Dezember 1, 2021
Von InfoRiot
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Dik de Boef vom Internationalen Sachsenhausen-Komitee bei einer Gedenkveranstaltung

Dik de Boef vom Internationalen Sachsenhausen-Komitee bei einer Gedenkveranstaltung

Foto: dpa/Soeren Stache

Nach nd-Informationen gibt es im Moment keinerlei Anzeichen dafĂŒr, dass die Stadtverordnetenversammlung von Oranienburg die umstrittene Benennung einer Straße nach Gisela Gneist (1930-2007) zurĂŒcknimmt. Wie berichtet, hat ein Gutachten des MĂŒnchner Instituts fĂŒr Zeitgeschichte zusammengefasst, was alles gegen Gisela Gneist spricht. Die Frau war von 1995 bis zu ihrem Tod Vorsitzende einer Arbeitsgemeinschaft ehemaliger HĂ€ftlinge des sowjetischen Speziallagers Sachsenhausen, soll die Nazizeit verklĂ€rt und gegenĂŒber Rechtsextremisten keine BerĂŒhrungsĂ€ngste gezeigt haben.

Das Stadtparlament hatte im Juni 2020 entschieden, eine Straße im neuen Wohngebiet Aderluch nach Gisela Gneist zu benennen. Dort befand sich von 1942 bis 1945 ein Außenkommando des Konzentrationslagers Sachsenhausen. Der Beschluss der Stadtverordneten sei fĂŒr die ehemaligen KZ-HĂ€ftlinge und ihre Nachkommen »ein Affront, der jede Empathie und SensibilitĂ€t vermissen« lasse, erklĂ€ren Dik de Boef und Andreas Meyer, ihres Zeichens GeneralsekretĂ€r und VizeprĂ€sident des Internationalen Sachsenhausen-Komitees (ISK). Wer sich weigere, wissenschaftlich belegte Tatsachen zu den sowjetischen Speziallagern anzuerkennen (dort waren nicht viele Nazis und Kriegsverbrecher interniert), wer die Opfer des Faschismus beleidige und Kontakte ins rechte Spektrum nicht scheue, könne und dĂŒrfe nicht auf diese Weise geehrt werden.

»UnabhĂ€ngig von der Person Gisela Gneist und ihrer mehr als problematischen Rolle als Vorsitzende des Speziallager-Opferverbandes«, so de Boef und Meyer, »vertritt das ISK nach wie vor die Auffassung, dass auf dem authentischen GelĂ€nde eines ehemaligen KZ-Außenkommandos keine Straße nach einem SpeziallagerhĂ€ftling benannt werden darf, um auch im Straßenbild keine geschichtsklitternde Verschmelzung beider historischer Perioden zuzulassen«. Die im Gutachten des Instituts fĂŒr Zeitgeschichte dargelegten Fakten sprechen nach Ansicht von de Boef und Meyer fĂŒr sich. Jetzt mĂŒsste das Stadtparlament seine Entscheidung korrigieren.

Die Linke und die GrĂŒnen sind dafĂŒr. Doch andere wie der Stadtverordnete Michael Ney (CDU) sehen das völlig anders. »Erst einmal steht da ĂŒberhaupt nichts Neues drin«, sagt Ney ĂŒber das Gutachten. Außerdem werde einseitig ĂŒber eine Frau geurteilt, die sich nicht mehr wehren könne. Wenn Gneists Vater schon vor 1933 in die NSDAP eintrat, so spreche dies nicht gegen seine Tochter. »Eine Sippenhaft gibt es nicht.« Dass Gneist ab 1940 dem Bund Deutscher MĂ€del (BDM) angehörte, spreche auch nicht gegen sie, da dies fĂŒr MĂ€dchen ab 1936 Pflicht gewesen sei. Er habe Gisela Gneist 15 Jahre lang gekannt und könne die Hand fĂŒr sie ins Feuer legen, versichert Ney. Sie sei durch ihre Leiden 1946 bis 1950 im Speziallager und vorher in den FĂ€ngen des sowjetischen Geheimdienstes »traumatisiert« und »verbittert« gewesen. Da mĂŒsse man ihr die eine oder andere unglĂŒckliche Formulierung verzeihen. Die demokratische Entscheidung, die das Stadtparlament nach grĂŒndlicher PrĂŒfung mit großer Mehrheit getroffen habe, mĂŒsse von der anderen Seite nun endlich akzeptiert werden.




Quelle: Inforiot.de