November 16, 2020
Von Anarchist Black Cross Ruhrgebiet
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Gefunden auf freetomato.noblogs.org

Hallo liebe*r Leser*in.

Ich habe im folgenden Text Triggerwarnungen eingebaut. Entscheide selbst, was du lesen magst. Dieser Brief kommt von einem Mensch, das linken Aktivismus betreibt. Ich wurde vor nicht zu langer Zeit in Haft gesetzt und erst am 19. Tag aus dieser Haft befreit. Ich habe mich dazu entschieden manche Erfahrungen zu teilen und erlangte Informationen (Ich ĂŒbernehme keine Garantie fĂŒr Korrektheit – never trust a cop) weiterzugeben, damit sich Menschen ebenfalls aus meinen Erlebnissen ein Bild vom „Knast“ machen können. Immerhin sind (zum GlĂŒck) doch nur wenige Menschen schon einmal in so einer Situation gewesen und eigentlich sollten wir uns alle ein wenig darauf einstellen, dass es jedes Aktivisti willkĂŒrlich treffen kann (GrĂŒĂŸe an die drei von der Parkbank).

Zuallererst muss ich mich gewaltig bei den ganzen Menschen bedanken, die mich unterstĂŒtzt, mir geschrieben und aufgefangen haben. Nach all den Versuchen der Repressionsorgane mich zu brechen tat das unglaublich gut. Ich weiß nicht, wo ich emotional heute wĂ€re, wenn das nicht gewesen wĂ€re. Die Briefe habe ich erst außerhalb des GefĂ€ngnisses bekommen. Trotzdem sind sie mir ein unglaublich tolles Zeichen, wie teilweise fremde Menschen einfach so an mich denken und zusammen so unglaublich tolle Kunstwerke an Bildern und Texten erstellt haben.

Erfahrungsbericht
Ich möchte mit einem Erfahrungsbericht fortfahren, ehe ich dann einzelne Punkte aufgreife. Ich werde Details wie Daten und Orte auslassen. Begonnen hat alles mit einem miserabel umgesetzten Ladendiebstahl. Da ich zufĂ€llig drei Tage zuvor meine Fingerkuppen prĂ€pariert hatte und keine Ausweisdokumente oder mein Handy dabei hatte, dachte ich, dass ich einfach einmal einen auf IdentitĂ€tsverweigerung mache. Ich dachte, dass sie nach einer ID-Behandlung ohnehin aufgeben wĂŒrden und mich vielleicht am Folgetag einfach aus der Wache geworfen werde. Aber zumindest nach 7 Tagen Gesa. Dass es komplett anders kommen wĂŒrde, habe ich da nicht fĂŒr möglich gehalten.

*********** Tiggerwarnung Polizeigewalt *******************************
Die beiden Streifencops, die mich beim Laden abgeholt haben, machten mir gleich noch im Laden klar, dass sie die Klimabewegung und die Besetzung im Hambacher Wald mega beschissen finden. Es fielen SprĂŒche, wie dass wir ja unseren MĂŒll immer in den Wald schmeißen wĂŒrden und uns dann als Retter*innen prĂ€sentieren, oder „deine Mutter muss ja stolz auf dich sein“. Zum Polizeiwagen habe ich mich tragen lassen. Es braucht keine UnterstĂŒtzung der Polizei. Auch im Wagen wurde mir klar gemacht, dass sie mich und meine Gesinnung verachten. Ich habe den dummen Fehler gemacht und damit gegiftet, dass sie mich zwar versuchen können mich zu identifizieren, aber „in 12 Stunden lasst ihr mich dann ohnehin wieder frei“. Ich denke, dass sie besonders wegen der Aussage versucht haben mir zu zeigen, was sie tun können. Das eine Cop meinte, dass Mensch mich auch zur Not bis nach Hause begleiten wĂŒrde um herauszufinden, wer ich bin und dass Mensch das fĂŒr „Spinner“ wie mich das gerne macht.
In der Wache wurde dann die Fast-ID versucht. Dabei habe ich mich ebenfalls passiv
gewehrt. Daraufhin wurden Schmerzgriffe angesetzt, welche echt schmerzhaft und mit der Zeit und kaum auszuhalten waren. Im Zuge dieser Behandlung wurden mir dann Widerstand und TĂ€tigkeit gegen Vollstreckungsbeamt*innen angedreht. Mit all diesen GrĂŒnden sage ich definitiv, dass ich ein politischer Gefangener war.
********* Ende der Triggerwarnung (Polizei kommt weiter vor) **************

Die erste Nacht verbrachte ich in einer Zelle auf der Wache. Diese war definitiv die Schlimmste, da ich noch nicht Ă€ußern und verteidigen konnte um andere Menschen nicht in Schwierigkeiten zu bringen konnte Rechtsbeistand noch nicht hinzugezogen werden. Ich war damit dann alleine, was ein ganz ĂŒbles GefĂŒhl war.Zudem haben die Cops versucht mir die Nacht zum Horror zu machen und haben natĂŒrlich das Licht angelassen und sind alle 15-20 Minuten mit Krach in die Zelle gekommen „um zu sehen, ob es mir noch gut geht“.
Am nĂ€chsten Vormittag wurde mir dann gesagt, dass es gleich zu Gericht geht. Das hat sich auch weiter so fortgesetzt – Mir wurde immer gesagt, dass „gleich“ etwas passiert und dann dauerte es noch Stunden oder Tage. Jedenfalls wurde ich dann gegen Mittag zu einer Wache gebracht. Auf dem Weg dorthin durfte ich nicht mehr anziehen als eine Unterhose und ein Shirt. Zudem sollte ich mich im Wagen auf den Boden knien und nicht auf einen Sitz setzen.
Nach weiteren ca. 2 Stunden wurde ich dann in der anderen Wache verhört, sagte aber nicht aus und bekam dann den U-Haftbefehl. Wundervoll war hier jedoch, dass sich direkt Menschen um einen Anwalt fĂŒr mich gekĂŒmmert hatten, den ich hier aber nicht kontaktieren konnte. Mir wurde gesagt, dass ich zu der anderen Wache gebracht wurde, da die Technik bei der ersten nicht geklappt hat. Zu diesem Zeitpunkt dachte ich mir, ich wĂŒrde wohl bis zum Gerichtstermin bleibe, oder bis ich meine Personalien abgebe.
Nach weiteren Stunden (Noch immer erster voller Tag) sollte ich dann in einem Gefangenentransport zur JVA gebracht werden. Bemerkenswert: Einmal hat das Cop, dass gefahren ist einfach eine rote Ampel genommen.
In der Pforte der JVA saßen wir dann erst einmal herum. Die JVA wollte mich nicht aufnehmen ohne Namen und die Polizisti hatten von ihrem Boss die Anweisung mich dort zu lassen. Anarchismus ist ja auch nicht immer top organisiert, aber so etwas lĂ€cherliches habe ich noch nicht gesehen. Schlussendlich wurde ich dann wieder mit dem Transport mitgenommen und in eine dritte Polizeiwache gebracht. Dort habe ich dann noch eine Nacht verbracht und am folgenden Morgen ein Brot mit Marmelade bekommen (das einzige Essen in 48 Stunden).
Abends wurde ich dann doch wieder zur JVA gebracht. Mir wurde gesagt, dass jetzt ein Anruf direkt aus dem Justizministerium kam, der es genehmigt hat. Im Knast sind die Tage ein wenig verschwommen, weswegen ich hier nicht so ausfĂŒhrlich berichten kann. Einzig die medizinische Aufnahme am Anfang war besonders beschissen, da ich auf die Frage ob ich Medikamente nehme gesagt habe, dass ich B12 nehme. NatĂŒrlich kann ich mir Zuhause einen Kambodscha zĂŒchten um es nicht zu brauchen, aber ich dachte ich versuche es dort einmal auf die harmlose Methode. Die ĂŒblichen blöden SprĂŒche könnt ihr euch ja denken. Nachdem ich mehrere Tage vergeblich darum gebeten habe mit meinem Anwalt zu telefonieren habe ich mich dann am fĂŒnften Tag meiner Haft dazu entschieden meine Personalien anzugeben. Ich dachte, dass sie mir einfach alle Rechte verweigern und ich offenbar ohnehin nicht dagegen ankomme. Ich dachte auch, dass ich dann wohl innerhalb der kommenden 48 Stunden frei komme. Trugschluss. Ich betrachte es nachtrĂ€glich als großen Fehler. Niemals sollte ein Schritt gegangen werden, ohne Absicherung zu bekommen, z.B. hĂ€tte ich meinem Anwalt bestĂ€tigen lassen sollen, dass ich dann frei komme.
Die Tage im Knast waren sehr monoton. Gleiche Zeiten fĂŒr Essen, Freistunde, Restzeit absitzen. Viele Mitgefangenen haben nur Fern gesehen. Ich habe aber natĂŒrlich weder Fernseher, noch Radio, noch wirklich BĂŒcher bekommen. Knastgeschwister haben mir zum GlĂŒck BĂŒcher gegeben. Ohne die wĂ€re es schon sehr schwer gewesen. Aber auch damit war es durchaus eine drĂŒckende Langeweile. Es ist aber möglich die TAZ ins GefĂ€ngnis kostenfrei zu bekommen. Ein MithĂ€ftling hat mir ab und zu eine Ausgabe in die Freistunde mitgebracht. Das war sehr gut, um zumindest etwas politisch auf der Höhe zu bleiben. Eine der schlimmsten Sachen an der Gefangenschaft war der Hunger (Genauer unten). HĂ€tte ich nun tatsĂ€chlich die BĂŒcher bekommen, die ich beantragt habe, oder einen anderen Zeitvertreib gehabt außer Zeichnen, dann wĂ€re die Zeit sicher nicht ganz so schlimm gewesen. Nachfolgend möchte ich auf einzelne Details der Haft eingehen.Hygiene und Komfort Auf dem Weg von der Wache zum Knast hat sich der Komfort deutlich gesteigert. Auf den drei Wachen, die ich gesehen habe, gab es nur eine ranzige Turnmatte, wie Mensch sie aus dem Schulunterricht kennt, ein Loch im Boden als Toilette und ein dauerhaft brennendes Licht. Die Knastzelle hingegen war fast wie ein Zimmer. Es gab auf einem Bett eine Schaumstoffmatratze, eine echte Toilette – wenn auch ohne Deckel – und sogar einen Stuhl, einen Schreibtisch, ein Waschbecken und einen Schrank. Auf der Wache habe ich nicht einmal die Erlaubnis bekommen meine ZĂ€hne zu putzen. DafĂŒr bekam ich im Knast aber eine ZahnbĂŒrste und auch Zahnpasta. Es ist nur anzumerken, dass die ZahnbĂŒrste so hart war, dass mein Zahnfleisch immer wieder blutete. Es gab vier Mal in der Woche die Option sich zu duschen und natĂŒrlich konnte Mensch sich darĂŒber hinaus auch im Zimmer waschen. Beim Ankommen im Knast musste ich meine Kleidung abgeben und bekam Einheitskleidung. Diese konnte einmal die Woche gegen frische WĂ€sche getauscht werden. Von Anderen habe ich gehört, dass es frĂŒher U-HĂ€ftlingen noch gestattet war eigene Kleidung und eine Uhr zu tragen. Das wurde aber nach einem Ausbruch abgeschafft. Auf Zelle hatte ich viele Ameisen als Mitmieter*innen.

NĂ€chte
Ich dachte zuerst ich wĂŒrde nur wenige Tage im GefĂ€ngnis sein. Deswegen dachte ich, sorge ich dafĂŒr, so aufwendig wie nur möglich zu sein und habe angegeben an Depressionen zu leiden. In der Konsequenz musste alle 15 Minuten nach mir geschaut werden. Ich habe aber das GefĂŒhl, dass einfach einmal in meine Zelle geschaut wurde, wenn jemensch sowieso vorbeigegangen ist und nicht im vorgegebenen Takt. FĂŒr mich war es aber zum Schlafen enorm beschissen, da dann jedes Mal das Licht angemacht wurde, oder zumindest mit der Taschenlampe in mein Gesicht geleuchtet wurde. Ich wĂŒrde das nicht weiterempfehlen. Außerdem zweifle ich die Sinnhaftigkeit der Maßnahme stark an. Ein Suizidversuch dauert vermutlich deutlich weniger lange.
DarĂŒber hinaus war es abends auch oft laut. Andere HĂ€ftlinge haben fern gesehen, oder Musik gehört. Das war durch die WĂ€nde gut hörbar. Manchmal hatte ich auch das GefĂŒhl als sei abends im Flur eine Party (ich weiß nicht, ob das ein Psychotrick war). Wobei ich auch meist schon schlafen war, wenn es dunkel wurde, da der Schlaf die beste Option war die Zeit schnell zu vertreiben.

Essen
Es gab im Knast „normale“, muslimische und vegetarische Kost, die zu festen Zeiten zur Zelle gebracht wurde. Wirklich normale – vegane – Kost gab es nicht zur Auswahl. Generell war das Essen immer sehr knapp bemessen, weswegen ich fortlaufend Hunger hatte und dies auch von MithĂ€ftlingen gehört habe. Der Hunger war sicherlich mit unter den schlimmeren Sachen dort. Eventuell wĂ€re es möglich gewesen ĂŒber einen Hungerstreik vegane Kost zu erzwingen, aber das habe ich nie fĂŒr durchfĂŒhrbar gehalten. Bei einem Hungerstreik wĂŒrde Mensch von Ärztin*Arzt kĂŒnstlich ernĂ€hrt werden. Vermutlich wĂ€ren sie dann lieber bei freiwilliger veganer Kost dabei. Meine Entscheidung war, das eingepackte, nicht-vegane Essen wie Jogurt, Milch, KĂ€se und co. an MithĂ€ftlinge zu geben. Morgens und abends gab es ohnehin trocken Brot und mittags meistens Reis, Kartoffeln oder Nudeln mit einer Soße.
AuffĂ€llig war, dass die meistens Lebensmittel (außer die Marmelade) kurz vor dem Ablaufdatum waren und ein KĂ€se sogar darĂŒber war (dieser war dann nach dem Auspacken auch voll Ameisen). Ich habe nichts gegen abgelaufene Lebensmittel, aber es zeigt ja, dass da wohl gĂŒnstig zugegriffen wird.

******** Triggerwarnung Sexismus & Verge


. ********
SexualitÀt
Ein existierendes ClichĂ© hat sich mir gar nicht bewahrheitet. Ich habe zuvor gehört, dass im GefĂ€ngnis HĂ€ftlinge sich gegenseitig vergewaltigen. Das ist zum einen praktisch unmöglich wegen der Zellenaufteilung und zum anderen kamen mir die Menschen zu Homo-ablehnend vor. DafĂŒr wurde umso mehr sehr toxisch ĂŒber die verbeamteten Frauen gesprochen und SexualitĂ€t war ein ziemlich prĂ€sentes Thema in GesprĂ€chen.
************ Ende Triggerwarnung **********************

Freistunde und Zeitvertreib
Eine Stunde am Tag gab es die Möglichkeit zur Freistunde auf den Innenhof zu gehen. Da dies die einzige Option war mit Menschen in Kontakt zu treten habe ich diese jeden Tag versucht zu nutzen.
Ansonsten gab es auch ein paar andere AktivitĂ€ten. Kirche bzw. Freitagsgebet fĂŒr Muslime, diverse Gruppen wie Chor, Spielegruppe, oder Bibelkurse. AuffĂ€llig war, dass sich besonders Jehowas oder Neuapostolische Menschen dort um Programm eingesetzt haben und dies auch beworben haben.
FĂŒr alle Sachen gilt aber, dass AntrĂ€ge geschrieben werden mussten und als U-HĂ€ftling es unrealistisch ist zu Gruppen zugelassen zu werden.
Es ist auch möglich im Rahmen des Knastbesuches eine Ausbildung oder ein Studium zu machen, Das ist aber an diverse Voraussetzungen geknĂŒpft wie die Dauer und Sicherheitsstufen. Zudem ist eine Verlegung nötig und die Auswahl an StudiengĂ€ngen ist klein und durch eine Fernuni bestimmt.
FĂŒr gewöhnlich ist es Pflicht zu Arbeiten. Die JVA, in der ich war, war jedoch so ĂŒberfĂŒllt, dass es schlicht nicht möglich war. Durch Arbeit eingenommenes Geld kann genutzt werden, um sich Essen, Tabak oder andere Dinge (sogar eine Playstation) zu kaufen.

Besuch und Kontakt zur Außenwelt
Es ist glaube ich kaum eine Sektion dermaßen wichtig, wie Diese. Besuch zu bekommen ist so ziemlich der einzige Kontakt zur Außenwelt/zur linken Szene, den Mensch in U-Haft hat. Briefe werden schließlich bei U-Haft immer eingesammelt und durchgelesen und erst nach 14 Tagen weitergegeben. Bis dahin ist normalerweise die U-Haft schon vorbei. Außer dem Besuch hat mich nur einmal eine Überweisung von 30 Euro erreicht (Danke!!! Macht das auch, damit kann Mensch sich auch coole Sachen kaufen. Bei mir war es nur leider zeitlich ein Problem.).
Am Montag vor meiner Verhandlung ist ein Mensch gekommen um mich eine Stunde zu besuchen. Die RahmenumstĂ€nde waren aber mehr als umstĂ€ndlich. Die Person musste sich von der Polizei in einer anderen Stadt einen Besuchsschein ausstellen lassen. Bei dem Besuch selbst war die ganze Zeit ein Cop dabei und hat mitgeschrieben. Zudem wurde meiner*m Besucher*in nicht erlaubt mir BĂŒcher zu geben, oder Block und Papier mitzunehmen.
Es war aber mega gut einfach einmal reden zu können, auch wenn ich nur von dem Blödsinn erzÀhlt habe, den ich so erlebt habe. Zudem hat das Mensch, das mich besucht hat echt gute und entspannte Fragen gestellt. Ich war zwar erst einmal perplex, dass ein fremdes Mensch mich besucht, aber das war unglaublich schön.
Als ich erst einmal draußen war, war ich ĂŒbrigens erst einmal von den ganzen Reizen (Handy, Menschen, Werbung usw.) stark ĂŒberfordert. Das war echt erst einmal viel.

Tipps
‱ Im Vorfeld bevor etwas passiert, kann Mensch das Buch „Wege durch den Knast“ (siehe wegedurchdenknast.de/) lesen. Auch die Projektwerkstatt Saasen bietet nĂŒtzliche Tipps zu den Themen Polizei, GefĂ€ngnis, aber auch Aktivismus (siehe projektwerkstatt.de/). Es kann jedes Mensch ĂŒberraschend treffen!
‱ Sobald ihr eine Untersuchungshaft bekommt beantragt HaftprĂŒfung. Dann muss innerhalb der kommenden 14 Tagen etwas passieren. Das bedeutet in der Regel die Hauptgerichtsverhandlung, nach der ihr frei kommen solltet, wenn es ein Vergehen ist, auf das ihr Strafe bekommt. Mein Anwalt hat es am fĂŒnften Tag eingereicht. HĂ€tte ich es direkt gemacht, dann wĂ€re ich wohl frĂŒher frei gekommen.
‱ Solltet ihr in der JVA sein, dann empfehle ich ein Mindestmaß an Freundlichkeit gegenĂŒber den WĂ€rter*innen. Eure Haftbedingungen können sehr leicht deutlich verschlimmert werden. Das ist es nicht wert.
‱ Ich habe es nicht selbst gemacht, aber von anderen Menschen gehört: Hungerstreik bringt euch keine Freilassung. Dann werden sie euch durch eine*n Ärztin*Arzt stilllegen und kĂŒnstlich ernĂ€hren. NatĂŒrlich erhöht das den Aufwand fĂŒr die Behörden, aber das kann als Bumerang zurĂŒck kommen. Ihr könnt vielleicht versuchen auf diese Art vegane ErnĂ€hrung zu erhandeln, aber ob das Erfolg hat ist wohl SituationsabhĂ€ngig.
‱ Niemals Schritte auf die*den Gegner*in zugehen (z.B. Personalien sagen), ohne gegenĂŒber dem Anwalt eine entsprechende Gegenmaßname (z.B. Freilassung) bestĂ€tigt zu bekommen.
‱ FĂŒr mich waren das Schlimmste am Knast nicht die Dinge vor Ort, sondern was außerhalb passiert ist. Ich wurde quasi aus dem Leben gerissen und wusste die ganze Zeit, dass meine Mutter sich abartig Sorgen macht. Am besten tauscht ihr mit Mitaktivisti einmal solche Notfallnummern aus.

Abschließende Bemerkungen
Du bist genau dann im Knast, wenn die Angst vor Repression deine politische Arbeit lĂ€hmt. DafĂŒr musst du nicht hinter schwedischen Gardinen sitzen.
Wir kĂ€mpfen weiter, bis Hierarchie Teil von GeschichtsbĂŒchern ist, bis Paris 1,5 Grad nicht nur Tinte auf Papier ist, bis jeder Stall leer ist, Faschist*innen/Rassist*innen/Kapitalist*innen zurĂŒckgedrĂ€ngt sind und jeder Knast leer ist.
Solidarische GrĂŒĂŸe an alle MitkĂ€mpfer*innen!




Quelle: Abcruhr.noblogs.org