Januar 17, 2023
Von Anarchist Black Cross Wien
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Quelle: support eric king, übersetzt von abc wien

1. Es kann immer noch schlimmer werden… im CCA (Corrections Corporation of America, privatisiertes Gefängnisunternehmen) dachte ich, dass neun Monate Isolation in der Untersuchungshaft eine schreckliche und sicherlich illegale Folter sind… In Englewood Low (Gefängnis niedriger Sicherheitsstufe) war ich fassungslos über die Schikanen des SIS (Special Investigative Services) und den Scheiß, den meine Familie durchmachen musste… In Florence Medium (Gefängnis mittlerer Sicherheitsstufe) war ich wütend darüber, wie lange es dauerte, bis E-Mails und Bücher ankamen… Seitdem habe ich JAHRE ohne Besuche, Anrufe, Post, Radio überstanden, das Gefängnispersonal sorgte dafür, dass ich ins Krankenhaus gebracht werden musste, mir wurden grundlegende Dinge wie Kleidung, Essen und Post vorenthalten… Sie können immer noch einen draufsetzen… Und das werden sie auch, je nach deiner Einstellung und deinem Widerstand.

2. Die meisten Menschen, die du triffst, sind nicht gegen die Regierung, gegen Cops oder gar gegen Gefängnisse… Sie hassen diese Institutionen, weil sie sie unterdrücken, aber nicht im weiteren Sinne… Deshalb ist die Radikalisierung im Inneren so wichtig und schwierig; jemanden, der meint, Michael Brown habe es „verdient“, davon zu überzeugen, dass diese Sicht falsch und fehlgeleitet ist, ist eine anstrengende, aber notwendige Arbeit.

3. Unabhängig davon, auf welcher Stufe des Strafvollzugs man sich befindet, ist es von entscheidender Bedeutung, respektvoll zu sein und eine Routine zu haben. Eric McDavid wies mich in Englewood darauf hin, aber da ich von Widerlingen (Creeps), Drogenabhängigen und Alten umgeben war, schien das nicht relevant zu sein. Aber ich habe es gelernt. Eine Routine gibt dem Tag eine Struktur und ein wenig Sinn, sie gibt einem Leben, das sich manchmal sinnlos anfühlt, einen Sinn. Aktiv zu sein hält auch das Gehirn wach… mit Verlaub, das ist im Gefängnis und im Leben wirklich eine gute Idee. Etwa 80 % meiner Probleme, die ich angedeutet habe, sind auf unbedachtes Reden zurückzuführen und hätten vermieden werden können.

4. Du wirst einige wirklich gute Leute kennenlernen. Menschen, die sich um dich kümmern, für dich kämpfen, mit dir feiern und trauern. Ihr werdet nicht immer einer Meinung sein, wenn es um ethische oder politische Fragen geht, aber wenn du jede*n wegstößt, wirst du sehr isoliert sein, und das ist gefährlich … Du brauchst Menschen, die dir den Rücken stärken, sowohl gegenüber anderen Gefangenen als auch gegenüber dem Personal … Nimm die Freundschaft an und nutze sie, um zu versuchen, Denkweisen und Herzen zu öffnen.

5. Menschen, die dich „supporten“, können echte Freund*innen sein, bleib offen und mach dir keine Sorgen, dass du sie beeindrucken musst… du „verdienst“ Unterstützung oder Freundschaft… Einige werden bleiben, andere werden gehen, beides sagt nichts über deinen Wert aus… es ist in Ordnung, du selbst zu sein… Taylor zu lieben, mit Ted mitzufühlen, eine komplizierte Beziehung zur Kirche zu haben, den englischen Fußball zu lieben und gleichzeitig das englische Imperium zu hassen… sei du selbst und sei offen für Liebe und Freundschaft.

6. Du musst die Unterstützung von Menschen oder Gruppen, die dich in einen Zwiespalt bringen, nicht annehmen… es gibt keine Verpflichtungen… du kannst deine Meinung und „nein danke“ sagen, ohne dich schuldig zu fühlen oder dich selbst zu sabotieren. Vertraue dir selbst.

7. Lass dir die Haare wachsen. Lange Haare machen Spaß, sind aber auch sehr mühsam zu trocknen.

8. Bitte um die Hilfe, die du brauchst, und vertraue den Menschen, die dich lieben, dass sie dich unterstützen. Sei proaktiv bei Projekten, die du starten willst, glaube an dich und deine Ideen. Ich habe zu lange gebraucht, und die Leute mussten mir sagen, dass es in Ordnung ist, Wünsche und Bedürfnisse zu haben und sie zu äußern. Das Gefängnis macht mehr Spaß, wenn man sich für Dinge einsetzt, die einem ein gutes Gefühl geben.

9. Antifaschist*in, Antirassist*in oder ein*e politische*r Gefangene*r zu sein, befreit eine*n nicht von dem Scheiß, der hier drin passiert. Du lebst immer noch in dieser Welt und musst grundlegende Richtlinien befolgen… sich außerhalb von allem zu fühlen, wird schon früh zu Problemen führen… du musst Wege finden, die Grenze zu überschreiten und gleichzeitig deine Moral aufrechtzuerhalten… du musst mit potenziell hasserfüllten Menschen essen, aber du musst nicht über ihre Boshaftigkeiten lachen. Sei kreativ, du wirst Wege finden… du kannst zum Beispiel nicht mit anderen trainieren, aber du kannst mit ihnen zusammen unterrichten und Kurse belegen… es gibt Wege, aber sei vorsichtig. Du stehst nicht über allem.

10. Lass nicht zu, dass Leute versuchen, dir unter dem Deckmantel der gegenseitigen Hilfe Drogengelder abzuknöpfen… die Leute werden versuchen, deine Moral gegen dich zu verwenden… Manipulation ist real und Intrigen sind es auch. Die Leute werden vorgeben, eine radikale Ideologie zu teilen, vorgeben, interessiert zu sein… und dann die Solidarität nutzen, um zu intrigieren, Adressen zu stehlen, Telefonminuten zu stehlen usw. Die können mich mal. Es gibt da drinnen genauso schlechte Menschen wie draußen auch.

11. Lass dich niemals, niemals, in die Opferrolle drängen.

12. Fühle den Schmerz, sei verletzlich gegenüber denen, die du liebst und denen du vertraust, bleibe ein Mensch und kein institutionalisierter Roboter. Du bist in dieser Welt, aber es ist nicht deine Welt, es gibt so viel mehr in deinem Leben und deiner Existenz als deine Gefangenschaft.

13. Kämpfe.

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Quelle: Abc-wien.net