September 3, 2021
Von Paradox-A
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Lesedauer: 4 Minuten

Hoppla, da hat sich wohl einer ĂŒbernommen. Der guten Gebrauch der Substanzen will gelernt sein. Und das ist bekanntlich nichts, was einem im Schulunterricht beigebracht wird. (Auf dem Pausenhof teilweise schon, aber eben von den coolen Kids untereinander
) Wenn alles schwimmt und verschwamm, weißt du, das irgendwas an irgendeinem Zeitpunkt zu viel war. Nun ja, eigentlich weißt du dann recht genau wann, was und auch warum, sprich, was das mit deiner momentanen Verfassung zu tun hat. Doch die Suppe, die man sich eingebrockt muss man in dem Fall auch auslöffeln. So ist es nun einmal. Und damit meine ich nicht unbedingt den vermatschten Tag danach, sondern die Erkenntnis beim Einsetzen des Rausches, dass die ganze Fahrt nun noch vielen Stunden so weiter laufen wird. Tja, auf den Silicon Valley-Effekt zu hoffen, war da offensichtlich ganz schön naiv.

Wenn du auf psychedelische Substanzen einfach nicht klar kommst (sagen wir etwa, weil der Mischkonsum mit etwas anderem sich als ĂŒberaus ungeeignet herausgestellt hat), ist keine Zeit fĂŒr das kreative FĂŒhlen und Denken. Auch kein Nerv fĂŒr die Beobachtung der Umgebung, etwa das berĂŒhmte Wabern und Gemorphe. Stattdessen bewegt der sich wie der Tiger im GefĂ€ngnis hin und her, rennt durch die Bude, auf und ab, kommt nicht klar, verquarkt, verqirlt und vermasselt, verballer-rasselt. Die Wanne zu heiß, die Musik zu schrill, das Essen zu aufwendig, das Bett zu still.

Stehen aber kann er nicht muss laufen und laufen und sich drehen. Aber zu schreien traut er sich nicht. So bleibt’s drin und will raus, bleibt’s drinnen still und es wummert laut. Findet kein Vehikel, weil’s zu stark ist alles, zu intensiv. Es ist stĂ€rker als du, sieh’s ein. Und wer sich sperrt, der lebt verkerrt. Eingesperrt, doch raus kannst du nicht. Nicht in diesem Zustand. Nicht auf die Straße. Vor allem wegen den anderen Menschen, den Menschen! Doch eine BeschĂ€ftigung, auf die kannst du dich nicht konzentrieren
 GlĂŒcklicherweise hat sich dann doch noch eine verstĂ€ndnisvolle Betreuung fĂŒr den Spaziergang gefunden. Obwohl du die Geschichte ja gerade allein durchstehen wolltest


Alles in allem ein Anflug post-post-jugendlichen Leichtsinns. (Hm, wenn ich darĂŒber nachdenke, wurde ich zwischenzeitlich eher in die frĂŒhe Kindheit zurĂŒck katapultiert
) Andere haben das eben schon frĂŒher gemacht – und es dann durch gehabt
 Doch wenn ich weiter ĂŒberlege und von mir auf alles schließe (ich bin so frei, denn die Trennung ist da gar nicht mehr so klar zu ziehen
) – frĂŒher war definitiv auch nicht alles besser. Durchaus keine Übung in Selfcare, wirklich nicht. Und das gerade, wenn man Selfcare eh nicht gut kann. Weiter werden auch noch mal persönliche Dinge bewusster, die ich hier nicht weiter ausfĂŒhren will.

Was eine gute Sonntags-BeschĂ€ftigung fĂŒr sturmfrei schien, entpuppte sich als Stressgeschichte, wo der nur froh ist, dass er durch ist. Der wollt sich einen Mokka servieren und am Ende kroch er auf allen Vieren. Immerhin, wieder eine Situation ĂŒberlebt. Irgendwie auch beeindruckend. Der Stress macht die Haare lichter, aber so wirkt man ja auch reifer. Also wieder dazu gelernt. Andere Leute gehen halt zum Fußball, in die Kirche oder in ihren Kleingarten – wobei sich das mit Drogenerfahrungen durchaus nicht ausschließt, wenn ich darĂŒber nachdenke.

Wie auch immer, worum geht es an dieser Stelle eigentlich? Spannend am Rausch bei dieser Substanz ist, die Kontrolle aufzugeben. Das haben schon viele gemacht. Ist auch nicht sonderlich spektakulĂ€r. Es soll auch Menschen geben, die sich seit vielen Jahren professionell mit dem Thema beschĂ€ftigen... Jedenfalls wird mir dadurch wieder ein ĂŒberaus anarchistisches Thema vor Augen gefĂŒhrt, nĂ€mlich das Suchen nach eigener, freier Ordnung im Zusammenbruch beim gleichzeitigen Herbeirufen von Chaos wenn fremden Ordnungen aufgezwungen erscheinen. Wie das zusammen gehen kann, die fortwĂ€hrende GrĂŒndung auf den Nicht-Grund, die kontinuierliche Anordnung des Fließenden, das Klarkommen in den zusammenstĂŒrzenden WĂ€nden – bleibt wohl ein großes Geheimnis. Beziehungsweise etwas, was sich schwer greifen und benennen lĂ€sst, denn es hat mit Welterfahrung und Selbsterfahrung zu tun und damit zuallererst mit Selbstvertrauen und Weltvertrauen.

Leicht ist es nicht, da beide Instanzen ja wackelige Konstruktionen darstellen. Wer Gegenteiliges behauptet, hat eben besser konstruiert oder weniger dekonstruiert. Aber – trial-and-error – irgendwie kommt man da schon durch. Und wo ein Wille ist – da war er auch schon wieder weg. Dann befĂŒhlst du doch die Raufasertapete. Und des nachts entließ ich noch einen riesigen Nachtfalter aus meinem Fenster, wie auch immer der sich dort hin verirrt hatte, da das Fenster zu war. Wie ein Spuk, ein Geist, der flattrig noch entfleucht. Aus, Schluss jetzt. Am nĂ€chsten Tag wachst du frĂŒh auf und starrst bei Nieselregen in den ĂŒbervollen Fluss, siehst die Schaumwirbel ziehen, wie Kakao und ab und zu einen Ast mit treiben. So ist es ein Kommen und Gehen in der Welt– panta rhei! Beim nĂ€chsten Rausch hĂ€ltst du Maß! Und vom guten Gebrauch der Substanzen schreibst du ein andermal. Expertise findet sich zuhauf – und die wurde auch nicht nur auf guten Trips erworben





Quelle: Paradox-a.de