Juli 14, 2021
Von SchwarzerPfeil
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(im unteren Abschnitt findet sich eine Reflektion und Hinweis bezĂŒglich möglicher Zivte die ggf. in einem der verschlĂŒsselten chats mitliest, welche zur Verbreitung eines Kettenbriefes genutzt wurden um sich mit uns zu treffen. Solltest du diesen Kettenbrief oder infos darĂŒber gelesen haben, bitte den unteren Abschnitt lesen und verbreiten. )

Gestern, dem 13 Juli 2021 wurde eine Hundertschaft inklusive Technischer Einheit (Kran, Klettercops, Schaufelfahrzeug, LKW) in den Wald der Wuhlheide in Berlin entsendet, um einen Ort des Widerstands gegen eine Stadtplanpolitik der Autoextremisten zu zerstören. „Die Hunderschaft war bewaffnet und muss wohl einer gewaltaffinen Szene der Autofanatiker zugerechnet werden.“, so vermutet „kleine Kröte“. „Alle sind mit großen lauten Fahrzeugen gekommen. Zu Fuß, mit dem Fahrrad oder den Öffis kamen nur wir.“, meint Thomas verstĂ€ndnislos.

„Wie groß der Wald genau ist, weiß ich gar nicht“, sagt eins Queer_wuhl_ant:is. „Zwischen 7ha-15ha sollen aber davon zerstört werden, um eine asphaltierte FlĂ€chenversiegelung zu schaffen, damit Autos schnell durch den Wald fahren können. In Zeiten von Klimakrise, Hitzewellen, zu hohen Mengen an Feinstaub und Stickoxid in der Luft und Artensterben, sehen wir uns in der Pflicht auf diese Zerstörung aufmerksam zu machen und nach unseren Möglichkeiten gegen diesen Straßenbau anzugehen.“

Um 13:12 Uhr des selben Tages hatten wir uns verabredet um weitere widerstĂ€ndige Strukturen zu erschaffen. Obwohl wir es besser hĂ€tten wissen mĂŒssen haben wir den Termin auf XXUhr [genaue Zeit wird nicht angegeben, damit im Falle das cops die info zugespielt bekamen, nicht abgleichen können wie zuverlĂ€ssig die Angabe war] verschoben. Dies wurde ĂŒber einen Kettenbrief verteilt, der explizit nur ĂŒber sichere KanĂ€le an andere Menschen gesendet werden sollte.
Ob nun Zufall oder Zifte oder eins das nicht aufgepasst hat, Team „wir haben Lust die Klimabewegung anzugreifen“, besser bekannt als Polizei, war genau rechtzeitig zur Observation und spĂ€ter dann auch Abriegelung des Gebietes auf dem sich unsere Plattform befand. Neugierige Passanten die sich versuchten dem Gebiet zu nĂ€hern wurden weggeschickt mit Aussage laut Polizei: „Hier ist nichts“.

Doch da ist sehr wohl was. Dort leben viele geschĂŒtzte Tierarten, die durch eure GerĂ€tschaften gestört werden. Da ist ein lebendiger Wald der ohne irgendwen um Erlaubnis zu fragen, jeden Tag so viel tut gegen die Klimakrise, ein zu hause ist fĂŒr so viele Lebewesen und Pflanzen, ein lebendiges Ökosystem das um 7-15ha zerstört werden soll.

Und wir, die Queer_wuhl_ant:is waren dort, um einen Ort des Widerstands gegen diese Zerstörung zu schaffen.

Auch um schĂŒtzende FreirĂ€ume zu schaffen in denen sich Queers die durch ihre Mehrfachmarginalisierung andere Erfahrungen machen als nicht-queers. Dies betrifft auch Erfahrungen die in (wald)besetzungen gemacht werden in denen trotz anarchistischen AnsĂ€tzen heteronormative Verhaltensweisen erhalten bleiben. Mal mehr mal weniger werden diese aufgebrochen bzw. es wird versucht diese aufzubrechen, mal ist es den Leuten aber auch schlicht egal, weil zu anstrengend oder weil sie davon profitieren.

„Ich bin sehr erfreut darĂŒber dass Genderrollen hinterfragt und verĂ€ndert werden, leider zeigt meine Erfahrung weiterhin, dass es sehr wichtig ist sich als queere Person mit anderen queers zu organisieren um gemeinsam Strategien zu entwickeln und daraus Praxis erwachsen zu lassen. In heteronormativen RĂ€umen schaffen wir das einfach nicht. Aus diesem Grund hat diese Waldbesetzung eine explizit queere Gruppe gestartet.“, sagt Hase.

Die Polizei hat nun eine Plattform von uns zerstört. Unseren Willen, dieses Straßenprojekt zu stoppen nur umso mehr gestĂ€rkt. Ende dieses Jahres soll das Planungsfeststellungsverfahren fĂŒr den Straßenbau (Tangentiale Verbindung Ost) durch den Wald beginnen. BĂŒrgis und Organisationen haben dann die Möglichkeit Bedenken zu Ă€ußern. Auf dass diese „Bedenken“ vielfĂ€ltig, bunt, schwarz und vor allem störend wirken werden. Organisiert euch mit uns, oder ĂŒber eigenstĂ€ndige Gruppen (was etliche auch bereits schon tun. Danke dafĂŒr!). Und selbstverstĂ€ndlich sind auch alle nicht-queers eingeladen!

Zur RĂ€umung selbst noch ein wenig:

Niemand von uns wurde festgenommen. Aus GrĂŒnden haben wir die Plattform verlassen bevor die Polizei eintraf um sie zu zerstören. Diese waren zum Teil persönliche, zum Teil strategische GrĂŒnde. ggf. werden wir darĂŒber in einem anderen Blogpost noch einmal darauf eingehen.

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Reflektion darĂŒber, warum cops genau dann kamen, als unsere Treffen stattfinden sollte:
(das kann Zufall sein, unvorsichtiges Verhalten einer Person oder leider auch eine Zifte oder Àhnliches. Es geht hier nicht darum Angst zu verbreiten, sondern diese Info an andere weiter zu leiten, sodass wir gemeinsam vllt. herausfinden können woran es lag um es in Zukunft anders zu machen)

Menschen die von dem Treffen wussten, und es ggf in öffentlichen/fast öffentlichen InfokanĂ€len gepostet/gesehen haben, mögen sich bitte bei uns melden. Bitte leitet dieses Anliegen ĂŒber die gleichen KanĂ€le weiter ĂŒber die ihr die Info verteilt/erhalten hattet.
Wichtig: der Staatsschutz schleußt Zivten nicht bloß wegen Informationsgewinn ein, das SchĂŒren von Misstrauen ist eine bekannte und gerne benutzte Strategie um Gruppen von einander zu isolieren oder kaputt zu machen und so in ihrer HandlungsstĂ€rke und ihren Möglichkeiten einzuschrĂ€nken. Es ist eine Art von Repression die dadurch wirkt, dass wir uns aus Angst beginnen zu isolieren.
Sollte eins den Verdacht haben dass sich eine Zivte in die eigene Struktur eingeschlichen hat, lernt bitte aus den Erfahrungen anderer, welcher Umgang damit gut/schlecht funktioniert. Es gibt zu dem Thema echt tolle zines. Nehmt euch die Zeit, euch damit ein wenig auseinander zusetzen, bevor ihr die gleichen Fehler begeht wie viele vor euch.
WeiterfĂŒhrende Informationen dazu werden bald hier zu lesen sein:
https://eldritch.cafe/@queerstelle/106578763598584386
(Anmerkung von eins: die Namen von 2 zines zu dem Thema die ich gerne verlinken möchte sind mir gerade entfallen, deswegen wird das nachgereicht)

Bei infos die ihr mit uns teilen mögt, schreibt uns gerne an ĂŒber queerstelle[at]riseup.net
Vielleicht hat’s ja doch jmd. von euch unbedacht in einem offenen Chatraum oder so verbreitet.
Falls so etwas passiert ist, mĂŒssen wir uns auch fragen, was wir tun können damit so etwas nicht mehr passiert, ohne dabei die Repression der Polizei vorauszunehmen.
Was zur öffentlichen Diskussion gestellt werden soll, gerne als Kommentar unter diesem Text.

Wir sind eine Gefahr fĂŒr die bestehende Ordnung und dafĂŒr werden wir verfolgt.
Unser Aktivismus wirkt!
We are nature, we are Queer Liberation defending itself!

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Quelle: Schwarzerpfeil.de