Oktober 3, 2021
Von Paradox-A
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Am 3. Oktober 2021 finden in Halle (Saale) die bundesweiten Feierlichkeiten anlĂ€sslich des “Tags der deutschen Einheit” statt. Es werden die ReprĂ€sentantinnen und ReprĂ€sentanten von Staat und Politik erwartet, darunter Bundeskanzlerin und BundesprĂ€sident. Bundesweit mobilisiert die extreme Rechte nun nach Halle. Festakt und politische Prominenz sollen die Kulisse fĂŒr eine Machtdemonstration von rechts werden, wie vor einem Jahr bei den “Querdenken”-Protesten vor dem Deutschen Bundestag, bei denen es zum Versuch kam, das ReichstagsgebĂ€ude zu erstĂŒrmen. Die extreme Rechte setzt dabei nicht auf eine angemeldete Kundgebung oder eine große Demonstration, stattdessen mobilisieren zahlreiche Gruppierungen und Personen bei Telegram und ĂŒber andere Plattformen ihre AnhĂ€ngerinnen und AnhĂ€nger dazu, nach Halle (Saale) zu reisen. Dort sollen sie sich vermeintlich spontan versammeln. Bisher ist schwer einzuschĂ€tzen, ob den vielen Aufrufen nur einige Hundert oder wie in der Vergangenheit mehrere Tausende folgen werden.

Mit den inzwischen bundesweit unzĂ€hligen rechten Protesten gegen die Corona-EindĂ€mmungsmaßnahmen befindet sich die extreme Rechte im Aufwind wie seit den asyl-feindlichen, rassistischen Protesten ab dem Jahr 2015 nicht mehr. Damit nimmt auch der Antisemitismus im öffentlichen Raum zu: Zahllose Motive relativeren den industriellen Massenmord an den europĂ€ischen JĂŒdinnen und Juden, antisemitische Legenden werden ĂŒber Ärztinnen und Ärzte sowie Politikerinnen und Politiker verbreitet, Anti-Corona-Maßnahmen mit der Politik des nationalsozialistischen Deutschlands verglichen und so der historische Nationalsozialismus verharmlost. Symbole der “QAnon”-Ideologie, auf die sich auch die AttentĂ€ter von Halle und Hanau bezogen, werden bei diesen Versammlungen gezeigt, politische Gegnerinnen und Gegner sowie Journalistinnen und Journalisten bedroht, beleidigt und angegriffen. Der rechte Wahn von der Verschwörung endet immer wieder tödlich, zuletzt in Idar-Oberstein.

Am Tag der deutschen Einheit wollen wir daher auch an die inzwischen mindestens 213 Todesopfer rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt seit 1990 erinnern. Die Geschichte der “Einheit” ist unvollstĂ€ndig, wenn sie nicht auch davon erzĂ€hlt, wie zu der Freude jener, die fĂŒr das Ende der DDR gekĂ€mpft hatten und jener, die still dabei standen, der nationalistische Taumel hinzukam, wie Rechte mit Reichskriegsflaggen auf Demonstrationen auftauchten und brutale rassistische Gewalt verĂŒbt wurde, wie in Hoyerswerda und an vielen anderen Orten. Staat und bundesdeutsche Gesellschaft versagten im Kampf gegen Neonazismus, Rassismus und Antisemtismus. Zwei Jahre nach dem Anschlag vom 9. Oktober 2019 in Halle (Saale) und Landsberg sind zentrale Forderungen von Betroffenen nach wie vor nicht erfĂŒllt, bleibt der “Kampf gegen rechts” ein weiterhin nicht eingelöstes Versprechen – mit tödlichen Folgen.

Halle gegen Rechts – BĂŒndnis fĂŒr Zivilcourage ruft dazu auf, entschlossen und gewaltfrei gegen die extreme Rechte auf die Straße zu gehen. Wir kĂ€mpfen fĂŒr eine Gesellschaft, in der die universellen Menschenrechte Jeder und Jedes Einzelnen gewahrt werden. Jeder rechte Aufmarsch und jede rechte Kundgebung ohne Widerstand bestĂ€rkt die extreme Rechte in ihrer Raumnahme, Eskalation und Gewalt. Wir rufen dazu auf, sich dem entgegenzustellen.

Keine Einheit mit der extremen Rechten!
Demonstration gegen Querdenken & Co!
Tag der Deutschen Einheit in Halle (Saale)
Sonntag, 3. Oktober 2021
Beginn 10:30 Uhr
August-Bebel-Platz




Quelle: Paradox-a.de