Juli 16, 2021
Von End Of Road
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Deutschlands koloniales Erbe lebt auf den Straßen weiter.

Bis heute werden in Deutschland Kolonialverbrechen und -verbrecher durch Straßennamen und DenkmĂ€ler geehrt. Ob Straßen, PlĂ€tze oder U-Bahnhöfe: viele Orte sind nach Kolonialverbrechern benannt. Andere stehen in direktem Bezug zum deutschen Kolonialismus. Bis heute gilt die Benennung von öffentlichen PlĂ€tzen in Deutschland als Ehrung von Personen und WĂŒrdigung historischer Ereignisse.

Das macht die 2020 veröffentlichte Karte sichtbar.
Gemeinsam mit der Initiative Schwarze Menschen in Deutschland hat das Peng-Kollektiv Orte mit Kolonialvergangenheit veröffentlicht.

Laut Netzpolitik.org, ermittelt die Staatsanwaltschaft jetzt wegen angeblicher Aufforderung zu Straftaten. Bullen haben Donnerstagmorgen in Berlin und Leipzig die BĂŒrorĂ€ume des Peng-Kollektivs und die Wohnungen von zwei Mitgliedern durchsucht.

Die Karte ist ein Startpunkt fĂŒr die Sammlung von kolonialen Namen im öffentlichen Raum. Durch Einsendungen soll das Bild vervollstĂ€ndigt werden.

Verantwortung ĂŒbernehmen

Mit der PrĂ€senz von Verbrechern, Kriegen und Symbolen von Ausbeutung und Gewalt im öffentlichen Raum werden Verbrechen gegen die Menschlichkeit gewĂŒrdigt. Das ist ein Zeichen fĂŒr den allgegenwĂ€rtigen Rassismus und dafĂŒr, dass Deutschland keine Verantwortung fĂŒr die eigene koloniale Vergangenheit ĂŒbernimmt. Wenn Kolonialgeschichte nicht aufgearbeitet wird, bleiben rassistische Strukturen bestehen.

Perspektive wechseln

Kolonialismus ist Teil der deutschen Geschichte! Er muss aufgearbeitet werden, insbesondere seine KontinuitĂ€t im Nationalsozialismus und in allen Nachwirkungen, die er bis heute hat. Eine tiefergehende kritische Auseinandersetzung mit Kolonialismus und Rassismus muss Teil unseres Alltags werden! Gerade auch im öffentlichen Raum. Durch koloniale Straßennamen, schreibt sich aber immer und immer wieder die Perspektive der TĂ€ter und der Gewalt in die öffentliche Wahrnehmung ein. Es geht nicht um die Unsichtbarmachung von Kolonialgeschichte, sondern um einen Perspektivwechsel.

KĂ€mpfer*innen empowern!

Kolonialgeschichte darf nicht weiter verharmlost oder gar romantisiert werden. Sie muss aus der Perspektive des Widerstands erzĂ€hlt werden. Und zwar mit den Namen wichtiger antikolonialer Denker*innen und KĂ€mpfer*innen. FĂŒr einen öffentlichen Raum, in dem Schwarze Menschen und Menschen of Color nicht an Leid und Gewalt erinnert werden, sondern sich empowert fĂŒhlen!

Markieren

Wer wird da eigentlich wofĂŒr geehrt? Verbrecher fĂŒr Verbrechen, das geht nicht! Kopf ab, Runter vom Sockel, Farbe drauf, Schild drĂŒber – die Möglichkeiten sind vielfĂ€ltig. Aber markieren reicht nicht, wir suchen andere Formen. Vieles kann ein Denkmal sein und im Zweifelsfall macht es sich im Wasser treibend auch ganz gut.

Aufarbeiten

Durch vielfĂ€ltige Interventionen wird Geschichte nicht entsorgt, sondern anders erzĂ€hlt. Postkoloniale Initiativen und Gruppen kĂ€mpfen seit Jahrzehnten fĂŒr eine andere Erinnerungskultur.
Dabei ist es wichtig, Menschen aus den ehemaligen Kolonien und Menschen, die selbst Rassismus Erfahrungen haben, einzubeziehen. Es geht nicht nur darum, gemeinsam den öffentlichen Raum zu gestalten, sondern auch darum, wer mitentscheidet.

Erinnern

Nach WiderstandskĂ€mpfer*innen benannte Straßen, Gegen-DenkmĂ€ler, PlĂ€tze, die uns an empowernde politische Ereignisse erinnern: all das sind Orte, an denen wir uns gerne versammeln. Hier können wir sowohl der Opfer der grausamen Verbrechen des Kolonialismus gedenken als auch den Widerstand feiern. Damals wie heute! in der KontinuitĂ€t solidarische KĂ€mpfe gegen Rassismus und Ausbeutung. Der öffentliche Raum ist fĂŒr alle. Straßenumbenennungen und Gegen-DenkmĂ€ler sind erst der Anfang, wir fordern einen zentralen Erinnerungsort!

Runter vom Sockel!
Und dann?

Wenn die DenkmĂ€ler gefallen sind, soll keine ErinnerungslĂŒcke bleiben. Deutschlands Kolonialgeschichte darf nicht aus dem Stadtbild verschwinden. Im Gegenteil. Die Grausamkeit des Kolonialismus muss sichtbar gemacht werden, den Opfern soll gedacht werden, der antikoloniale Widerstand und der fortwĂ€hrende Kampf gegen Rassismus sollen geehrt werden.
Wo ein Denkmal fĂ€llt, soll ein Mahnmal entstehen oder die Sockel werden befreit, um Platz fĂŒr Gestaltung von KĂŒnstler*innen aus den ehemaligen Kolonien und der hiesigen Schwarzen Community zu schaffen. Straßen werden nicht einfach irgendwie umbenannt. Wir brauchen einen Perspektivwechsel. Statt den Kolonialverbrechern zu huldigen, muss die Ehrung denjenigen Zuteil werden, die gegen die koloniale Gewaltherrschaft gekĂ€mpft haben. So wird der Anspruch einer antirassistischen Gesellschaft auch im Stadtbild verankert!




Quelle: Endofroad.blackblogs.org