November 27, 2020
Von EA Berlin
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SYKES ist ein Callcenter. Das multinationale Unternehmen (ĂŒber 50000 Arbeiter*innen weltweit) erzielt hohe Gewinne, indem es ausgelagerte Kundendienstleistungen fĂŒr Drittunternehmen (wie Play Station, Sony, Klarna oder Squaretrade) anbietet und seinen BeschĂ€ftigen nur Mindestlohn zahlt.

Aber manchmal ist das SYKES nicht genug. Wenn der Vertrag eines Arbeitnehmers oder einer Arbeitnehmerin endet, ist es nicht ungewöhnlich, dass geleistete Überstunden, verbleibende Urlaubstage und LeistungsprĂ€mien “auf mysteriöse Weise” verschwinden. Was kann ein*e Mitarbeiter*in in dieser Situation tun, wenn die Tage vergehen, Rechnungen sich anhĂ€ufen und die Personalabteilung auf E-Mails nicht mehr antwortet?

Joe, ein Mitglied der Gewerkschaft FAU Berlin, befand sich genau in dieser Situation: „Nachdem ich den Job gekĂŒndigt und meine unbezahlten Überstunden, PrĂ€mien und Feiertage geltend gemacht hatte, versuchte die Personalabteilung, mich zu verwirren. Deshalb habe ich mich an die FAU Berlin gewandt. Mit der Hilfe meiner Genossinnen und Genossen konnte ich das richtige Verfahren einleiten, um mein Geld zu fordern.“

Der erste Schritt dafĂŒr, nach einer KĂŒndigung ausstehenden Lohn geltend zu machen, besteht darin, eine Abmahnung zu verfassen, in der alle GeldbetrĂ€ge aufgefĂŒhrt sind, die der Arbeitnehmer beansprucht. „Manchmal ist es schwierig zu berechnen, wie viel SYKES dir schuldet, aber zum GlĂŒck hat die FAU Berlin ihre Erfahrung und ihr Fachwissen angeboten und mir bei der Vorbereitung des Briefes geholfen“, sagt Joe. Der Brief sollte unbedingt per ‚Einschreiben Einwurf‘ versendet werden! Beachte außerdem, dass dies in den ersten Wochen nach Vertragsende erfolgen muss. Denn wird zu lange gewartet, besteht die Gefahr, das Recht auf Geltendmachung von AnsprĂŒchen zu verwirken.

Wenn die Abmahnung nicht zum Erfolg fĂŒhrt, können wir weitere Schritte unternehmen: „Ich habe nie erwartet, dass SYKES auf meine Abmahnung reagiert. Deshalb habe ich mich sofort nachdem ich sie abgeschickt hatte, mit meinen Genossinnen und Genossen von der FAU Berlin zusammengesetzt, um die Unterlagen fĂŒr meine Klage vorzubereiten“, sagt Joe. Da SYKES nicht antwortete, gingen Joe und seine Genoss*innen gemeinsam zum Arbeitsgericht, um einen Zahlungsantrag zu stellen.

Das ist eigentlich ganz einfach, da es beim Arbeitsgericht eine gibt, die beim Einreichen der Klage behilflich ist. Es wird allerdings empfohlen, sich vorher beraten zu lassen. Die FAU Berlin bietet kostenlose an, die sowohl Mitglieder*innen als auch Nichtmitglieder*innen gleichermaßen zur VerfĂŒgung steht!

Die FAU vertritt den Grundsatz ‘Ein Angriff auf eine*n ist ein Angriff auf alle’.  So kamen Joe und seine UnterstĂŒtzer*innen zusammen und reichten die Klage ein. Joe erinnert sich: „Es war ein herrlicher Moment. Die UnterstĂŒtzung meiner Genossinnen und Genossen, die mir beim Papierkram geholfen und mich zum Gericht begleitet haben, hat sich toll angefĂŒhlt. Es war enorm befriedigend, sich aktiv gegen SYKES zu wehren!!“

Seither hat die Personalabteilung die Beantwortung von Joes E-Mails eingestellt, sodass er und seine Genoss*innen auf die Entscheidung des Gerichts warten mĂŒssen. Das ist jedoch nur die Spitze des Eisbergs: Die Erwartungen von SYKES an ihre Arbeiter*innen finden kein Ende. Das Unternehmen versucht nicht nur, ihnen Teile ihres Gehalts vorzuenthalten und PrĂ€mien verschwinden zu lassen: Pausen finden nicht statt, Überstunden werden nicht erfasst, Teamleiter*innen fordern stĂ€ndig mehr Effizienz (selbst wenn die Mitarbeiter*innen bereits 100% geben) und vieles mehr. „Viele Leute beschweren sich darĂŒber oder schreiben E-Mails, aber wenn wir die Arbeitsbedingungen verbessern wollen, mĂŒssen wir uns gemeinsam organisieren. Mit der UnterstĂŒtzung der FAU Berlin ist das wesentlich einfacher und effektiver“, stellt Joe fest.

Die FAU Berlin wird Joe in seinem Kampf weiter unterstĂŒtzen, bis er das Geld erhĂ€lt, das er durch seine Arbeit verdient hat und von einem multinationalen Unternehmen vorenthalten wird. Eine UnterstĂŒtzerin macht deutlich, dass das erst der Anfang ist: „Wir wollen auch die Arbeitsbedingungen derjenigen verbessern, die noch dort arbeiten. Und wir freuen uns immer darĂŒber, mehr Arbeiterinnen und Arbeiter bei der FAU Berlin zu begrĂŒĂŸen, damit wir den Kampf gegen den Riesen fĂŒhren können. Wir werden dich unterstĂŒtzen, aber wir brauchen dich auf unserer Seite!”  – Oder wie es Joe ausdrĂŒckt: „Wenn mehr Arbeiterinnen und Arbeiter der Gewerkschaft beitreten, können wir wirklich viele Dinge erreichen. Jede Änderung wĂŒrde zu einer besseren Situation fĂŒhren. Die meisten BeschĂ€ftigten haben es satt und warten darauf, dass etwas passiert. Die FAU Berlin verfĂŒgt ĂŒber die Erfahrung und Expertise, die sie benötigen, um ihre Wut in effektive Organisation und direkte Aktion zu verwandeln. Reines Dynamit!“

Klicke hier, um der FAU beizutreten und Joe in seinem Kampf zu unterstĂŒtzen:

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Quelle: Berlin.fau.org