April 15, 2021
Von End Of Road
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30.04.21 WĂŒtende feminstische Demo ohne Cis-MĂ€nner in Kreuzberg


Schon vor 2020 war die Situation aus feministischer Perspektive fĂŒr viele von uns schlimm. AlltĂ€gliche patriarchale Gewalt kennen wir als Frauen, Lesben, nichtbinĂ€re, inter und trans Personen alle, ob nun als BelĂ€stigung auf der Straße, als Übergriff im Club oder als Gewalt in der Beziehung. Nach wie vor wird von uns erwartet, den Großteil der sogenannten Sorgearbeit zu ĂŒbernehmen; gleichzeitig wird diese Arbeit abgewertet, weil sie von uns ĂŒbernommen und deshalb als weiblich und unproduktiv angesehen wird. Durch Corona wird die Situation nun nur noch schlimmer: eine Studie der Bertelsmann Stiftung zeigt, dass der Anteil der Sorgearbeit im Haushalt, die wir erledigen, wieder wĂ€chst. Die vielen von uns, die in den sogenannten „systemrelevanten“ Berufen wie Pflege und Erziehung arbeiten, werden nicht nur noch stĂ€rker ausgebeutet als vorher, sondern mĂŒssen auch konstant riskieren, uns mit Corona anzustecken. Zum anderen sind laut dem Weißen Ring die Anfragen von Betroffenen hĂ€uslicher Gewalt um circa 10 Prozent gestiegen, wobei von einer sehr hohen Dunkelzahl ausgegangen wird. Gewalt in Partnerschaften und Femizide nehmen aktuell zu, weil cis MĂ€nner auf Krisen und Verunsicherung hĂ€ufig mit Zorn und Gewalt gegen die Menschen, die ihnen nahe stehen, reagieren. Regeln wie eine Ausgangssperre und die anhaltenden KontaktbeschrĂ€nkungen machen es schwer, solchen Situationen zu entfliehen und Hilfe zu organisieren. Und wie die Geschichte zeigt, wird die mit Corona kommende Wirtschaftskrise wird den Angriff auf unsere feministischen Errungenschaften und unsere Art, frei und selbstbestimmt zu leben, nur noch verstĂ€rken, wĂ€hrend konservative Politiker_innen und Kapitalist_innen versuchen, ihre Machtpositionen zu erhalten.

Aber ĂŒberall auf der Welt regt sich auch Widerstand: in Polen gehen mutige Feminist:innen gegen das Abtreibungsverbot auf die Straße. In Großbritannien formiert sich eine neue Bewegung rund um den tragischen Mord an Sarah Everard durch einen Bullen und die neuen
Polizeigesetze. In Mexiko besetzte ein feministischer schwarzer Block GebĂ€ude, um sichere RĂ€ume zu schaffen. Die Proteste gegen die AKP in der TĂŒrkei werden getragen von Feminist_innen, die sich gegen Femizide und eine Regierung, die hĂ€usliche Gewalt, Homo- und Transphobie befeuert, wehren.

Wir wollen uns von unseren mutigen Kompliz_innen inspirieren lassen und auch hier unsere Wut und unseren Hass auf eine Gesellschaft, die auf unserer UnterdrĂŒckung als Frauen, Lesben, inter, nichtbinĂ€re und trans Personen basiert, auf die Straße tragen. Wir wollen uns von den Bullen, die oft genug nicht nur wegschauen, sondern selbst frauen- und transfeindliche Gewalt ausĂŒben und uns die Liebig34 genommen haben, nichts gefallen lassen. Wir wollen uns die NĂ€chte, in denen cis MĂ€nner mit und ohne Uniformen ĂŒberall in dieser Stadt versuchen, uns den Raum zu nehmen, uns einzuschĂŒchtern, uns zu erniedrigen, zurĂŒckholen.

Angelehnt an feministische Traditionen ĂŒberall in Deutschland werden wir deshalb am 30.04. auf die Straße gehen. Wir wollen die Take Back The Night – Demo zurĂŒck nach Berlin bringen, und wir wollen sie als Gelegenheit nutzen, uns nicht nur gegen die antifeministischen Angriffe zu verteidigen, sondern selbst in die Offensive gehen. Wir werden emotional und wĂŒtend sein, aber vor allem werden wir eins sein: zusammen und verbunden in unserem Kampf, und so werden wir uns die Straßen und die NĂ€chte und alles, was uns das Patriarchat Tag fĂŒr Tag nimmt, zurĂŒckholen.

Mobivideo




Quelle: Endofroad.blackblogs.org