konstruieren. Ich kann verstehen, dass sie sich gerne mit irgendwas verbunden fĂŒhlen möchte, na sicher. Da frage ich mich, ob das prĂ€figurative so-tun-als-ob bei ihnen nicht manchmal weit fortgeschrittener ist, als bei den Anarchist*innen
 Aber Verbundenheiten und Zugehörigkeiten zu generieren ginge doch auch anderes, direkter, realer. Zum Beispiel in gelingenden menschlichen Beziehungen oder solidarisch-freiheitlichen gesellschaftlichen Institutionen.

Da ist jetzt also ein Laschet Kanzlerkandidat bei der CDU. Ja soll er mal. Hab ich eigentlich keine Meinung dazu. Ist mir sozusagen einfach egal. Bloß Söder, den mochte ich nicht. Denn der ist böse. Warum kann ich an dieser Stelle nicht begrĂŒnden. Es ist mehr so ein GefĂŒhl im Grundrauschen medialer EindrĂŒcke. Und bei den GRÜNE wurde es dann Baerbook und nicht Habeck. Obwohl der Habeck, wie ich dann gelesen habe, doch gar nicht so der Gentleman war, sondern selbst Kanzler in spe sein wollte und nun mit den ZĂ€hnen knirscht. Was ich ehrlicherweise ĂŒberhaupt nicht verstehen kann, vermutlich weil ich kein Macht-versessener Spitzenpolitiker bin. Und sein werde. Mal ehrlich, was ist mit dem Typ denn los? So Finanz- oder Kriegs- oder Außenminister – das sind doch auch alles recht Zeit-fĂŒllende, verantwortungsvolle und gut dotierte Posten, oder?

Dahingehend zeigt sich dann aber, dass ich eben die Sport-Logik nach wie vor nicht kapiert habe. Es geht nicht darum, irgendwie gut zu spielen. Man möchte die Nummer eins sein. Und das ist jetzt eben diese Frau da, die ohne Regierungserfahrung. Gut, das macht sie mir natĂŒrlich erst mal sympathischer, weil ich meine Erfahrungen bisher ja vor allem gegen Regierungsdinge gemacht habe. Aber das reicht eben nicht. – Weil die Zecken den Hals nie voll kriegen, das kennt man ja. – Nein, ich muss es gestehen: Ich verachte auch Baerbook und den ganzen Laden, fĂŒr den sie steht. Nicht, das wir uns falsch verstehen: Ich fĂŒhle mich nicht verraten oder sowas. Das könnte ich nur, wenn ich unterstelle, dass es da mal eine gemeinsame Position gegeben hĂ€tte. Eine nicht unbetrĂ€chtliche Anzahl Anarchist*innen hat einen angegrĂŒnten Hintergrund. Statt es den vermeintllich Professionellen mit ihrem angeblichen sozial-ökologischen Umbau zu ĂŒberlassen, haben sie den Garten dann doch lieber selbst gemacht. Das sind zwei ganz verschiedene Dinge.

Hinsichtlich der anderen Mannschaften vielleicht an anderer Stelle mehr. Die Gelben? Politik als Firmenmodell
 verstehe ich nicht, hab ich keinen Bezug zu. Die Blauen? Der Feind halt, muss man sich notgedrungen mit auseinandersetzen. Sozialdemokraten? Ja, Wagenknecht hat es kĂŒrzlich noch mal auf ganzer Linie verkackt. Schon extrem dumm, wenn man bedenkt, dass halt SUPERWAHLJAHR ist. Aber zu retten ist sie nicht. Und die Befreiung aus der Wagenknechtschaft kann nur das Werk der Wagenknechte selbst sein. Ansonsten tut jede vernĂŒnftige, integere und solidarische Person und Gruppe gut daran, die in den Skat zu drĂŒcken und sich auf die eigenen Aufgaben zu konzentieren. Von Der Partei hab ich auch noch nichts gehört hinsichtlich Kanzlerkandidatur-VorschlĂ€ge. Komisch eigentlich. Aber vielleicht sparen sie sich ihr Pulver noch. Und dann noch hier, Dings, neoliberal-bĂŒrokratische Zentristen: Hab ich eigentlich gar keine Meinung mehr dazu.

Was aber soll die Quintessenz sein aus meinem Äußerungs- und ProkratinationsbedĂŒrfnis an dieser Stelle? Eigentlich nur die: Wie wir’s drehen und wenden, am Ende wird’s schwarz-grĂŒn im Herbst. Ich werde mir ein paar NĂŒsse holen, um vielleicht noch das eine oder andere Spiel zu verfolgen. DarĂŒber hinaus möchte ich meine Zeit aber lieber wieder mit Politik verbringen. Oder mit etwas anderem?




Quelle: Paradox-a.de