Juni 23, 2022
Von Paradox-A
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Am Wochenende fand in Leipzig zum ersten Mal eine kleine Tagung zum Themenfeld psychedelischer Drogenkultur statt. Auch wenn ich mir nicht alles anschauen konnte, fand ich doch sehr spannend, was ich zu hören und zu sehen bekam. Darunter beispielsweise VortrĂ€ge zu reaktionĂ€ren Aspekten in der psychedelischen Szene, „dunklen Seiten des psychedelischen Konsums“, zu „Drugchecking“ und zu „spirituellen und transzendenten Dimensionen außergewöhnlicher BewusstseinszustĂ€nde“.

Die Veranstaltenden haben mich inhaltlich, von der Form und persönlich ĂŒberzeugt, dass sich die Diskussion tabuisierter – weil repressiv gehandhabter – Themen wie der Konsum illegalisierter Substanzen sachlich, selbstkritisch und emanzipatorisch gefĂŒhrt werden kann. Das war mir zwar auch frĂŒher schon klar. Durch diverse EindrĂŒcke von unreflektiertem Drogengebrauch, der Kommerzialisierung auch von kriminalisierten Bereichen und die eurozentrisch-hippieske VerklĂ€rung des Rausches, hatte ich zuvor jedoch keine Lust, das Thema weiter zu verfolgen. Und zumindest einzelne Teilnehmenden schienen leider auch eine ausgeprĂ€gt eurozentrische und kapitalistische Einstellung zum Konsum zu haben. Schwierige Leute gibt es ĂŒberall.

Drogenkulturen sagen aber wichtiges ĂŒber die Gesellschaftsform aus, in welcher wir leben. In negativer Hinsicht vor allem ĂŒber Leistungsdruck, politische und ökonomische AbhĂ€ngigkeiten und Entfremdung. In positiver Hinsicht, dass zumindest in den letzten Jahren eine Verbesserung der Informationslage und tendenziell bewussterer Konsum von Psychedelika stattfanden. Dies variiert natĂŒrlich stark zwischen sozialen Milieus und Klassen. Deswegen berĂŒhrt AufklĂ€rung, Impulse fĂŒr einem reflektierten Konsum etc. auch soziale Fragen.

Drogenkonsum ist eine Tatsache, die durch Prohibition, VerklĂ€rung, Stigmatisierung, Kommerzialisierung, mangelndes Wissen, problematische KonsummentalitĂ€t und Erlebnis-Fixierung in die denkbar schlechtesten Bahnen gelenkt wird. Durch Drogen kann UnterdrĂŒckung, Ausbeutung und Entfremdung aufrechterhalten werden. Sie können aber ebenso ein Beitrag fĂŒr Gemeinschaftlichkeit, KreativitĂ€t und Selbstfindung sein. Damit bergen sie auch Potenziale, konkrete Utopien zu entwickeln – und an ihrer Umsetzung mitzuwirken.

Das Thema selbst wird seit Langem in Szene-Kreisen behandelt und auch kommerziell verwertet. In der Herangehensweise der Psychedelic Society liegt aber das Potenzial eines wirklich bewussten, emanzipatorischen und selbstorganisierten Umgangs damit, der zugleich auf konkrete gesellschaftliche VerÀnderungen abzielt.

Die BeitrÀge können spÀter auf https://leipzig.psychedelic.salon/ angeschaut werden.




Quelle: Paradox-a.de