Dezember 6, 2021
Von Indymedia
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Unsere Wunden und Verluste sind riesig: Leute verlieren ihre Wohnungen, Kieze ihre Nachbar:innen, Menschen ihr Leben. Zelte werden abgerĂ€umt und von der BSR entsorgt, selbstorganisierte und unkommerzielle Projekte rausgeschmissen, Strukturen vernichtet, Existenzen zerstört. TĂ€glich erleben wir, dass uns mit bĂŒrokratischer, kapitalistischer und staatlicher Gewalt genommen wird, was wir zum Leben brauchen. Die Wut ist groß – aber auch die Trauer ĂŒber die, die nicht mehr da sind und ĂŒber das, was nicht mehr da ist. Was diese Verluste umso schmerzhafter macht ist die Tatsache, dass die meisten von ihnen vermeidbar gewesen wĂ€ren: Durch ein Grundrecht auf Wohnen, durch eine menschenwĂŒrdige Bleibe fĂŒr Alle, durch ein Recht auf Selbstbestimmung fernab von bĂŒrokratischer Herrschaft. Wenn Wohnraum keine Ware wĂ€re! Wir haben so viele und unterschiedliche persönliche Geschichten zu erzĂ€hlen, aber alle sind Teil einer zusammenhĂ€ngenden Gesamtscheiße namens Kapitalismus. Aber Kapitalismus ist kein Schicksal, sondern ein krisenhaftes System, das sich mit jedem Tag, der vergeht, seinem Ende nĂ€hert. Unsere Wut bringen wir immer wieder zusammen auf die Straße, mit der Trauer sind wir zu oft allein. Warum? Wie die Wut kann auch die Trauer Menschen verbinden. Gemeinsam zu trauern kann neue Kraft geben! Wir wollen diese Trauer sichtbar machen! Wir wollen durch die Straßen ziehen und von den Menschen erzĂ€hlen, die wir verloren haben und von den Orten die uns fehlen. Ob leise oder laut, wĂŒtend oder nachdenklich, mit Geschichten oder Musik – all das wird an diesem Tag Platz haben. Unsere kollektive Trauer ist ein Zeichen fĂŒr jede*n von uns – „wir sind fĂŒreinander da!“ – und zugleich ein politisches Signal: „Wir sind viele! Wir sind traurig, aber nicht ohnmĂ€chtig! Wir sind vernetzt und miteinander solidarisch! Keine*r ist vergessen!

(Aufruf zum Trauerzug)




Quelle: De.indymedia.org