November 25, 2022
Von Die Plattform
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Heute am 25. November ist der internationale Tag gegen patriarchale Gewalt. Ausgerufen wurde der Tag aufgrund der Widerstandskämpfe der drei Schwestern Mirabal gegen die Diktatur unter Rafael Trujillo in der Dominikanischen Republik. Nach monatelanger Folter wurden sie am 25. November 1960 getötet & der Tag wurde zum weltweiten Gedenktag an die drei Widerstandkämpferinnen.

Seitdem rufen jedes Jahr feministische Organisationen weltweit zu Aktionen auf, um Diskriminierung und Gewalt jeder Form gegenüber Frauen, Lesben, inter, nichtbinäre, trans & agender Menschen (FLINTA*s) zu bekämpfen.

In diesem Jahr begehen wir den 25. November unter besonderen Bedingungen – und das in gleich mehrerlei Hinsicht:

Einerseits aufgrund des imperialistischen Kriegs in der Ukraine, der seit Februar tobt. Wie jeder Krieg bedeutet auch dieser eine Verschärfung reaktionärer gesellschaftlicher Tendenzen auf beiden Seiten. Neben einem wachsenden Nationalismus und Militarismus verschlechtert sich auch die Situation von FLINTA*s. Sie werden in den gesellschaftlichen Hintergrund gedrängt. Ihnen fällt ein noch größerer Teil der Sorgearbeit zu. An der Front werden sie Ziel sexualisierter Gewalt, die als Kriegsmittel eingesetzt wird.

Doch nicht nur im Osten Europas verschärft sich die Situation von FLINTAs. In den vergangenen Tagen haben die Streitkräfte des faschistischen türkischen Staates massive Angriffe gegen das freie Rojava geflogen. Ihr Ziel ist es, dieses fortschrittliche Gesellschaftsprojekt und damit die feministische Revolution, die ihm inne wohnt, auszulöschen.

Im Iran, wo sich nach dem staatlichen Femizid an der Kurdin Jina Amini eine Revolution gegen das islamische Regime entwickelt hat, versuchen sich die Mullahs mit massiver Gewalt und Repression an der Macht zu halten. Jeden Tag erreichen uns neue Nachrichten von getöteten Demonstrierenden, viele von ihnen Frauen.

Auch in den USA verschärft sich die Lage von FLINTAs. Reaktionäre gesellschaftliche Sektoren und rechte politische Kräfte haben es geschafft, eine tiefgreifende Einschränkung des Rechts auf Schwangerschaftsabbruch durchzusetzen. Während Konservative hart erkämpfte Errungenschaften der feministischen Bewegung abschaffen, greifen Faschist:innen zur Waffe. Erst letzte Woche gab es in Colorado Springs einen Anschlag auf einen queeren Club, bei dem der Attentäter fünf Menschen erschoss.

Doch nicht nur international verschärft sich die Lage von FLINTA_s. Die aktuellen Teuerungen sorgen für eine massive Verschlechterung der Lebensbedingungen aller Lohnabhängigen. Doch für FLINTA_s geht damit eine besondere Gefahr einher. Sie sind überproportional finanziell abhängig von ihren Partnern. Schon jetzt sterben in Deutschland jede Woche drei Frauen durch patriarchale Gewalt, oft durch Partner oder Ex-Partner. Die aktuelle Situation sorgt dafür, dass noch weniger FLINTA_s in der Lage sind, gewalttätigen Partnerschaften zu entfliehen.

Auch Hassverbrechen gegen FLINTA_s bleiben eine Realität. Im Sommer haben wir eine Welle der Gewalt gegen Pride-Veranstaltungen erlebt. Sie gipfelte im Mord an dem trans Mann Malte in Münster, der sich schützend vor angegriffene Teilnehmer:innen gestellt hatte.

Wir trauern um alle Menschen, die in den letzten Monaten – egal ob in Deutschland, Rojava, Iran oder sonstwo – der patriarchalen Gewalt zum Opfer gefallen sind.

Doch die aktuelle Lage gibt uns nicht nur Grund zum Trauern. Überall, wo die patriarchale Gewalt zuschlägt, zeigt sich auch Widerstand: Im Iran nehmen Frauen ihre Schleier ab und wehren sich auf der Straße gegen den Terror des Regimes. In Rojava organisieren sich Frauen als Teil der Guerilla, um die freien Berge und die feministische Revolution zu verteidigen. In den USA bewaffnen sich queere Menschen, um ihre Communities gegen die Gewalt der Faschist:innen und des Staates zu verteidigen.

Und auch bei uns finden heute in vielen Städten Aktionen, Demos & Kundgebungen statt. Lasst uns gemeinsam laut werden, unsere Stimme erheben an der Seite von FLINTA*s, die in allen Winkeln der Welt um ihre Befreiung kämpfen. Organisieren wir den feministischen Selbstschutz, organisieren wir den feministischen Arbeitskampf! Nieder mit Patriarchat und Kapitalismus. Nicht eine weniger!




Quelle: Dieplattform.org