Juni 25, 2022
Von Lower Class Magazine
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Übersetzung: Dieser Text erschien unter dem Titel “Glaubst du die Linken wollen Krieg?” auf der Seite des Marxistischen Klubs “Obschtscheje delo” (“Gemeinsame Sache”) aus Belarus

Acht Jahre lang glĂŒhte im Osten der Ukraine ein Konflikt, der sowohl die ukrainische, als auch unsere Gesellschaft spaltete. Wie ein Damokles-Schwert stand mal die Bedrohung eines Krieges im großen Maßstab, mal die eines “Kosovarischen Szenarios” im Raum. Viele Linke unterstĂŒtzte die Schaffung von selbstĂ€ndigen Republiken in Donbass, die anderen hielten es fĂŒr wichtiger jeglichem Ausdruck des Imperialismus seitens Russland Widerstand zu leisten. HĂ€ufig haben sie ihre Positionen mit humanistischen Werten und guten Absichten begrĂŒndet.

Wir sollten jedoch bedenken, dass die Gesellschaft nach den materialistischen Gesetzen lebt und unsere Vorstellungen vom Schönen und Gerechten darauf keinerlei Einfluss haben. Die Haltung “FĂŒr alles Gute” und “Gegen alles Schlechte” teilen wir schon einfach deshalb nicht, weil jeder “klassenlose” Blick auf die Gesellschaft kontraproduktiv ist. Diese oder jene Ereignisse können nur vom Standpunkt der Interessen der WerktĂ€tigen, der VerĂ€nderung ihrer Lage, dem Wachstum des Klassenbewusstseins und der Entwicklung der Arbeiterbewegung bewertet werden. Außer dem Tod der Leute im Laufe des Konfliktes, ist die offensichtliche Gefahr fĂŒr unsere Völker der Aufschwung der nationalistischen Stimmungen. Und zwar auf allen Seiten. Chauvinistischer DĂŒnkel wird maximal genutzt werden, um die WerktĂ€tigen fĂŒr den Schutz ihrer Interessen um die Elite zu scharen.

Die andere HĂ€lfte [der Linken] gerĂ€t in die Falle des klassenlosen Pazifismus, denn die Slogans des Widerstandes gegen die Ungerechtigkeit werden mal wieder im Interesse der Gruppierungen von reichen und einflussreichen Menschen zur Umverteilung der Macht und des Eigentums genutzt, worĂŒber wir schon mehrmals geschrieben haben, oder fĂŒr die Kanalisierung der Proteststimmmungen und Spaltung der Bewegung.

Wird das zur Milderung des Regimes gegenĂŒber den WerktĂ€tigen und den Linken fĂŒhren? Einerseits waren die bisherigen ukrainischen Machthaber nicht gerade Verteidiger der Freiheit und der Demokratie. Trotz des formalen Wechsels der Regierungen und der Einhaltung eines formellen Prozedere, greift die ukrainische Exekutive hart durch. Wir sollten auch nicht die Nazis in Uniform vergessen, die straflos agierenden “Aktivisten”, die auch töten dĂŒrfen. Auf der andere Seite wird etwa die “Denazifizierung” im Zusammenspiel mit der von Putin angekĂŒndigten “Dekommunisierung” Besserung bringen? Die SĂ€uberungen lassen keine friedlichen Lösung zu. Zudem werden diese dann nicht ebenfalls [russische] Ultrarechte durchfĂŒhren?

Die Bourgeoisie hat sich nie durch HumanitĂ€t ausgezeichnet und es interessiert dann niemanden, ob du fĂŒr die Wahrheit oder fĂŒr die LĂŒge, fĂŒr die Linke oder fĂŒr die Rechte bist, wenn du als Bedrohung ihrer Herrschaft wahrgenommen wirst. Besonderes, wenn die Bevölkerung vor Ort sich als nicht so loyal erweist, wie es sich die Strategen im Stab vorgestellt haben. Kann man auf die Versuche hoffen, die Bevölkerung vor Ort [in der Ukraine] mit irgendetwas wohl gesonnen zu stimmen, was die Lage der WerktĂ€tigen bessert? Hypothetisch, kann die Russische Föderation ihre alte Trumpfkarte spielen – Kampf gegen die Oligarchie. Den Oligarchen ihr ganzes Eigentum wegnehmen (außer dem loyalen Medwedschuk) und es den ukrainischen Stiftungen ĂŒbergeben (damit niemand sagen kann, die Moskowiter hĂ€tten etwas geklaut) – und in ein paar JĂ€hrchen wird das ganze Eigentum in den HĂ€nden der “richtigen” Kapitalisten landen. Ganz ohne KriegserklĂ€rung. Was ist schon dabei, wenn “ehrliche Unternehmer” in die “Entwicklung der Regionen” investieren?

Kurz gesagt, bei allen möglichen Szenarien ist die Verbesserung der Lage der WerktÀtigen unwahrscheinlich.

5.3.2022
Original hier: https://vk.com/res_publica_marx
Tlgrm: Common_Cause_Minsk




Quelle: Lowerclassmag.com