Juli 28, 2021
Von FAU Flensburg
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Die Tarifverhandlungen fĂŒr die 5,1 Millionen BeschĂ€ftigten im Handel stocken. Die BeschĂ€ftigten fordern höhere Löhne, wĂ€hrend die Unternehmen Lohnerhöhungen unter der Inflationsrate anbieten und Tarifflucht erleichtern wollen.

Die LobgesĂ€nge aus Politik und Wirtschaft ĂŒber die systemrelevanten VerkĂ€ufer*innen im Einzelhandel wirken kein Jahr spĂ€ter wie Musik aus einem anderen Jahrhundert. Doch von dem letztes Jahr versprochenen Respekt ist genauso viel geblieben wie vom lĂ€ngst verhallten Klatschen. Seit Mai verhandelt die Dienstleistungsgewerkschaft ver.di ĂŒber neue TarifvertrĂ€ge fĂŒr den Handel. Sie fordern eine Lohnerhöhung von 4,5 Prozent plus 45€ im Monat. Zudem soll das Mindestentgelt auf 12,50 € angehoben werden.

Die Einzelhandels-Konzerne bieten 5,4 Prozent mehr Lohn. Aber verteilt auf drei Jahre, was eine durchschnittliche Lohnsteigerung von 1,8 Prozent pro Jahr ausmachen wĂŒrde. Die Leistungen der VerkĂ€ufer*innen wollen sie mit einer einmaligen CoronaprĂ€mie von 300€ “honorieren”. Aber nur fĂŒr die wenigen VollzeitbeschĂ€ftigen. Der Großteil der Belegschaft verfĂŒgen nur ĂŒber TeilzeitvertrĂ€ge oder gehört zu den 800.000 Mini-Jobber:innen in der Branche und kommen mit ihrem Gehalt nicht ĂŒber die Runden. HĂ€ndler:innen, die sich als „Krisenunternehmen“ deklarieren, sollen weder die PrĂ€mie zahlen mĂŒssen und die Lohnerhöhungen auf einen ihnen genehmen Zeitpunkt verschieben dĂŒrfen.

Das Angebot ist eine Beleidigung fĂŒr die Millionen VerkĂ€ufer:innen, die auch in den schĂ€rfsten pandemischen Lagen ihre Gesundheit riskieren, um die Versorgung der Bevölkerung sicher zu stellen. Im Mai stieg die Inflationsrate in Deutschland mit 2,5 Prozent auf einen Wert, der seit zehn Jahren nicht mehr erreicht wurde. Davon besonders betroffen: GĂŒter des tĂ€glichen Bedarfs, die besonders die Arbeiter:innenhaushalte treffen. Seit dem großen Preissprung zum Jahresbeginn warnen immer mehr Banken und Ökonomen vor den Gefahren einer hohen Inflation. Und in diesen dynamischen Zeiten wollen sich die HandelsverbĂ€nde mit durchschnittlich 1,8 Prozent Gehaltserhöhung die nĂ€chsten drei Jahre Ruhe in den Laden bringen. Das Angebot entspricht also einem Reallohnverlust, der die meist weiblichen und prekĂ€r (Teilzeit, Befristung, Mini Job, Auslagerung, etc.) BeschĂ€ftigten direkt trifft.

Deshalb ist auch die Wut ĂŒber das Angebot und die Streikbereitschaft hoch. Doch unterzeichnet ver.di einen Tarifvertrag mit der von der Arbeitgeber:innenseite gewĂŒnschten Laufzeit, dĂŒrfte die Gewerkschaft in den nĂ€chsten drei Jahren nicht mehr streiken. Zuletzt streikten vergangenen Freitag in Berlin und Brandenburg BeschĂ€ftigte des Einzelhandels, mit einer „unglaublichen“ Beteiligung, wie ver.di-SekretĂ€rin Conny Weissbach dem Tagesspiegel berichtete. Um die Streikbereitschaft der BeschĂ€ftigten zu brechen, empfiehlt der Handelsverband Deutschland (HDE) seinen Mitgliedern eine unkonventionelle Maßnahme: die großem Mitglieder des Verbandes sollen freiwillig die von den Bossen angebotene Lohnerhöhung zahlen.

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Quelle: Fau-fl.org