Mai 28, 2022
Von InfoRiot
103 ansichten

5.jpg

IMAGO/Christian Thiel

Der Gigant rodet sich immer tiefer in die Landschaft, scheint kaum noch zu stoppen (GrĂŒnheide, 20.3.2022)

Der FlĂ€chenfraß soll weitergehen. US-Elektroautobauer Tesla will das Areal seiner Gigafactory im ostbrandenburgischen GrĂŒnheide (Landkreis Oder-Spree) erweitern, deutlich. Um einen GĂŒterbahnhof, mehr LogistikflĂ€chen und weitere StellplĂ€tze fĂŒr Fahrzeuge. Auf Kosten des angrenzenden Waldes, rund 100 Hektar mĂŒssten dafĂŒr gerodet werden. Das bleibt nicht ohne Widerspruch, seitens der Umweltpartei ÖDP etwa.

Tesla macht Tempo, stellte nach Angaben der Gemeinde GrĂŒnheide am Mittwoch einen Antrag zur Einleitung eines Bebauungsplanverfahrens fĂŒr das Bahnhofsprojekt samt Umfeld. »Das ist eine FlĂ€che, die ist noch nicht mit einem B-Plan belegt«, sagte BĂŒrgermeister Arne Christiani (parteilos) am Donnerstag auf dpa-Anfrage. Zuvor hatte der Rundfunk Berlin-Brandenburg (RBB) darĂŒber berichtet. Die bewaldete FlĂ€che grenzt an das bisherige 300 Hektar große Tesla-GelĂ€nde, das teilweise in einem Trinkwasserschutzgebiet liegt. Über den erforderlichen B-Plan berĂ€t Christiani zufolge der Hauptausschuss der Gemeinde am Donnerstag, den 2. Juni. Wenn dieser, wovon auszugehen ist, eine Empfehlung gibt, könnte die Gemeindevertretung am 23. Juni darĂŒber entscheiden. Das Verfahren fĂŒr einen Bebauungsplan könnte bis zu einem Jahr dauern, prognostiziert Christiani.

Was passiert da? Im Rahmen eines Bebauungsplans legt der Gemeinderat eine Satzung fest. Darin wird geregelt, was unter welchen Bedingungen auf einem definierten GrundstĂŒck gebaut werden darf. Die formalen Anforderungen eines genehmigten B-Plans sind geringer als bei einer UmweltvertrĂ€glichkeitsprĂŒfung (UVP). Das wissen Tesla-Boss Elon Musk und seine Fanboys im Gemeinderat. Denn bei einer UVP erfassen die Gutachter zuerst die ökologische Ausgangssituation vor Ort. Gewissermaßen als Basis fĂŒr die PrĂŒfung der Antragsunterlagen des Vorhabens und von dessen technischer Umsetzung.

FĂŒr Tesla wĂ€re eine Erweiterung mittels eines positiv abgeschlossenen Bebauungsplanverfahrens ein neuer Etappensieg, ein zusĂ€tzlicher GelĂ€ndegewinn. Erst im MĂ€rz hatte das Landesamt fĂŒr Umwelt (LfU) â€“ die zustĂ€ndige, dem Landesumweltministerium unterstellte Behörde â€“ die Auto- und Batteriefabrik in GrĂŒnheide genehmigt. Trotz zahlreicher Proteste durch Anwohner und NaturschutzverbĂ€nde. Seitdem ist dort die Produktion tonnenschwerer Elektromobile angelaufen. In einer ersten Ausbauphase will Tesla rund 500.000 Fahrzeuge jĂ€hrlich vom Band rollen lassen und rund 12.000 Arbeiter beschĂ€ftigen. RĂŒckendeckung erhĂ€lt der kĂŒnftige Marskolonisator Musk vom Brandenburger Wirtschaftsminister Jörg Steinbach (SPD) â€“ und, wenig ĂŒberraschend, von der Industrie- und Handelskammer (IHK) in Potsdam. Steinbach zufolge sei Tesla ein Zugpferd fĂŒr weitere Konzernansiedlungen im Bundesland rund um Berlin. Nicht von ungefĂ€hr forderte die regionale IHK am Donnerstag gegenĂŒber dpa mehr Grund und Boden fĂŒr Firmen.

Davor warnt hingegen Thomas Löb, insbesondere vor der Expansion Teslas. »Ein GĂŒterbahnhof fĂŒr ein Industriewerk ist aus unserer Sicht genauso UVP-pflichtig wie der Hauptstadtflughafen BER«, betonte der ÖDP-Vorsitzende in Brandenburg am Freitag gegenĂŒber jW. Alle an der kĂŒnftigen Bahntrasse gelegenen Gemeinden mĂŒssten beteiligt werden, da sie durch die Baumaßnahmen beeintrĂ€chtigt wĂŒrden, »eben analog zum BER«, so Löb weiter. Und noch etwas ist ihm wichtig: Der zur Rodung vorgesehene Wald sei »definitiv kein reiner, toter Kiefernstangenwald, wie so oft behauptet wird«. Im Gegenteil. Die BestĂ€nde seien artenreicher als die bereits gerodeten. Bei einer Waldbegehung Anfang Mai zĂ€hlten Umweltaktivisten 43 Gehölzarten. Löb: »Dieser Wald darf nicht auch noch der Profitmacherei weichen!«




Quelle: Inforiot.de