Juni 23, 2021
Von InfoRiot
289 ansichten


Potsdam – Ein weiterer wichtiger Schritt zum Bau der Potsdamer Synagoge ist getan: Brandenburgs Kulturministerin Manja SchĂŒle (SPD) und der PrĂ€sident der Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland (ZWST), Abraham Lehrer, unterzeichneten am Montag eine Vereinbarung zum Bau der Potsdamer Synagoge. Die Vereinbarung regelt, dass das Land als Bauherr das GebĂ€ude entsprechend nach dem Entwurf des Berliner Architekten Jost Haberland errichtet.

Brandenburgs Kulturministerin Manja SchĂŒle (SPD) und ZWST-PrĂ€sident Abraham Lehrer unterzeichneten den Vertrag.Foto: Andreas Klaer

„Der Bau der Synagoge ist ein Symbol dafĂŒr, dass jĂŒdisches Leben in Potsdam wieder dort prĂ€sent und sichtbar sein wird, wo es hingehört: im Herzen der Stadt, in unserer Mitte“, sagte SchĂŒle. „Es war kein einfacher Prozess, aber ich bin sicher, dass er nun zu einem guten Ende kommen wird.“

Lehrer: “Wichtiges Zeichen in diesen Zeiten”

Es sei ein sehr freudiger Tag fĂŒr die jĂŒdische Gemeinschaft in Potsdam und Brandenburg, sagte ZWST-PrĂ€sident Abraham Lehrer: „Gerade in diesen Zeiten ist es ein wahnsinnig wichtiges Signal, dass in Potsdam an so prominenter Stelle eine Synagoge entsteht.“ Lehrer und SchĂŒle verwiesen auf die gestiegene Zahl antisemitischer Straftaten, wie auch der aktuelle Bericht des Verfassungsschutzes bestĂ€tige. Zufrieden und erleichtert zeigte sich auch Josef Schuster, PrĂ€sident des Zentralrats der Juden in Deutschland, der bei der Unterzeichnung anwesend war: „Jetzt steht dem Bau des Gemeindezentrums nichts mehr im Wege. Damit ist ein wichtiger Schritt fĂŒr ein gutes Miteinander in Potsdam getan.“

[Was ist los in Potsdam und Brandenburg? Die Potsdamer Neuesten Nachrichten informieren Sie direkt aus der Landeshauptstadt. Mit dem neuen Newsletter Potsdam HEUTE sind Sie besonders nah dran. Hier geht’s zur kostenlosen Bestellung.]

Laut Vereinbarung wird das Land Brandenburg in Zusammenarbeit mit der ZWST ein Synagogen- und Gemeindezentrum in der Schloßstraße 1 zwischen Altem und Neuem Markt errichten. Die Baugenehmigung sowie die denkmalrechtliche Genehmigung liegen bereits vor. Die Bauarbeiten sollen Ende diesen Jahres starten, die Eröffnung ist im FrĂŒhjahr 2024 geplant. Das Land finanziert den Bau mit rund 13,7 Millionen Euro und wird zudem die Kosten fĂŒr Sicherheitspoller entlang der Schloßstraße sowie an der Zufahrt zum Hinterhof ĂŒber die Friedrich-Ebert-Straße ĂŒbernehmen. „JĂŒdinnen und Juden sollen sich hier sicher fĂŒhlen“, sagte SchĂŒle.

An der Schlosstraße, zwischen Altem und Neuem Markt, soll das Zentrum jĂŒdischen Lebens in Potsdam entstehen. Foto: Andreas Klaer

JĂ€hrliche Förderung fĂŒr Betrieb des Zentrums 

Zudem wird das Land die ZWST mit jĂ€hrlich bis zu 650 000 Euro fĂŒr den Betrieb des Synagogenzentrums unterstĂŒtzen. „Das Geld bleibt komplett in Potsdam, die ZWST bekommt kein gesondertes Honorar“, so Lehrer. Nach Fertigstellung der Synagoge soll die ZWST als TreuhĂ€nderin zunĂ€chst fĂŒr drei Jahre die TrĂ€gerschaft ĂŒbernehmen, dann soll der Landesverband der jĂŒdischen Gemeinden in Brandenburg das Haus als TrĂ€ger leiten. Der Brandenburgische Landesbetrieb fĂŒr Liegenschaften und Bauen (BLB) wird die AusfĂŒhrung als Landesbaumaßnahme ĂŒbernehmen. Die ZWST werde dabei als jĂŒdischer Kooperationspartner den Planungs- und Bauprozess begleiten. Hierzu soll es einen gesonderten Verantwortlichen von Seiten der ZWST geben, der fĂŒr die BLB als Ansprechpartner fungiert.

2024 soll das Haus eröffnet werden.Visualisierung: MWFK, Jost Haberland

In Potsdam sorgte die Vereinbarung fĂŒr positive Reaktionen: „Damit rĂŒckt die ErfĂŒllung unserer Hoffnung auf eine Synagoge in Potsdam mit einem Gemeindezentrum, die uns erlaubt, das religiöse, kulturelle und soziale Leben unserer Gemeinden zu gestalten und bekannt zu machen, ein gutes StĂŒck nĂ€her“, teilten die JĂŒdische Gemeinde Potsdam e.V. und die Gemeinde Adass Israel zu Potsdam e.V. in einer gemeinsamen ErklĂ€rung mit. Auch Johannes Funke, religionspolitischer Sprecher der SPD-Fraktion im Brandenburger Landtag, zeigte sich zufrieden: „Damit ist das Projekt nach Jahren der Diskussion nun in guten HĂ€nden.“

Alle Gemeinden eingeladen, Zentrum zu nutzen

Sowohl SchĂŒle, als auch Lehrer und Schuster betonten, dass die kĂŒnftige Synagoge allen JĂŒd:innen in Potsdam offen stehen solle: „Alle Gemeinden sind eingeladen, das Zentrum zu nutzen“, sagte Lehrer in Richtung der Synagogengemeinde und der kleineren Gemeinde „Kehilat Israel“, die den Haberland-Entwurf fĂŒr die Synagoge ablehnen. „Es wird immer EntwĂŒrfe geben, die nicht allen gefallen, aber ich hoffe, dass diese GrĂ€ben mit der fertigen Synagoge ĂŒberwunden werden können“, sagte Schuster.

Lehrer: “Haus ist lĂ€ngst ĂŒberfĂ€llig”

Abgesehen davon sei es „lange an der Zeit“, dass die Synagoge, um die seit 2005 gestritten wird, endlich gebaut werde. „Es kann nicht darum gehen, das einzelne Gruppierungen alles verhindern“, so Schuster. Ähnlich Ă€ußerte sich Lehrer: „Dieses Haus ist lĂ€ngst ĂŒberfĂ€llig.“ SchĂŒle verwies zudem darauf, dass man auch Verpflichtungen gegenĂŒber Ă€lteren Gemeindemitgliedern habe: „Viele sehnen sich danach, die Fertigstellung ihres religiösen und kulturellen Zentrums noch zu erleben, darin zu beten und gemeinsam Gottesdienste und Feste zu feiern.“

Mindestens fĂŒnf jĂŒdische Gemeinden in Potsdam

In der Landeshauptstadt gibt es mindestens fĂŒnf jĂŒdische Gemeinden – ungewöhnlich fĂŒr eine Stadt von der GrĂ¶ĂŸe Potsdams, befand Schuster: „Es wĂ€re an der Zeit, Meinungsverschiedenheiten bei Seite zu legen und sich im Interesse der jĂŒdischen Menschen zusammenzuschließen“, forderte der Vorsitzende des Zentralrats. „Wenn man sich die Anzahl der Mitglieder anschaut, muss man sich schon ernsthaft fragen, welche RealitĂ€t sich hier fĂŒr ein aktives Gemeindeleben bilden kann – die KrĂ€fte sollten gebĂŒndelt werden.“ Die ZWST habe Synagogengemeinde und „Kehilat Israel“ zu GesprĂ€chen ĂŒber eine Zusammenarbeit eingeladen, sagte Lehrer. Konkrete Termine seien aber noch nicht vereinbart worden.

Einzige Landeshauptstadt ohne  Synagoge

Potsdam ist die einzige Landeshauptstadt ohne einen klassischen Synagogenbau. „Dieses Projekt liegt uns sehr am Herzen“, sagte Schuster. Im MĂ€rz wurde in der Landeshauptstadt zwar bereits die Synagoge des Abraham-Geiger-Kollegs eröffnet, die sei jedoch eine Hochschul-Synagoge mit liberaler Ausrichtung, so Schuster: „Die Gemeindesynagoge wird eher dem traditionellen Judentum verpflichtet sein.“ Das sei eine ideale Situation, so Schuster: Beide Synagogen wĂŒrden sich gut ergĂ€nzen.




Quelle: Inforiot.de