April 2, 2021
Von FAU Flensburg
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Von Gewerkschaftsforum Dortmund

Die Westdeutsche Allgemeine Zeitung (WAZ) berichtet Anfang MĂ€rz 2021, ihr liegen bisher unveröffentliche Zahlen der Bundesagentur fĂŒr Arbeit (BA) vor, nach denen Deutschland in der Pandemie Tausende PflegekrĂ€fte verloren hat. Allein zwischen Anfang April und Ende Juli 2020 ging die Zahl der PflegebeschĂ€ftigten um mehr als 9.000 zurĂŒck. Der RĂŒckgang betrifft die KrankenhĂ€user ebenso wie die Einrichtungen der Altenpflege. Eine Umfrage des Deutschen Berufsverbands fĂŒr Pflegeberufe unter knapp 3.600 BeschĂ€ftigten von Ende des Jahres 2020 ergab, dass gut ein Drittel der PflegekrĂ€fte darĂŒber nachdenkt, ihren Beruf den RĂŒcken zu kehren.

Das ist die Folge von immer schlechter gewordenen Arbeitsbedingungen fĂŒr die BeschĂ€ftigten im Gesundheitswesen, die viele engagierte Menschen veranlasst, den Beruf zu wechseln und damit den Personalmangel noch weiter vergrĂ¶ĂŸern.

Die Anzahl der mit dem Coronavirus infizierten Menschen bleibt trotz aller KontakteinschrĂ€nkungen durch die Regierung auf hohem Niveau. Es ist und war immer zu befĂŒrchten, dass die KapazitĂ€t der Intensivmedizin nicht mehr ausreichen.

Nach offiziellen Angaben sind in vielen Orten derzeit die Intensivbetten in den KrankenhĂ€usern belegt, der Anteil der Coronavirus-Erkrankten liegt bei rund 30 Prozent. Zwar gibt es noch viele fĂŒr die Intensivmedizin mit modernsten Mitteln ausgestattete Betten, nicht aber das Fachpersonal fĂŒr die Intensivpflege, 3.500 bis 4.000 FachkrĂ€fte fehlen bereits. Gleichzeitig haben sich Ende November 2020 etwa 2.800 FachkrĂ€fte in den KrankenhĂ€usern mit Corona angesteckt. Allein in der ersten Dezemberwoche sind 3.500 Infizierte hinzugekommen.

Diese Situation hat dazu gefĂŒhrt, dass sich die Leiharbeit in den KrankenhĂ€usern ausbreitet und bisher GĂŒltiges umkehrt: Mittlerweile wechselt das Stammpersonal zu einer Leiharbeitsfirma, weil es dort höher bezahlt und die Arbeitsbedingungen besser sind. Immer mehr Leiharbeitsagenturen weigern sich, dass ihre PflegekrĂ€fte auf Stationen arbeiten, in denen die Gefahr besteht, sich mit dem Coronavirus zu infizieren und auch die LeiharbeitskrĂ€fte wollen zunehmend von sich aus nicht mehr auf einer Covid-19-Station eingesetzt werden. Neuerdings können die KrankenhĂ€user die LeiharbeitskrĂ€fte gar nicht mehr einplanen, weil diese sich auf dem Pflegemarkt bestimmte Schichten und Stationen aussuchen können und immer öfter kurzfristig ihren Einsatz absagen.

Die Intensivstationen in den KrankenhĂ€usern sind nicht voller als vor der Corona-Pandemie, doch zugenommen hat der Anteil von erkrankten Menschen mit einem positiven PCR-Test und weiter abgenommen hat die Zahl der nutzbaren Betten, in denen die Betroffenen behandelt werden können, weil die spezialisierten FachkrĂ€fte fehlen. Diese Entwicklung ist dem jahrelangen Personalabbau  geschuldet, um die Kliniken markttauglich und rentabel fĂŒr ihre Betreiber zu machen.

Arbeitsbedingungen verschlechtern sich immer mehr

In den vergangen Jahrzehnten sind die Arbeitsbedingungen fĂŒr die BeschĂ€ftigten im Gesundheitswesen immer schlechter geworden und haben viele engagierte Menschen veranlasst, ihrem Beruf den RĂŒcken zu kehren und damit den Personalmangel noch weiter vergrĂ¶ĂŸern.

Die zweite Welle der Corona-Pandemie hatte aber die anstrengende und unsichere Arbeitssituation fĂŒr die BeschĂ€ftigten im Gesundheitswesen auf die Spitze getrieben. Laut aktueller Studie der AOK zĂ€hlen PflegekrĂ€fte zu den Berufsgruppen, die bis zu dreimal hĂ€ufiger wegen Covid-19 krankgeschrieben werden als der Durchschnitt der BeschĂ€ftigten. Nach Angaben des Robert-Koch-Instituts (RKI) haben sich seit Pandemiebeginn bis Ende des Jahres 2020 mehr als 34.760 Menschen angesteckt, die in Kliniken oder Praxen arbeiten. Trotzdem dĂŒrfen nach der Ausnahmeregelung des Instituts einige Berufsgruppen aus dem Gesundheitswesen mit einer Corona-Infektion sogar unter den Auflagen der so genannten ArbeitsquarantĂ€ne zur Arbeit gehen. Eine Voraussetzung fĂŒr den Arbeitseinsatz der Erkrankten ist der dokumentierte Personalmangel, der auch ohne Corona in dem Sektor gang und gĂ€be ist.

Zwischen April und Oktober 2020 sind ĂŒber 3.500 KrankenhausbeschĂ€ftigte aus der QuarantĂ€ne zurĂŒckgerufen worden, also in einer Phase mit relativ niedriger Infektionszahl.

In vielen privatisierten Kliniken wurden infizierte BeschĂ€ftigte ohne Symptome angewiesen weiterzuarbeiten. Mehrere KrankenhĂ€user verzichten nicht auf medizinisch nicht notwendige Operationen, um das benötigte Personal fĂŒr die Versorgung der Corona-Kranken zur VerfĂŒgung zu stellen, weil die Profitvorgaben der Gesundheitskonzerne eingehalten werden mĂŒssen.

FĂŒr die BeschĂ€ftigten wurden einige Regelungen des Arbeitszeitgesetzes durch die BundeslĂ€nder verwĂ€ssert, so wurde zum zweiten Mal in Niedersachen der 12-Stunden –Tag eingefĂŒhrt, obwohl allgemein bekannt ist, dass lange Arbeitsschichten zu höheren Sterberaten unter den erkrankten Menschen und zu einer erhöhten Ansteckungsgefahr unter den BeschĂ€ftigten fĂŒhrt.

Bei diesen Voraussetzungen ist es kein Wunder, dass die FachkrĂ€fte in andere Berufszweige abwandern, mit der Folge, dass derzeit rund 100.000 Vollzeitstellen allein in der Pflege benötigt werden. Hinzu kommt, dass der Arbeitsmarkt im Gesundheitswesen ein großes Maß an FlexibilitĂ€t benötigt und genau hier spielt die Leiharbeit lĂ€ngst eine SchlĂŒsselrolle.

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Quelle: Fau-fl.org