Februar 15, 2021
Von Der Rechte Rand
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von Matthias Jakubowski
Antifa-Magazin »der rechte rand« Ausgabe 188 – Januar / Februar 2021

#Onlinearchiv 

Rechte Gewalt geschieht direkt vor unserer HaustĂŒr. Beinahe tĂ€glich gibt es Angriffe von Rechts, Übergriffe von Rechts, Propagandadelikte von Rechts. Wem das nicht bekannt ist, hat jetzt die Möglichkeit, auf der Seite tatortrechts.de sich selbst davon zu ĂŒberzeugen.

Das Projekt der Investigativjournalistin Anna Neifer (u.a. Afghanistan Papiere) und des Softwareentwicklers und Datenanalysts Johannes Filter (u.a. verfassungsschutzberichte.de) visualisiert auf einer interaktiven Landkarte rechte Gewalt in Deutschland und macht diese mittels Recherche-Tool durchsuchbar.

Damit vereint sie die schon seit Jahrzehnten von unterschiedlichen Initiativen, wie zum Beispiel »ReachOut««, »RAA Sachsen«, »Opferperspektive« und anderen kontinuierlich gesammelten Daten aus mehreren BundeslĂ€ndern zu FĂ€llen rechter Gewalt. Diese zivilgesellschaftlichen Akteur*innen unterstĂŒtzen und beraten Betroffene rechtsmotivierter, antisemitischer und rassistischer Gewalt. Sie machen sichtbar, was in der öffentlichen und politischen Wahrnehmung oft nur eine untergeordnete Rolle spielt: Die Sichtweise der Betroffenen. Sie ordnen Taten richtig ein, wo Ermittlungsbehörden manchmal Jahre brauchen, um Taten auch als solche anzuerkennen. Der staatliche Umgang mit Betroffenen rechter Gewalt in Deutschland ist erschreckend.

»Rechte Gewalt vor deiner HaustĂŒr«
12 Projekte haben seit dem Jahr 2000 ĂŒber 16.000 FĂ€lle mit rechtem Bezug registriert.

Es gibt verschiedene Möglichkeiten die Seite zu nutzen. Das Tool »Karte« öffnet links die Hauptkarte, in der die Anzahl der Übergriffe dem jeweiligen Bundesland oder der Region zugeordnet werden. Durch reinzoomen erhĂ€lt man eine detaillierte Auflistung der FĂ€lle fĂŒr die Region, Stadt oder den Ort der Wahl und kann durch die angegebenen Sachverhalte recherchieren. Rechts davon lĂ€uft eine chronologische Auflistung der VorfĂ€lle. Abgerundet wird das Tool mit einer Jahresstatistik seit 2000 und einer Suchmaske, deren Besonderheit innerhalb aller bisherigen Versuche der öffentlich zugĂ€nglichen Visualisierung rechter Taten in der Vielzahl der dort abgebildeten FĂ€lle liegen dĂŒrfte. Mit einer Stichwortsuche lĂ€sst sich wahlweise nach Ortschaften oder Begriffen suchen. Ein Beispiel: Die Suche mit dem Stichwort »Messer« ergibt, dass auf diese Auswahl 428 der bisherigen 16.361 registrierten Taten entfallen. Ein Balkendiagramm zeigt uns zugleich die Verteilungskurve von 2000 bis heute, samt nebenstehender interaktiver Karte. Ein Klick auf den Balken ganz links und man erhĂ€lt die erste registrierte Tat vom 30. April 2000 aus LĂŒbben (Spreewald): »Zwei Deutsche bedrohen einen 22-jĂ€hrigen Mann aus Zaire mit einem Messer. Passanten können schlimmeres verhindern.« Ein weiterer Klick und die Nutzer*innen gelangen zum bislang letzten registrierten Vorfall unter diesem Stichwort vom 07. November 2020 aus Leipzig: »Rechte Gewalt rund um die »Querdenken«-Demonstration – (
) Ein Leipziger Kampfsporttrainer soll bei einem Angriff auf politische Gegner*innen ein Messer gezogen haben. Auf einem Video ist außerdem zu sehen, wie eine Flasche in eine Gruppe von Gegenprotestierenden geworfen wurde.«

Mit der Seite »Tatort Rechts« ist eine spannende öffentlich zugĂ€ngliche Datenbank entstanden, die einer breiten Öffentlichkeit sowie Journalist*innen ein sehr gutes Recherchetool zur VerfĂŒgung stellt. Die Möglichkeit einer so gezielten und ĂŒbersichtlichen Suche in einem derartigen und vor allem öffentlich zugĂ€nglichen Datenbestand zu diesem Thema dĂŒrfte bisher unerreicht sein.

»Wir hoffen, dass es nun durch die visuell ansprechend und filterbar aufbereiteten Daten viel leichter sein wird, ZusammenhĂ€nge in den Daten zu erkennen«, schreiben die Projektentwickler*innen. Damit dieser Wunsch in ErfĂŒllung geht, ist der Seite eine möglichst breite Gruppe an Nutzer*innen zu wĂŒnschen, denen in den kommenden Monaten und Jahren dieses Tool dient, um so ihrerseits zur Sichtbarmachung und Analyse rechter Taten in Deutschland weiter beizutragen.

»»» zum Recherche Tool




Quelle: Der-rechte-rand.de