Mai 16, 2022
Von FAU Duesseldorf
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Notwendige Anmerkung:
Dieser Bericht stammt nicht von Rudolf MĂŒhland. Ich bin nur die Person, welche den Bericht hier Online stellt. Die Software unseres Blogs setzt aber immer den angemeldeten Account als Autor*in – in diesem Falle also mich.
In Wirklichkeit stammt der Bericht von einer Kollegin der FAU Krefeld, die diese Tour auch organisiert hat! Ich selbst habe an der Tour teilgenommen und nutze hier direkt einmal die Gelegenheit mich auch noch einmal öffentlich dafĂŒr bei ihr zu bedanken! Außerdem hoffe ich, das wir diese Tour nĂ€chstes Jahr mit noch mehr Menschen zusammen wiederholen!
Danke dir!
PS: Fotos der Tour werden im laufe des 16.5.22 noch eingefĂŒgt!

Diese Tour hat fĂŒr mich persönlich eine große Bedeutung: Es ist nicht nur der Tag der Befreiung, den wir am 08. Mai begehen, sondern ein Tag gegen das Vergessen unserer anarchistischen und anarchosyndikalistischen Geschichte.

WÀhrend der Recherche zu dieser Tour ist mir wieder aufgefallen, wie die Arbeiter:Innen-Geschichte ausgelöscht werden soll, so wie die Siedlung Freie Erde dem Erdboden gleich gemacht wurde.

Zum 08. Mai hat uns unsere Radtour in die folgenden Stadtteile gefĂŒhrt:

  • Benrath
  • Vennhausen
  • Eller
  • Bilk
  • Unterbilk (V6)

Der Start verzögert sich etwas und wir sind nur eine kleine Gruppe. Die Anwesenden fahren aber gut gelaunt vom Benrather Bahnhof zur Hildener Straße, wo einst der Sitz des Proletarischer Gesundheitsdienst (PGD) war. Dazu hĂ€lt Thomas (FAU-D) einen kurzen Vortrag, ergĂ€nzt durch ein paar SĂ€tze zur weltlichen Schule, in deren GebĂ€ude der PGD untergebracht war. Dann fahren wir durch den Benrather Forst bis in den Norden des Unterbacher Sees, dort stieß dann noch ein Fauista zu uns. Wir bewundern noch die Schildkröten, die sich in einem GewĂ€sser am Weg auf BaustĂ€mmen niedergelassen haben und die Sonne genießen.

1. Proletarischer Gesundheitsdienst

In der weltlichen Schule an der Hildener Straße fanden Kurse des proletarischen Gesundheitsdienst (PGD) statt.Der PGD beschĂ€ftigte sich mit den Themen Erste Hilfe, Haus- und Krankenhilfe und UnfallverhĂŒtung. Das Ziel war eine bessere Erstversorgung verunglĂŒckter Arbeiter, das durch Schulungen fĂŒr eben jene erreicht werden sollte.Er war ursprĂŒnglich keine rein antiautoritĂ€re Organisation, sondern umfasste ganz im Gegenteil eher KPD-nahe Gruppen. Im Zuge der Einheitsfrontpolitik der KPD im Jahre 1926 wechselten jedoch nahezu alle Ortsgruppen in den Arbeiter-Samariter-Bund ĂŒber. Die verbliebenen Reste des PGD treten ab dem Jahre 1928 als eher antiautoritĂ€re, FAUD-nahe Organisation auf. Auch von der Polizei wurde der PGD in der Folgezeit als anarchosyndikalistisch bezeichnet. So nutzte der PGD teilweise die VereinsrĂ€ume der FAUD. In DĂŒsseldorf fand am 14.01.1928 eine Generalversammlung statt, Fritz Reinartz war Vorsitzender und Robert Schmand Obmann.

Dann suchten wir die Stelle, wo die Siedlung „Freie Erde“ gelegen haben soll. Leider haben wir die genaue Lage nicht ermitteln können, das werde ich (faukr11) bis nĂ€chstes Jahr eruieren.

[Symbolbild – Vermuteter Standort der Siedlung „Freie Erde“]

2. Die „Siedlung Freie Erde“.

Mehr Selbstbestimmung, Gleichberechtigung und eine Abkehr vom Militarismus. Das sind zentrale Thesen von Gustav Landauer. Er forderte die Übernahme der Macht durch die Arbeiterklasse und eine Auflösung des Eigentums von Grund und Boden. Klingt radikal, war es auch. „Anarcho-Syndikalismus“ nennt man diese Strömung, die sich nach dem Ersten Weltkrieg einer wachsenden AnhĂ€ngerschaft erfreute. Auch hier gab es viele Sympathisanten. Der Zusammenschluss aller Synidkalisten zĂ€hlte um 1920 im Großraum DĂŒsseldorf bis zu 18.000 Personen. Eine Gruppe einfacher DĂŒsseldorfer Arbeiter, ihre Familien und Freunde, nahmen die Thesen von Landauer jedenfalls wortwörtlich – und besetzten 1921 ein kleines StĂŒck scheinbar unfruchtbares Ödland zwischen Sumpf und Eller Forst in unmittelbarer NĂ€he des Unterbacher Sees, um dort ihre Vorstellung von Leben umzusetzen.

Auch wenn ich am liebsten direkt wieder an dieser Stelle siedeln und anbauen wĂŒrde, fahren wir weiter, jetzt durch den Eller Forst, nach Vennhausen. Hier in der Friedrich-Engels-Str. Str. 14 (damals Bennemannstr. 14) wohnte Anton Rosinke. FĂŒr ihn wurde am 07.07.2017 der einzige Stolperstein fĂŒr Anarchist:Innen in DĂŒsseldorf gesetzt. Es soll beim Putzen des Stolpersteins an alle Menschen erinnert werden, die wĂ€hrend der Nazi-Herrschaft aufgrund ihrer politische Ansichten, ihrer „Rasse“, ihres Geschlechts, ihrer sexuellen Orientierung, ihrer Behinderung, ihrer Religion oder Volks-Zugehörigkeit, verfolgt, gefoltert oder umgebracht wurden.

3. Anton Rosinke – Ein Stolperstein

[Stolperstein: Anton Rosinke]

Dieser Stolperstein ist DĂŒsseldorfs erster Stolperstein fĂŒr einen Anarchosyndikalisten und gleichzeitig ist es der 300. Stolperstein der in DĂŒsseldorf verlegt wurde. Zusammen mit mittlerweile mehr als 60.000 Stolpersteinen die europaweit verlegt wurden, ist auch der Stolperstein fĂŒr Anton Rosinke Teil eines gigantischen, dezentralen und vergĂ€nglichen Kunstwerkes.

Verfolgung und Tod

Anton Rosinke wurde am 14. Februar 1937 in der Gestapohaft am JĂŒrgensplatz, vier Wochen nach seiner Festnahme, totgeschlagen. Er und sein Schwiegersohn, Ernst Binder, waren Anarcho-Syndikalisten. Das hat nur bedingt etwas mit dem heutigen VerstĂ€ndnis eines Anarchisten zu tun. „Es war eine lebendige politisch-soziale Kultur mit zahlreichen Organisationen, die mit dem sozialdemokratischen oder kommunistischen Milieu durchaus vergleichbar waren“, wird diese Einstellung in einem DGB-StadtfĂŒhrer zu Verfolgung und Widerstand wĂ€hrend der NS-Diktatur durchaus zutreffend beschrieben.

Rosinke und Binder leisteten von 1933 bis Anfang 1937 in einem Netz von Gleichgesinnten den riskanten Widerstand im Untergrund. Sie druckten illegale Schriften, schleusten FlĂŒchtlinge und (ab 1936) auch Freiwillige fĂŒr den spanischen BĂŒrgerkrieg ins Ausland. Ernst Binder schilderte 1946 rĂŒckblickend die Gefahr anschaulich: „Bei der nĂ€chsten Hausdurchsuchung rebellierte Anton. Man nahm ihn kurzerhand mit, und nun erlebte er acht Tage auf dem PrĂ€sidium, die er bei seiner RĂŒckkehr mit folgenden Worten beschrieb: ,Wenn die mich noch einmal holen, lassen sie mich lebendig nicht mehr heraus.’“ Er sollte recht behalten.

Nachdem wir in der Erikastr. In Vennhausen noch den Stolperstein von Walter Hartkopf (Jg. 1913, verhaftet 1934, tot im Strafbataillon 999), geputzt haben, ging es weiter zur

Gumbertstr. 100 in Eller, dem „Vereinslokal“ der FAUD und weiteren Stolpersteinen auf der Gumberstr. 91.

[Stolpersteine: Fam. Brasch und A. Leven]

Da ein FAU’ista eine Fahrradpanne hatte und wir schon sehr verzögert in Eller angekommen waren, kĂŒrzte ich die Tour, statt an der sĂŒdlichen DĂŒssel fuhren wir durch die Harff Str. in den SĂŒdpark und Volksgarten und unterließen das angedachte Putzen in Bilk um dann kurz nach 16:00 Uhr im V6 einzutreffen. Dort wurden wir mit einem netten Imbiss empfangen.

Autor*in faud1

Mitglied der FAUD seit den 1990er Jahren,
Mitglied der AFD (jetzt FdA) seit den 1990er Jahren,
GrĂŒndungsmitglied der Anarchistischen Studierenden Initiative (AStI),
Redaktionsmitglied des “MĂŒhsam” – Zeitung des Bilddungssyndikates,
Mitglied des Theater ohne Namens (ToN) und der Gruppe M.A.S.S.A.K.A. (Auftritte in DĂŒsseldorf und Appelscha),
Teil der Organisationsgruppe des I02 in Essen,
Teil der Oragnisationsgruppe der libertÀren Mendienmesse 2010/2012/2014,
Teil der FAUD-Akademie,
MitgrĂŒnder der Schwarzroten Rad-/Wander*innen,
Vortragsreisender (BRD, A, CH, SRB)




Quelle: Duesseldorf.fau.org