Oktober 4, 2021
Von SchwarzerPfeil
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Entnomen aus gleichnamiger BroschĂŒre, welche im Juli 2018 erschienen ist. Die Proteste gegen den Google-Campus in Berlin waren letztlich auch erfolgreich und Google hat seine PlĂ€ne fĂŒr den Bau des Campus aufgegeben.

PS: Zur Konkurrenz Microsoft hatten wir im vergangenen Jahr bereits einen Beitrag veröffentlicht: Der Microsoft-Polizeistaat

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Das Leben wird smart und clean. Alles Wissen und jede Kommunikation steht mir zu jeder Zeit zur VerfĂŒgung. Alles wird praktisch und effizient, einfach spielerisch und immer positiv, alles wird google. Alle können mitmachen, es kostet nix und alles ist freiwillig. Ich kann jederzeit selbst entscheiden und die ganze Welt steht mir offen – ich habe doch nichts zu verbergen.

So scheint es. Das ist das Produkt, die Maschine.

Doch wer ĂŒber das Smartphone hinweg schaut, sich dem WARUM und dem WIE stellt, dem werden sich unangenehme Fragen und Antworten aufwerfen, die zu Konsequenzen drĂ€ngen. Google ist nur eine Firma von vielen, nur ein Teil der neuen Herrschaftsstrukturen, aber ein entscheidender. Die Technologien sind machtvolle Mittel und Werkzeuge, die zur Restrukturierung von Kapitalismus und Herrschaft eingesetzt werden. Aus Anlass des Kampfes gegen den Google-Campus in Berlin-Kreuzberg soll dieser Megakonzern hier beispielhaft betrachtet werden. Doch keine Analyse bringt etwas, wenn es keine Folgen fĂŒr das eigene Handeln gibt


Was macht Google eigentlich?

Das Firmengeflecht des zweitgrĂ¶ĂŸten Unternehmens der Welt ist riesig und schwer zu durchschauen, denn stĂ€ndig werden weitere neue Firmen gegrĂŒndet oder Start-Ups aufgekauft. Es Ă€hnelt eher einem verĂ€steltem Netz, aber mit klarer hierarchischer FĂŒhrung. Es steht also nicht ĂŒberall Google drauf, wo Google drin ist.

Eigentlich heißt der Mutterkonzern Alphabet. Google ist nun neben vielen anderen eine Tochterfirma von Alphabet (Wenn hier aber von Google gesprochen wird, ist auch Alphabet gemeint). Larry Page und Sergey Brin sind die GrĂŒnder und absoluten Herrscher dieses Imperiums. Nebenbei: Von Larry Page‘s Kindern gibt es keine Fotos im Netz, sein Haus ist nach außen hermetisch abgeriegelt.

2017 machte der zweit-wertvollste Konzern der Welt etwa 110 Milliarden Dollar Umsatz, ĂŒber 12 Milliarden Dollar Gewinn und ĂŒber 10 Milliarden Dollar wurden 2014 in Entwicklung und Forschung investiert. Etwa 95% der Erlöse kamen 2014 aus dem WerbegeschĂ€ft.

So verzweigt das Firmengeflecht ist, so vielfĂ€ltig sind die Bereiche, in denen produziert und entwickelt wird. Ich kann hier nur Beispiele nennen, um das Ausmaß aufzuzeigen und so ein kleines Bild des Megakonzerns zu zeichnen. Die verschiedenen Bereiche greifen auch oftmals ineinander, ergĂ€nzen sich oder sind vermutlich auch Teil einer gesamten Strategie. Insgesamt kann gesagt werden, dass es sich um riesige Firmen, wie Google Search, aber auch um kleinere Start-Ups handelt. Ihnen gemein ist die Idee der „Moonshots“, der alles bahnbrechenden Erfindung, wofĂŒr totale Effizienz, absolute KreativitĂ€t, Skrupellosigkeit und Schnelligkeit vonnöten sind. Immer mindestens zehnmal höher, immer schneller, immer besser als davor, koste es, was es wolle.

/// Internet & Software

Google betreibt unzĂ€hlige Webseiten. Dabei sind sie weltgrĂ¶ĂŸter Anbieter bei Suchmaschinen (Google Search), Videoplattformen (YouTube), Email-Anbietern (Gmail), Standortbestimmungen (Google Maps), Bewegungsverfolgungen im Netz (Google Analytics)
 Dieses Ausmaß ist enorm, die Datenflut auf den Google-Servern gigantisch. Google sieht, wer, wann, was googelt und anschaut, Google scannt alle Inhalte aller Mails bei Gmail, sie verfolgen deine Bewegungen und Aufenthalte durch deine Suche bei Maps. Aber auch Bewegungen im Internet werden mit Analytics verfolgt und aufgezeichnet. All diese persönlichen Informationen können kombiniert werden. Sie stellen die Grundlage der Haupteinnahmequelle dar: (immer mehr personalisierte) Werbung, die BedĂŒrfnisse wecken und lenken soll.

Google vertreibt auch Betriebssysteme und Programme. Dazu gehört beispielsweise Android, das meistgenutzte Betriebssystem fĂŒr Smartphones. Android wird weiter ausgebaut als Betriebssystem fĂŒr autonom fahrende Autos, smarte GerĂ€te und so weiter
 Es ist „kostenlos“, alle können daran weiterentwickeln. Denn Google weiß ganz genau: Am wertvollsten ist die Marktdominanz und damit das Monopol auf die Datenausbeute – das neue Geld. Wir bezahlen mit dem was wir machen, wer wir sind, statt mit Geld. Auch der weltweit meist genutzte Browser Chrome ist von Google entwickelt und sendet eifrig Informationen an den Monopolisten. Die teilweise von Google empfohlenen Artikel der Startseite des Standard-Browsers auf den meisten Smartphones haben mittlerweile fast so viele Klicks wie Twitter. Weiterhin betreibt Google die Online-Fotoverwaltung Google Foto (mit automatischer Gesichtserkennung per kĂŒnstlicher Intelligenz), Google Earth und diverse weitere Apps. Auch hier wird wieder klar, wie sich Google in den Alltag von wahrscheinlich den meisten Menschen einnistet.

/// Marketing

Dies ist der Bereich, der den Großteil der momentanen Einnahmen bringt. Zahlreiche Marketing- und Werbefirmen verwenden die persönlichen Daten fĂŒr gezielte und damit „wertvolle“ Werbung.

Große und kleine Summen werden an verschiedenste Projekte gespendet, auch wenn sie auf den ersten Blick nichts mit Google zu tun haben. Außer der klassischen Lobbyarbeit bei Politik und Institutionen gehören dazu Geldspenden an diverse Start-Ups (Bedingungen sind kaum herauszufinden), sowie Projekte die den „technologischen Fortschritt“ voranbringen, wie die transhumanistische Singularity University oder das Alexander von Humboldt Institut fĂŒr Internet und Gesellschaft in Berlin. Außerdem zum Beispiel auch an Zeitungen, wie die TAZ – die Tageszeitung zur Modernisierung ihrer InternetprĂ€senz. Auch wenn angeblich nicht immer unbedingt eine direkte Gegenleistung erwartet wird – wer Lobbygelder kassiert, begibt sich immer in eine wohlwollende AbhĂ€ngigkeit.

/// Infrastruktur

Auch in Infrastruktur wird investiert. So baut und vermarktet Googles Firma Fiber (bisher nur in den USA) Glasfasernetze und AnschlĂŒsse. Die Firma Loon entwickelt Internet-Ballons, die irgendwann einmal ĂŒber weite Teile der Erde schweben (Afrika wird als erster Markt genannt) und alle mit Internet versorgen sollen – gefiltert durch Google natĂŒrlich. Das Unternehmen Lunar forscht an der menschlichen Besiedelung des Mondes.

/// Smart Live

Googles Firma Nest baut smarte Heizungsregler und Brandmelder, die beispielsweise registrieren, wenn sich jemand im Raum aufhĂ€lt, natĂŒrlich verbunden mit den Google-Servern. Zahlreiche Start-Ups vertreiben beispielsweise Überwachungskameras, die ebenfalls in die Google-Cloud senden. Besonders zu erwĂ€hnen ist noch Sidewalk Labs, ein Unternehmen fĂŒr allumfassende smarte Stadtentwicklung. In Toronto plant Sidewalk Labs die Umgestaltung eines 325 Hektar großen Viertels in eine Smart City. Sidewalk Labs hat dafĂŒr von der Regierung technologische aber auch stadtplanerische Aufgaben ĂŒbertragen bekommen. Ehemals staatliche Aufgaben werden von Google ĂŒbernommen, eine möglichst weitgehende Automatisierung soll das Leben „erleichtern“. Alles wird zum digitalen Informationsnetz. Smarte immer ĂŒberwachbare, nachvollziehbare und somit meist kontrollierbare GegenstĂ€nde und AblĂ€ufe sollen in diesem Pilotprojekt ein Vorbild fĂŒr StĂ€dte auf der ganzen Welt werden. Wo und wie die riesigen Datenmengen gespeichert werden und was damit passieren soll, ist unklar. Das dadurch aber neue ungeahnte Machtkonzentrationen bei Firmen entstehen, sollte klar sein.

Auch Google Fit soll smart den Alltag erleichtern. Fitnessarmband und stÀndiges Senden an die Google-Server soll die Selbstoptimierung steigern und persönlichste Daten zur Vermarktung bereitstellen.

/// Hardware

Auch fĂŒr die physische Verwertbarkeit ist gesorgt. Um die Datenquellen weiter zu verbreiten und die direkte Kontrolle zu behalten, entwickelt Google auch Hardware. So zum Beispiel das Google Phone mit Android-Betriebssystem und kĂŒnstlicher Intelligenz. Oder Google Assistant, ein kleiner Lautsprecher der die Kommunikation der Zukunft verkörpern soll: Kommunikation per Sprachsteuerung. Serien starten auf dem Fernseher, die Jalousien runterlassen, telefonieren, Musik hören, Mails schreiben, googeln
 alles per Sprache mit diesem kleinen GerĂ€t. Aber auch hier werden alle Daten bei Google zusammengefĂŒhrt, gespeichert und bestimmt auch ausgewertet. Die freiwillige Wanze, der Big Brother im Schlafzimmer und alle freuen sich, weil es doch so praktisch ist. Selbst ĂŒber die WiedereinfĂŒhrung der Google Glass dieses Jahr wird spekuliert. Dies ist eine Brille, die die Gegend in Echtzeit abscannt und abhört, die Benutzer*in bekommt Informationen von Google auf die GlĂ€ser eingeblendet. So entsteht ein Googlefilter, der sich vor die Welt legt und eine ernsthafte Schnittstelle Mensch-Maschine kreiert. Außerdem weiß niemand in der Umgebung, ob gerade alles aufgenommen, hochgeladen und gespeichert wird, automatische Gesichtserkennung ist bei Google mittlerweile Standard. Die totale Überwachung, ganz praktisch und freiwillig. Die erste Version nahm Google vor ein paar Jahren vom Markt, weil die Kund*innen dafĂŒr noch nicht bereit wĂ€ren. Es Kneipen gab, die den „Glassholes“ den Eintritt verwehrten und auch manchen die Brille von der Nase geschlagen wurde. Die neue Generation wird nun gemeinsam mit einem Brillenhersteller entwickelt. Ein interessanter Angriffspunkt, der alle etwas angeht. FĂŒr die Zukunft arbeitet Google jedoch an der Entwicklung von smarten Kontaktlinsen, was wahrscheinlich kaum noch jemand von außen erkennen wĂŒrde.

Auch an der Entwicklung des Quantencomputers ist Google beteiligt. Angeblich hat er auch schon fĂŒr den Bruchteil einer Sekunde funktioniert. Sollten sie es schaffen diese Art der Superrechner zum Laufen zu bringen, könnte dies ein Quantensprung in der Informatik und damit auch der Biotechnologie, der Robotik etc. bedeuten. Vor allem kĂŒnstliche Intelligenzen wĂŒrden damit einen riesigen Sprung nach vorne machen, behaupten die Technolog*innen. Auch wird vermutet, dass ein Quantencomputer heute verschlĂŒsselte und meist abgefangene E-Mails schnell entschlĂŒsseln kann.

/// Robotik

Google besitzt mehrere Robotik-Firmen, die in verschiedenste Bereiche hineinreichen. So werden beispielsweise Nanobots entwickelt, die in Zukunft in die Blutbahn gespritzt und dort Krankheiten heilen sollen. Aber auch an möglichst menschenÀhnlichen Robotern wird geforscht, genauso wie Maschinen, die sich möglichst gut in jedem GelÀnde bewegen können. Hier zeigt sich auch offen die Kooperation in Beratung und Entwicklung mit dem MilitÀr, das in Zukunft vermehrt auf Roboter setzen will, auf dem Feld, aber auch im Nanobereich.

/// Biotechnologie

Dies ist ein Bereich, den Google exzessiv ausbaut, der Markt der Gesundheit ist riesig. Nahezu alle großen neuen Player wie Amazon, Facebook oder eben Google investieren enorme Summen in diese Sparte. Die Medizin soll individualisiert werden und neue Methoden sollen durch das Zusammenspiel von Biologie, Genetik, Robotik und Informatik entstehen.

DafĂŒr wird Grundlagenforschung betrieben zur Entwicklung neuer Pharma-Produkte, fĂŒr personalisierte Genommedizin und auch zur allgemeinen VerlĂ€ngerung des Lebens. Was erst einmal nicht schlecht klingt, wird jedoch tiefgreifende Folgen haben. Eingriffe in die Genetik können unumkehrbar in die Natur eingreifen – was passiert weiß niemand so richtig. Das Start-Up 23andme beispielsweise, das von Google finanziert und dann aufgekauft wurde, arbeitet am Kind auf Bestellung. Sie haben eine Technik patentiert, um bei einem im Labor gezeugten Baby beispielsweise Augenfarbe, Krankheitsrisiken, KörpergrĂ¶ĂŸe oder MuskelstĂ€rke zu selektieren. Auch heute schon ist die Lebenswertung sehr unterschiedlich, je nachdem, wo du aufwĂ€chst, wie hoch der „technische Lebensstandard“ ist. Das sagt zwar nichts darĂŒber aus, ob die Menschen glĂŒcklich sind, zeigt aber, dass genetisch selektierte oder beeinflusste Menschen zumindest vorerst Privileg der Reichen und Gesunden werden können. Die AusbeutungsverhĂ€ltnisse wĂŒrden noch extremer, die Kluft und Unterschiede bei der körperlichen Gesundheit noch sichtbarer und hierarchisierender.

Schließlich trĂ€umt Sergery Brin, Chef von Google: «Wir wollen, dass Google zur dritten HĂ€lfte unseres Gehirns wird.» Und die Welt werde Google, alles gefiltert durch und gekoppelt an einen Konzern. Bisher reine Zukunfts- und Allmachtsphantasie eines MultimilliardĂ€rs. An dem Weg dorthin arbeitet Google aber schon heute. Schnittstellen zwischen Mensch und Maschine sollen die dauerhafte Interaktion mit der virtuellen Welt erleichtern. DafĂŒr entwickelt Google Biostamps, Sensortabletten und Implantate. Schon vor ein paar Jahren konnte ein QuerschnittsgelĂ€hmter mit einem Kabel vom Gehirn zu einem Rechner einen Kreis auf einem Monitor zeichnen, das Steuern einer Drohne funktioniert schon mit einem Helm. Diese dauerhaften Verbindungen mit Technologien machen diese unentbehrlich, sie treiben die AbhĂ€ngigkeit von Smartphone und virtuellen sozialen Netzwerken ins Extreme. Sie arbeiten an der Verschmelzung, die keine Trennung und Autonomie mehr zulĂ€sst. Transhumanist*innen, die auch von Google teilweise mitfinanziert werden, trĂ€umen gar von neuen Spezies, die den ineffizienten Menschen irgendwann ablösen sollen.

/// KĂŒnstliche Intelligenz

Schließlich forscht Google umfassend an kĂŒnstlichen Intelligenzen (KI). Google ist ein Schwergewicht in diesem Marktsegment. Dazu gehören automatische Gesichtserkennung (find my face), autonomes Fahren, Deepmind, eine Software die arbeitet wie neuronale Netze oder auch die Autocomplete-Funktion bei Google-Search. Hier gab es in den letzten Jahren enorme Fortschritte. Nach dem Sieg einer KI ĂŒber den GO-Weltmeister (ein Strategiespiel), oder der Komposition von MusikstĂŒcken, greifen mittlerweile sehr viele Anwendungen auf KIs zurĂŒck. Das kleine AbhörgerĂ€t Google Assistant beispielsweise reagiert auf Sprachbefehle und imitiert ein persönliches Helferlein oder eher persönliche(n) Assistent*in. Alle Anfragen gehen an die Google-Server, bei denen eine KI nach passenden Antworten sucht. So soll die KI einen mit der Zeit immer besser „kennenlernen“ und so die Interaktion perfektionieren. Das perfekte Mittel, das Selbstdenken der Menschen abzuschalten, erlahmen zu lassen. Der KI als Herz der Automatisierung wird eine große Zukunft vorausgesagt. Egal ob intelligente Straßenlaternen, selbstfahrende Autos, digitale Partner*innensuche oder Erstellung von Inhalten – dort ĂŒberall steckt eine KI dahinter. Wikipedia- und Zeitungsartikel werden von ihnen geschrieben, Kamerabilder ausgewertet und VorstellungsgesprĂ€che durchgefĂŒhrt.

Wie die KIs jeweils funktionieren, was ihre Entscheidungsgrundlagen sind, das wissen nur die dahinterstehenden Firmen, die die zugrundeliegenden Algorithmen kennen. Was Gegenstand zahlreicher Verfilmungen war, ist nun gar nicht mehr weit hergeholt: eine KI verselbststÀndigt sich und richtet sich gegen den Menschen.

Google veröffentlichte unlĂ€ngst ein kleines Experiment, das auf erschreckende Weise zeigt, zu was KIs in der Lage sind. Im Versuchsfeld standen drei KIs. Zwei sollten verschlĂŒsselt kommunizieren und die Methoden dazu selbst entwickeln. Die dritte KI bekam alle Nachrichten und sollte sie entschlĂŒsseln. Die VerschlĂŒsselungsmethoden wurden schnell besser, sie lernten schnell. Nach zwei Tagen kommunizierten die zwei KIs in einer verschlĂŒsselten Sprache, die auch kein Mensch mehr verstehen konnte. Die menschlichen Sprachen sind aus Maschinensicht ineffizient, sie entwickelten also eigene. Inhalte blieben von da an fĂŒr Außenstehende verborgen. Dieser Test zeigt die GefĂ€hrlichkeit. Wenn man sich vorstellt, solche KIs hĂ€tten Zugriff auf z.B. Infrastruktur und wĂŒrden sich verselbststĂ€ndigen? Und sie waren auch noch Stolz darauf, dass die KI sie ĂŒberlistet hatte


Ziele von Google

Nach eigenen Angaben will Google eine bessere Welt erschaffen. GemĂ€ĂŸ dem frĂŒheren Firmenmotto „Don‘t be evil – Tue nichts böses“, verspricht der Konzern alles Gute zu tun, was dem Menschen hilft. Mit der Technik Googles sollen Menschen bald 130 Jahre alt werden, Kinder vor der Geburt selektiert werden, Roboter möglichst viele Aufgaben abnehmen und kĂŒnstliche Intelligenzen unsere WĂŒnsche errechnen, bevor wir sie selbst kennen. Doch was ist gut, was ist eine bessere Welt? Google-GrĂŒnder Larry Page war auf einer Montessori-Schule, findet den selbststĂ€ndigen Entdeckergeist angeblich super und sein BĂŒro ist nicht grĂ¶ĂŸer oder teurer ausgestattet als alle anderen. Die Villen stehen außerhalb der Firma. Er spricht von flachen Hierarchien im Betrieb, doch ĂŒber den Kreativen und Programmierenden thronen die GrĂŒnder und der Vorstand. Sie bestimmen letzten endes immer, auch, dass in den unteren Etagen flache Hierarchien sein sollen – zur KreativitĂ€tsförderung. So sind auch die Produkte. Ob personalisierte Suchmaschine und Werbung oder eine KĂŒnstliche Intelligenz in deinem Wohnzimmer: Sie sollen auf deine individuellen BedĂŒrfnisse eingehen, sind aber durch Google kontrolliert und gesteuert. Die Algorithmen sind geheim, die Datenabschöpfung zentral bei Google. Diese paar Typen denken wirklich, sie wĂŒssten was fĂŒr uns alle gut ist. Und fĂŒr ihren Geldbeutel. Wobei man ihnen wirklich abnehmen kann, dass sie vieles deshalb tun, um die Menschheit zu verbessern. In ihrem Sinne. Weltenlenker wollen sie sein und sie sind unglaublich mĂ€chtig und einflussreich. Wer diesen Menschen, ihrer TechnologieglĂ€ubgkeit und ihren Produkten traut, fĂ€llt auf ein Spektakel herein, das bisher kein Diktator vorher besser gemacht hat.

DafĂŒr arbeitet Google interdisziplinĂ€r. Um die technologische WĂŒste auszudehnen, werden vor allem Robotik, Biotechnologie und Informatik zusammengefĂŒhrt. In all diesen Bereichen forscht Google und besitzt unzĂ€hlige Start-Ups und Unterfirmen. Die Trennungen der Teilbereiche hebt sich immer mehr auf, sie fließen ineinander.

Nach eigener Auskunft unter anderem mit dem Ziel, alles Wissen der Welt bei Google zusammenzufĂŒhren. Doch fĂŒr was? Wissen ist Macht
 Aber Google ist ja so selbstaufopfernd und möchte dieses Wissen allen Menschen „kostenlos“ zur VerfĂŒgung stellen. Was dieses kostenlos bedeutet, wissen wir: Bezahlung per Daten und Informationen der User*innen. Aber es stellt sich auch die Frage nach dem Warum. Wenn ich durch eine Straße gehe, filtere ich Automatisch die Informationen, denn ich sehe ja gerade nicht die ganze Welt. Der Mensch ist nunmal beschrĂ€nkt in seiner AufnahmefĂ€higkeit. Da zu viele Informationen eine Überforderung darstellen, sortiert sie Google freundlicherweise fĂŒr uns. Beste Ergebnisse! Die Welt gefiltert durch Google, denn sie alleine bestimmen per unbekannter Muster, was fĂŒr mich wichtig ist und welche Informationen am Ende bei mir ankommen.

Trotzdem stecken hinter all den tollen Beteuerungen natĂŒrlich auch finanzielle Interessen. Ohne die Milliarden wĂ€ren die grĂ¶ĂŸenwahnsinnigen TrĂ€ume der Google-Chefs kaum umsetzbar. Und auch die eigenen Villen werden ja benötigt. Wir leben in der Welt der Ausbeutung, im Kapitalismus, also braucht ein Megakonzern immer neue Gewinne, Wertsteigerungen, ZukĂ€ufe und neue AbsatzmĂ€rkte.

Die Folgen

Technologie greift immer weiter in alle Lebensbereiche ein. Sie dehnt sich ins Weltall aus und in die kleinsten Atome. Sie ist nicht mehr nur Werkzeug, sondern das Strukturierende, die beste Freundin, die Hoffnung, das Ziel. Das Netz lĂ€sst kein Außerhalb mehr zu, ein smartes GefĂ€ngnis – allgegenwĂ€rtig.Wie wir arbeiten, Beziehungen fĂŒhren, Kommunizieren und Denken, verĂ€ndert sich in rasendem Tempo. Selbst „Mensch sein“ wird neu definiert. Dass exzessive Nutzung von Computer und Smartphone unsere Verhaltensweisen Ă€ndern und dabei neue GehirnverknĂŒpfungen entstehen, wobei andere verkĂŒmmern, ist nichts neues. Lineares Denken wird ersetzt durch sprunghaftes Hin und Her, viel mehr von allem, so dass nichts mehr ĂŒbrig bleibt, nichts hĂ€ngen bleibt. Konzentration beschrĂ€nkt sich auf Sekunden, schnell und temporĂ€r vergesslich. Die Demenz breitet sich aus und soll kompensiert werden durch Maschinen, die auch bald unsere Geschichte neu schreiben werden. „Gamification“, spielerisch sĂŒchtig machend durch unregelmĂ€ĂŸige Belohnungen wie einer guten Nachricht, „Nudging“, das immer wieder anstupsen, damit ja keine Ruhe einkehrt, sind alltĂ€gliche Mittel der Konzerne wie Google.

Alles wird leicht, kurz, smart, damit man sich selbst nicht mehr anstrengen muss. Das ist der Trick. Wir mĂŒssen unsere Bequemlichkeit aufgeben, um nicht hineinzufallen ins Loch der Fremdbestimmung. Die Fremdbestimmung der Vertretung durch die Politik im extrem. Denn was Maschinen mir alles abnehmen, verlerne ich oder lerne es nie. Wer anstrengende Herausforderungen gemeistert hat, weiß, wie viel man daraus lernen kann und wie gut es tut, sie geschafft zu haben. Google will sie uns nehmen, durch die Routenbeschreibung, die schnelle Suche, den Pflegeroboter oder die totale Medizin. Das Prinzip der Selbstbestimmung bedeutet von nun an, sich nicht nur von der Politik zu befreien, sie bedeutet die FĂ€den des Netzes durchzuschneiden und sich auf die nĂ€chste Herausforderung zu freuen.

Durch die Durchdringung ALLER Bereiche des Lebens, bekommen Firmen wie Google eine ungeheure Macht. Ich möchte sogar behaupten, dass sie in Zukunft die der Staaten und Kaiser ĂŒbertreffen wird. Die Einflussmöglichkeiten sind enorm, da extreme AbhĂ€ngigkeiten erschaffen werden, ohne die viele Menschen glauben nicht mehr Leben zu können. Es geht nicht darum, ob es nun Google ist oder eine andere Firma. Es geht um die Strukturen der Fremdbestimmung, die sich einzecken in Beziehungen, den Blutkreislauf und meine WĂŒnsche. Dabei arbeitet Google auch mit Repressionsbehörden und dem MilitĂ€r zusammen, was nicht verwundert, da diese dafĂŒr sorgen, die bestehenden VerhĂ€ltnisse aufrechtzuerhalten.

FĂŒr den nĂ€chsten Moonshot – die alles bahnbrechende Erfindung – wird alles in Kauf genommen. Im Namen des Fortschritts, der neuen Weltreligion, wird an gefĂ€hrlichen Dingen geforscht, ohne RĂŒcksicht auf Verluste oder unangenehme Konsequenzen. Unser neuer Gott, die Wissenschaft, tut alles fĂŒr den Menschen, um weiter zu kommen. Höher schneller weiter. Nanopartikel werden in die Welt gelassen, GenomverĂ€nderungen vorgenommen und vieles mehr. Diese Eingriffe sind unumkehrbar, niemand hat auch nur eine Ahnung von den eventuellen Folgen. Wir sind die Ratten im Großraumlabor Erde. Auch KĂŒnstliche Intelligenzen könnten, einmal „freigesetzt“, Eigendynamiken entwickeln, denen der ineffiziente Mensch im Wege steht. StĂŒck fĂŒr StĂŒck werden genverĂ€nderte Pflanzen, KIs und so weiter einfach eingefĂŒhrt, bis wir vor vollendeten Tatsachen stehen.

Der allumfassende Angriff

„Ich habe nichts zu verbergen“ nehme ich niemandem ab. Wir alle haben Geheimnisse, nur merken wir im Netz nicht sofort, wie schnell wir einfach ausgezogen werden. Wer will, kann sich einfach Googles Umsatz anschauen, der durch die Aufzeichnungen der Bewegungen im Netz anfĂ€llt und personalisierte Werbung ermöglichen – es sind Milliarden. Was wer, wann mit dem Datenreichtum tun wird, wissen wir nicht, denn wir haben sie aus der Hand gegeben. Sie sind fĂŒr immer da und niemand kann sagen, was ein verrĂŒckter Larry Page, eine KĂŒnstliche Intelligenz oder ein zukĂŒnftige(r) Diktator*in damit machen werden.

In den nĂ€chsten Jahren wird es einen enormen Schub in der Automatisierung geben. Roboter, automatische Steuerungen, smarte KĂŒhlschrĂ€nke
 In der Folge werden sehr wahrscheinlich viele ArbeitsplĂ€tze wegfallen und Berufe aussterben. Manche gehen davon aus, dass in 20 Jahren 20% der heute Arbeitenden erwerbslos sein werden. Eine Menge „ÜberflĂŒssiger“, die im kapitalistischen Sinne eigentlich nicht mehr gebraucht werden. Oder wenn, dann zum Konsumieren. Deshalb, und wohl auch aus GrĂŒnden der Befriedung, gibt es vermehrt von Firmen und Politiker*innen den Vorschlag des Grundeinkommens. Ein Grundeinkommen könnte dieses Heer der ÜberflĂŒssigen ruhigstellen und den Konsum gewĂ€hrleisten. Gleichzeitig werden viele Berufe verschwinden. Das ist bei weitem nichts neues, schon immer sind neue Berufe entstanden und alte ausgestorben.

Doch was sich bereits seit der Industrialisierung gezeigt hat, steigert sich bei Informatik und Robotik noch: FĂŒr immer mehr komplexe Technologien werden immer mehr Spezialist*innen gebraucht. Einfache Arbeiten sollen die Maschinen ĂŒbernehmen, alles andere von den Wenigen, die diese auch einigermaßen verstehen. Wieder eine enorme AbhĂ€ngigkeit, da ProduktionszusammenhĂ€nge immer entfremdeter werden. Wer versteht noch wie komplexe Technologien eigentlich funktionieren? Im Grunde ist es wie bei Eltern, die ihre Kinder entmĂŒndigen: Nie erklĂ€ren warum Dinge sind wie sie sind und was die Optionen mit den entsprechenden Konsequenzen sind, sondern nur, dass es so ist und wie es möglichst reibungslos funktioniert.

Dabei verlagern sich Zeit, Beziehungen, Arbeit und Leben allgemein immer mehr ins Virtuelle. Dass der Rahmen dafĂŒr, die Möglichkeiten, immer von den Programmierenden bestimmt werden, scheint wenige zu stören. Hier liegt es aber nicht mehr bei dir, was du sagen darfst und was nicht, aber vor allem wie. Das Design bestimmt deinen Handlungsrahmen, nicht du selbst. ZusĂ€tzlich verlernen viele ohne GerĂ€te zu kommunizieren. Doch was, wenn sie mal nicht mehr funktionieren?

Dabei wird es immer normaler mit Maschinen tiefe Verbindungen einzugehen. In Japan hat eine Frau ihren Roboter geheiratet, Pflegeroboter spielen im Altersheim Karten und ein Internet-Implantat ist eine Frage der Zeit.

Doch wir brauchen nicht in die Ferne zu schauen: Das Smartphone scheint heute bei vielen schon angewachsen, vieles wird darĂŒber organisiert, „Kontakte“ gepflegt und die Dauerberieselung gewĂ€hrleistet. Entzugserscheinungen, Einsamkeit und NervositĂ€t, wenn es mal weg ist, sind zur NormalitĂ€t geworden. Die dauerhaften Verbindungen zu Maschinen werden das Verhalten und das Denken tiefgehend beeinflussen und verĂ€ndern. Sie verdrĂ€ngen den direkten Kontakt und Austausch mit anderen Menschen und vor allem auch mit einem selbst. Ruhe, Reflektion, abschweifende Gedanken
 wird GerĂ€ten ĂŒberlassen, die uns einen Großteil davon abnehmen.

Dabei verschwimmen die Grenzen zwischen Mensch, Ding, Beziehung und Gedanke. Da alles in ein GerĂ€t eingepflegt wird, wandelt sich alles zur reinen Information. Das Internet of Things, also die Netzangebundenheit möglich aller GerĂ€te und Dinge und die Smart City, sind ebenfalls wichtiger Bestandteil dieser Entwicklung. Und da Informationen messbar sind, können sie kategorisiert werden, oder eher gesagt mĂŒssen, da die Algorithmen die ganzen Informationen ja irgendwo einordnen mĂŒssen. Auf welcher Basis das dann passiert, ist meist völlig unklar, da viele nur den Programmierenden bekannt sind oder sie selbstlernend sind. Informationen werden geordnet, sortiert, nach Kriterien, die sich dem Individuum immer entziehen.

Alles was messbar und kategorisierbar ist, kann auch berechnet und somit kontrolliert werden. Es entsteht eine umfassende Kontrolle ĂŒber Bewegungen, Vorlieben, Beziehungen und das Verhalten im Allgemeinen. Ein Beispiel ist die geplante Abschaffung des Bargeldes, was zur Folge hĂ€tte, dass wir nur noch digital bezahlen können und somit jeder Zahlungsverkehr grundsĂ€tzlich nachverfolgbar wĂ€re. Die direkte Kontrolle und damit auch die Beeinflussungsmöglichkeit von Firmen, greift in jeden Bereich des Lebens ein.

„Freiheit ist, wenn dein Datenvolumen so groß ist, wie eure Liebe“ – Ein Werbespruch eines Handynetzanbieters. Dieser Satz steht exemplarisch fĂŒr eine ganze Strategie. Uns wird Freiheit und IndividualitĂ€t verkauft. Erst durch die Bindung an komplexe Technologien kannst du richtig Beziehungen fĂŒhren, Freunde haben und dich frei fĂŒhlen. Denn du brauchst angeblich nur alle Möglichkeiten damit du frei bist. Die Bedeutung von Freiheit als möglichst große Selbstbestimmung, Selbstorganisierung und gegenseitiger Verantwortung wird hier auf den Kopf gestellt. Denn das Netz, der Rahmen in dem wir „frei“ sein dĂŒrfen, wird immer dichter und enger.

Ich nenne es die Strategie der totalen Vereinnahmung. Nicht Teil von etwas zu sein, wird immer schwieriger. Angefangen mit allgegenwĂ€rtiger sich ausweitender Kontrolle durch Sensoren und Kameras ĂŒberall, bis zur ausschließenden freiwilligen Nutzung von z.B. virtuellen sozialen Netzwerken.

Nehmen wir beispielsweise an, in naher Zukunft öffnet sich eine verschlossene TĂŒr zur U-Bahn nur noch, wenn ich mit Smartphone bezahle. Lasse ich mich aus den öffentlichen Verkehrsmitteln ausschließen oder fĂŒge ich mich dem? Was wenn eines Tages ein implantierter, dauerhaft mit Google oder sonstwem verbundenen Chip verlangt wird? Und Bezahlsysteme sind nur ein Beispiel.

Auch Ausweise, Jobbedingungen, Lerngruppen, etc. haben diese Tendenz. AuffĂ€llig sind jene, die abweichendes Verhalten zeigen, auch das ist schon RealitĂ€t. Viele Nischen, die in der heutigen Scheiße noch zu finden sind, werden verschwinden. Der Bruch derjenigen, die sich etwas verweigern wollen, wird in Zukunft viel tiefgreifender sein mit gravierenden Folgen fĂŒr die einzelne Person. Totaler Einschluss im freien Netz.

Die AbhĂ€ngigkeit von GerĂ€ten und deren Netzen bringt einen starken Verlust von SelbststĂ€ndigkeit und Autonomie mit sich. Wenn ich fĂŒr alles Spezialist*innen benötige, wenn alle Strukturen, wie zum Beispiel die Kommunikation, vorgegeben sind, gewinnt die Fremdbestimmung. In diesem Zuge wird sich das Strafsystem verĂ€ndern. Sollte das „funktionieren“ der BĂŒrger*innen sonst durch Staat, Bullen und Gesetze gewĂ€hrleistet werden, ĂŒbernimmt immer mehr die Selbstdisziplinierung. Andauernde Kontrolle, regelmĂ€ĂŸig unregelmĂ€ĂŸige digitale Anstupser und durchgehende Interaktion im Netz erzeugen eine umfassende vorbestimmte Struktur, in der das Leben stattfinden darf. Bestimmt wird es weiterhin Bullen und KnĂ€ste geben, da es immer Menschen gibt, die nicht nach den herrschenden Spielregeln spielen. Die Kontrolle und Disziplinierung aber wird intelligenter, smarter, unsichtbarer, weniger fassbar und viel mehr internalisiert, also in einem selbst aufgenommen, da es die UmstĂ€nde so erfordern.

Hilfreich ist dabei die Art und Weise wie GerĂ€te, wie das Smartphone und dessen Programme, als Ding an sich konzipiert sind. Die andauernde schnelle Interaktion, die niedrigen Herausforderungen und Hemmschwellen, das Behandeln von Menschen nach deren Abbild im Netz, das nie endende und verweilende, prĂ€gen Fernsehen und digitale Welten. Es gibt umfangreiche Untersuchungen darĂŒber, was jedem wachen Betrachtenden auch so klar wird: Empathie, MitgefĂŒhl, Konzentration, sowie kognitive FĂ€higkeiten, wie Denken, Erinnern und SpontanitĂ€t gehen immer mehr verloren. Lineares Denken wird abgelöst durch hektisches Hin und Her und nebeneinander. Das bindet den Menschen, erscheint als schnelle saubere Lösung. Viele Manager*innen machen mittlerweile Kurzurlaube ohne digitale GerĂ€te – ein Luxus! Und um wieder klar und konzentriert zu werden, um sich wieder anzustöpseln.

Noch ein kurzer Ausflug in die Zukunft: Der Chefentwickler von Google, Ray Kurzweil, ist der wohl bekannteste Verfechter des sogenannten Transhumanismus. Dieser Idee nach soll der Mensch erst einmal durch GerÀte aufgewertet werden, bis die ineffiziente Spezies Mensch endlich durch die Verschmelzung mit Maschinen und Programmen zugunsten neuer Spezies beendet wird. Aber schon jetzt zeichnet sich ab, dass Googles Produkte nicht lÀnger nur Prothesen sein werden. Also Instrumente, die unsere eigentlichen FÀhigkeiten durch GerÀte ersetzen. In Zukunft wird der Mensch wohl eher einer Prothese der Google-Maschine sein, die totale Anbindung und Ausschöpfung aller Informationen.

All die genannten Aspekte bezeichnen jetzt schon einen allumfassenden Angriff auf SelbststĂ€ndigkeit und Selbstbestimmung. Doch Freiheit basiert auf diesen Bedingungen. Dieser Angriff ist auch nichts neues, schon immer war Autonomie schĂ€dlich fĂŒr jede AusĂŒbung von Herrschaft und Ausbeutung. Doch der Kapitalismus steckt in einer Krise, denn um zu existieren muss er immer weiter wachsen. Was soll denn noch ausgebeutet werden? Nach den GrundbedĂŒrfnissen und allen anderen Dingen kommen nun Beziehungen, Vorlieben und die Gedanken selbst dran. Ein unendlicher Markt, sind BedĂŒrfnisse des Körpers doch bedingt. Wer Hunger hat, wird auch erst einmal satt. Doch alles, was im Kopf passiert, ist endlos ausbeutbar, der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt.

Die Herrschaft sortiert sich neu, Ausbeutung wird restrukturiert. Manchmal ist es verlockend zu sagen, damals war alles besser. Doch die eigentlichen MachtverhĂ€ltnisse bleiben, sie Ă€ndern nur ihr Gesicht, ihre Strategien und ihre Form. Sie werden smart, positiv und immer nĂŒtzlich. Einen Feind auszumachen wird immer schwieriger. FrĂŒher war es vielleicht ein Sklaventreiber mit Peitsche oder die einschĂŒchternden Ermahnungen des Chefs. Heute jedoch sind es alle deine Freund*innen und die Instrumente der Kontrolle ermöglichen dir erst dabei sein zu können. Diese Neuorientierung macht es etwas kompliziert, da ja alles freiwillig ist und wir alle Teil davon sind. Aber wir dĂŒrfen nicht vergessen, dass ich fĂŒr mich selbst Konsequenzen aus diesem Wissen folgen lassen kann. Und dass es immer noch Menschen und Strukturen gibt, die eine Hauptverantwortung an diesen Strukturen tragen und auch angegriffen werden können. In der Regel sind es auch diejenigen, die am meisten profitieren. Hinzu kommt, dass wenn alles ĂŒberall ist, die Ströme des Netzes die verwundbarsten Punkte sind, denn moderne Systeme sind zutiefst angewiesen auf Stromleitungen, Glasfaserkabel und Warenströme.

Ich möchte hier die Tragweite der momentanen und kommenden Entwicklungen aufzeigen. Aber nichts davon ist festgeschrieben, the future is unwritten. Es wird immer Möglichkeiten geben, sich zu wehren, Funken einer Welt ohne Herrschaft aufzuzeigen und Selbstbestimmung auszuweiten.

Warum so etwas wie einen Google-Campus verhindern?

Eigentlich könnte man sagen, dies ist ein Beispiel. Denn ein Google-Campus oder eben ein anderer Ort, an dem sich Herrschaftskritiken der komplexen Technologien entfalten können, kann es viele geben. Es ist ein Ort, an dem ein Konflikt besteht oder hervorgerufen werden kann.

/// Warum also?

Zum einen werden Firmen wie Google ĂŒberall da, wo sie sich ansiedeln, eine enorme Aufwertung der Gegend (im kapitalistischen Sinne) forcieren. Solche Projekte sind Inkubatoren, sind Starter fĂŒr eine weitere Entwicklung. Start-Ups, die es im Google-Campus nicht bis ganz nach oben geschafft haben, werden sich der Erfahrung aus anderen StĂ€dten nach versuchen in der Gegend anzusiedeln. Auch die NĂ€he zu Google könnte Start-Ups dazu verleiten in die NĂ€he zu ziehen. Die Gegend wird teurer als sie sowieso schon ist, Menschen, die sie sich nicht mehr leisten können, mĂŒssen woanders hin ziehen. Soziale Umfelder zerbröseln. Ein altbekanntes „PhĂ€nomen“. Doch solange Eigentum an sich existiert, wird es immer Ausbeutung geben. Wer braucht denn eine(n) Vermieter*in? Wenn die Wohnungen denen gehören wĂŒrden, die gerade darin wohnen, wĂ€re die Wertabschöpfung durch andere, meist sowieso Reiche, nicht mehr möglich. Eine weite Diskussion, die hier nur kurz angeschnitten werden kann, die aber wichtig ist, da viele der Einwohner*innen rund um den geplanten Campus in erster Linie anscheinend VerdrĂ€ngung fĂŒrchten und nicht die Ausbeutung durch die digitale Welt.

Doch der technologische Angriff, unter anderem durch Google, geht uns alle etwas an, denn er ist tiefgreifend und langfristig. Daher braucht es konkrete Projekte, an denen er thematisiert und angegangen werden kann.

/// Was ist das Ziel?

Hier wird es die unterschiedlichsten EinschĂ€tzungen geben. Ich denke aber, die Verhinderung eines Google-Campus kann nur ein Etappenziel sein. Der Campus ist auch Ursache, aber hauptsĂ€chlich Symptom. Sollte der Campus verhindert werden, bauen sie ihn eben am Stadtrand und erhöhen dort die Miete und Google wird weiterhin seine Produkte verbreiten. Sollten wir Google zerstören, wird ein anderer Konzern weitermachen. Nicht um entmutigt zu werden, sondern zu einer realen EinschĂ€tzung zu kommen. NatĂŒrlich wĂ€re ein verhinderter Campus ein gutes GefĂŒhl, ein Zeichen an die Welt, dass man sie Ă€rgern kann. Das gibt Mut. Und es ist möglich. Aber auch ein geöffneter Campus könnte vielleicht sogar noch mehr Angriffspunkte geben


Das eigentliche Ziel muss, finde ich, aber ein ganz anderes Leben sein. Die Abschaffung von Ausbeutung, der Aufbau von Eigenitiative und SolidaritĂ€t, das Ausweiten von Selbstbestimmung und Selbstorganisation. Dies sind Ziele die sich gegen jede Art von Google und Herrschaft richten. Dies widerspricht auch grundsĂ€tzlich jeder Art der Politik, sei es von Parteien oder Menschen und Initiativen, die mit den Verantwortlichen in Verhandlung treten, sei es durch Petitionen, Forderungen an die Regierung oder Forderungen nach niedrigen Mieten. Wer sich in diesem Sinne im System selbst bewegt, wird Entwicklungen vielleicht verzögern können, dabei aber zur Stabilisierung desselben beitragen. Kritik und Engagement sind erwĂŒnscht, um die Fata Morgana aufrecht zu erhalten, dass wir etwas bewirken könnten durch Reformen in deren Spiel. Wie wir aber gesehen haben: Wer die Struktur bestimmt, bestimmt wo es lang geht. Wenn ich selbst entscheiden will, welchen Weg ich einschlage, muss die Struktur zerstört werden, als Ding und als Idee.Der Kampf gegen den Google-Campus kann also nur temporĂ€rer Fokus und Anstoß sein. Wir können WidersprĂŒche dieser Gesellschaft aufzeigen und Konflikte vorantreiben in Richtung einer Revolte, eines Aufstandes, einer UmwĂ€lzung hin zu einer solidarischen Welt. Wir können zusammen kommen und uns kennen lernen, Widerstandspraktiken und Komplizenschaft statt EllbogenmentalitĂ€t ĂŒben. Beziehungen sind etwas das bleiben kann, sie können einen temporĂ€ren Konflikt ĂŒberdauern. Die Erfahrungen einer Praxis, die selbst die Herrschaft in Frage stellt, können im weiteren Handeln Möglichkeiten eröffnen und Selbstorganisation an sich ist Ziel und Weg einer Gesellschaft ohne Ausbeutung.

Wir können zeigen: so nicht! Das haben wir zu gewinnen, indem wir der Fremdbestimmung konkrete Selbstbestimmung entgegensetzen.

Aber wie?

Abschließend noch der Text â€žWie gegen den Google-Campus kĂ€mpfen?“ aus der Zeitung SHITSTORM, der VorschlĂ€ge fĂŒr ein Vorgehen gegen den Google-Campus aufzeigt. Diese Ideen können aber auch bei anderen Projekten inspirierend sein und AnknĂŒpfungspunkte fĂŒr eine möglichst große Selbstbestimmung in einem Kampf in einer fremdbestimmten Welt geben.

(aus: SHITSTORM – Anarchistische Zeitung – Berlin, Januar 2018 – #2)

Wie gegen den Google-Campus kÀmpfen? Ein Vorschlag

Auf die Frage, wie gegen den Google-Campus kÀmpfen, bzw. ihn zu verhindern, lÀsst sich unterschiedlich antworten. Die Antwort ist abhÀngig von der Perspektive des Kampfes selbst. Der folgende Vorschlag richtet sich nicht nur an Anarchist*innen, auch wenn er sich als ein anarchistischer versteht. Er kann von all jenen geteilt werden, die nicht nur den Google-Campus verhindern wollen, sondern gÀnzlich andere VerhÀltnisse suchen.

Der geplante Google-Campus in Berlin-Kreuzberg reiht sich in das Projekt der herrschenden Strukturen ein, die Macht von Staat und Kapital neu zu strukturieren (u.a. die Digitalisierung der Ökonomie und der Warenströme, Technologisierung der Kontrolle und Repression, Kommerzialisierung des Alltags, 
). In Berlin-Kreuzberg wird diese Restrukturierung vor allem durch neue Bauprojekte sichtbar. Sei es durch das Vorhaben eines Zalando-GebĂ€udes auf der ehemals besetzten und gerĂ€umten Cuvrybrache, der neuen Factory am Görli (der grĂ¶ĂŸte Start-Up-Komplex Europas), die weiterhin stattfindende VerĂ€nderung der Oranienstraße, in welcher die Eröffnung des Oranien-Luxushotels eine neue QualitĂ€t darstellt, oder eben des geplanten Google-Campus in der Ohlauer Straße. Mit anderen Worten: Es vollzieht sich eine graduelle VerĂ€nderung des Viertels, die sich in eine Verfeinerung der HerrschaftsverhĂ€ltnisse insgesamt einreiht.

Es geht darum, die BauplĂ€ne in Berlin oder anderswo nicht als isolierte Bauvorhaben zu betrachten, sondern als eine globale VerĂ€nderung der MachtverhĂ€ltnisse auf ökonomischer, politischer und sozialer Ebene. Wie diese Liste neuer Vorhaben von Staat und Kapital ĂŒber mehrere Seiten fortgefĂŒhrt werden könnte, so könnte man jedem neuen Bauvorhaben hinterherlaufen und „nur“ in einem Abwehrkampf verweilen. Die Entscheidung, sich ein Projekt der Herrschaft herauszunehmen, zu fokussieren, ĂŒber einen Abwehrkampf hinauszugehen, ein eigenes antagonistisches Projekt zu entwickeln, speist sich vor allem aus einer Intensivierung der QualitĂ€t eines Angriffs auf die Herrschaft – auf ihre Profiteur*innen, Verfechter*innen und Diener*innen. Diese Wahl reiht sich somit ein in einen Kampf gegen Herrschaft allgemein – ob in Kreuzberg, Berlin oder international.

Die Perspektive sollte nicht auf einen „Kiez-Kampf“ beschrĂ€nkt sein, sie sollte auf eine generalisierte Revolte gegen jegliche Herrschaft und AutoritĂ€t abzielen: auf die UmwĂ€lzung der gesellschaftlichen VerhĂ€ltnisse. Ausgehend von dieser Perspektive, sowie der Wahl des Angriffsziels, ergeben sich die folgenden vorgeschlagenen Methoden eines Vorgehens gegen den Google-Campus Berlin, fĂŒr eine Welt ohne Herrschaft, Ausbeutung und UnterdrĂŒckung.

/// Selbstorganisiert

Der Kampf gegen den Google-Campus sollte selbstorganisiert sein. Dies bedeutet, dass die Beteiligten in einem direkten VerhĂ€ltnis mit der Konfrontation stehen – ohne eine reprĂ€sentierende Gruppe oder Person, die fĂŒr sie redet oder handelt. Im Gegenteil: die beteiligten Personen organisieren sich und handeln nach ihren eigenen Ideen und KapazitĂ€ten, ohne Appell an Staat und Kapital oder deren ReprĂ€sentant*innen wie z.B. Politiker*innen. Dies geht vor allem darauf zurĂŒck, dass sich durch einen Appell an Politik und Verantwortliche die Handlung aus den eigenen HĂ€nden auf den politischen Tisch verschiebt. Dort ist die Diskussion ĂŒber die Verhinderung des Google-Campus lediglich denen ĂŒberlassen, die (wie im Senat zu hören war) ein Interesse am Google-Campus in Berlin haben oder sonstige Machtpolitische Interessen verfolgen.

So wie es keinen Dialog mit Parteien und Verantwortlichen geben sollte, gibt es keinen Dialog mit der Presse. Die Presse steht, unabhĂ€ngig ob sie positiv oder negativ schreibt, in der Logik des kapitalistischen Systems. Die Ereignisse und Informationen werden durch eine journalistische Verarbeitung vermarktbar gemacht. Es zĂ€hlt der spektakulĂ€re Charakter, der Verkaufswert der Information. Die Berichterstattung und Kommunikation untereinander im Kiez und darĂŒber hinaus, sollte durch eigene Projekte erfolgen, wie z.B. durch eigene Flyer, Zeitungen, Plakate, Diskussionsabende, spontane Demonstrationen, Begegnungen und direkte Aktionen. Wenn wir die Politik ablehnen fĂŒr uns zu reden, mĂŒssen wir auch die Presse ablehnen fĂŒr uns zu schreiben.

Zum Beispiel auch das Warten auf „die große Demonstration“ steht einer Selbstorganisation entgegen. Selbstorganisiert zu agieren bedeutet, aus der eigenen Initiative heraus zu denken und dann zu handeln anstatt zu warten, bis jemand anderes dies fĂŒr mich tut oder organisiert.

/// Sozial und Anti-Politisch

Das politische Vorgehen von Parteien oder Gruppen strebt unter anderem die Verwaltung des Protestes, sowie den Wachstum der eigenen (politischen) Macht an. Die QuantitĂ€t, bzw. die Masse, spielt eine zentrale Rolle im politischen KalkĂŒl – durch eine Masse kann politischer Druck ausgeĂŒbt und Interessen der jeweiligen Gruppe durchgesetzt werden. Kurz: Das Anwachsen und die QuantitĂ€t eines Protests, sowie deren Kontrolle steht im Mittelpunkt eines politischen Vorgehens. Um um jeden Preis eine Massenbewegung zu werden, stirbt der politische Kampf, wie auch viele Kampagnen – in der Akzeptanz des kleinst möglichen Nenners.

Der anarchistische Vorschlag eines anti-politischen Kampfes sucht viel eher nach einer QualitÀt. Dieses Vorgehen verlÀsst das politische Feld vollkommen. Es geht nicht darum, eine politische Macht aufzubauen, sondern darum, auf einer sozialen Basis zu intervenieren. Jedoch ohne sich dieser sozialen Basis unterzuordnen, um die individuelle Tat nicht zu vernachlÀssigen.Diese Selbstverwaltung verneint die Verwaltung eines limitierten Zieles, sie wird praktisch durch den Angriff auf die HerrschaftsverhÀltnisse, mit der Perspektive der gesellschaftlichen UmwÀlzung.

Der Ausgangspunkt dabei ist die soziale Spannung. Der Kampf gegen den Google-Campus sollte in einem Bezug zur sozialen Basis stehen, in der Kreuzberg oder ganz Berlin als eine Interventionsbasis verstanden wird und nicht als Intervention von isolierten Kleingruppen. Die soziale Basis kann beispielsweise durch Kontaktpunkte, Begegnungsorte, einzelne oder regelmĂ€ĂŸige Aktionen und Angriffe gefĂŒhlt werden. Auch um ein VerstĂ€ndnis des Kampfes gegen den Google-Campus und einer damit verbundenen Herrschaftskritik zu schaffen, sowie Diskussionen innerhalb eines Konfliktes zu ermöglichen und die Angriffe auf sozialer Ebene zu verbreiten. Dieses „gesellschaftliche“ VerstĂ€ndnis offenbart auch die Trennlinie zu den BefĂŒrworter*innen des Google-Campus sowie der Kontrolle durch Technologie.

/// UnabhÀngig und Selbstbestimmt

Die Aufrechterhaltung einer UnabhĂ€ngigkeit ermöglicht es, dass der Kampf nicht (so einfach) durch eine Gruppe vereinnahmt werden kann, wie er gleichzeitig MachtverhĂ€ltnisse durch ReprĂ€sentation zerschlĂ€gt. Eine AbhĂ€ngigkeit von beispielsweise Parteien und deren Stiftungen oder Medien weitet den Handlungsrahmen nicht etwa aus. Sie konzentriert ihn auf einen Bereich, der fĂŒr die (politische) Macht angenehm ist, da er kontrollierbar ist.

UnabhĂ€ngigkeit und Selbstbestimmung bedeutet nicht nur dem Staat gegenĂŒber autonom zu sein, sondern auch im individuellen Handeln selbst. Dies bedeutet, dass ein autonomer Kampf keine (festen) Spezialist*innen innerhalb der Beteiligten zulassen kann. Sicherlich gibt es Aktionsfelder, in der sich der Eine oder die Andere besser auskennt, oder es scheint gut, in gewissen Sachen eine Aktionsteilung zu machen. Jedoch darf dies nicht zu einer Schaffung von AbhĂ€ngigkeiten von Spezialist*innen in den „eigenen Reihen“ fĂŒhren. Der Vorschlag diesem zu entgehen, besteht in der Teilung und Verbreitung von Information und Wissen. Ob zum Google-Campus selbst oder ĂŒber unterschiedliche Aktionsfelder. Es geht darum, selbst Verantwortung zu ĂŒbernehmen und selbst zu handeln.

/// Informelle Organisierung

Auf der organsatorischen Ebene schlagen wir die InformalitĂ€t vor. Dies bedeutet, dass es keine formelle Gruppe gibt (kein Zentrum des Kampfes gegen den Google-Campus), keine „GruppenidentitĂ€t“ und kein Mitgliedsausweis. Stattdessen schließen sich die Beteiligten nach AffinitĂ€ten zusammen (auch wenn es nur fĂŒr eine Aktion ist). Die informelle Organisierung ermöglicht einen breiten und zugleich diversen Handlungsspielraum, sie ermöglicht allen zu handeln, ohne um Erlaubnis bei irgendeiner Gruppe fragen zu mĂŒssen. Die informellen Gruppen grĂŒnden auf AffinitĂ€t, also auf geteilten Ideen und einer Vertrauensbasis unter den Individuen. Die einzelnen AffinitĂ€tsgruppen können sich jedoch in der Praxis unterscheiden und stehen sich nicht unbedingt entgegen. Diese AffinitĂ€t, gemeinsame Ideen, WĂŒnsche und Vertrauen, können nur in der Begegnung gefunden werden. Dies fĂŒhrt wieder zum Punkt der sozialen Basis und der Schaffung von (kontinuierlichen) RĂ€umen und Situationen, die dies ermöglichen.

Die informelle Organisierung benötigt eine Koordination, damit die beteiligten Einzelpersonen und Gruppen nicht zwangslĂ€ufig isoliert sind. Diese Koordination braucht kein Zentrum, sondern funktioniert am besten durch diverse Projekte. Diese Zeitschrift kann dazu beitragen, genauso wie das Anti-Google-Cafe face2face, grĂ¶ĂŸere Diskussionsabende, regelmĂ€ĂŸige Aktionen, 
 Das Ziel der Koordination muss nicht zwangslĂ€ufig eine gemeinsame Aktion sein. Es geht um eine rĂ€umliche Sichtbarkeit eines Kampfes gegen den Google-Campus, sowohl fĂŒr Interessierte, als auch Beteiligte. In den letzten Monaten zeigte sich, dass das Vorgehen und die PlĂ€ne von Google und Staat am liebsten im Verborgenen gehalten wurden. Ein Austausch unter den Mitstreiter*innen ermöglicht es somit, Informationen ĂŒber den Google-Campus zu verbreiten.

/// Gegen-Information

Seit sich Widerstand gegen den Google-Campus regt wird klar, dass sich einerseits Google als soziale Organisation und „nichts-böse-wollendes“ Unternehmen verkauft, und andererseits viele Menschen nichts ĂŒber Google und dessen Machenschaften wissen. Ein Schwachpunkt Googles ist sicherlich das Image, das sie mit allen Mitteln, wie Charme-Offensiven im Kiez, verteidigen. Es geht nicht darum Google als „bösen Ami-Konzern“ darzustellen, sondern die Rolle von Google innerhalb der Entwicklung der Verfeinerung der Herrschaft durch Technologie zu erkennen. Und dass diese ebenso von Politik und Wirtschaft gefördert wird. Dies ermöglicht es, den Kampf gegen den Google-Campus mit anderen Konflikten zu verknĂŒpfen.

Die Gegen-Information, also die Verbreitung von Informationen ĂŒber Google und dessen Forschungsfelder ist ein wichtiger Punkt. Sie darf sich jedoch nicht lediglich auf einen kleinen Kreis Interessierter beschrĂ€nken, sondern sollte auf vielfĂ€ltigen Ebenen passieren. Denn wenn die Angriffe gegen den Google-Campus nicht verstanden werden, laufen sie Gefahr in einem „Klein-Krieg“ zwischen Google und seinen Feind*innen zu Enden, der die soziale Spannung vernebelt und die Möglichkeit einer sozialen Revolte negiert.

/// Direkter Angriff

Direkter Angriff bedeutet den Google-Campus und ihre Verantwortlichen ohne Umwege, zum Beispiel ĂŒber staatliche Institutionen, anzugreifen. Die Frage des legalen Rahmens stellt sich dabei nicht, da das Betteln um Erlaubnis (z.B. fĂŒr eine Demonstration) die staatlichen Strukturen akzeptiert, anstatt sie als ein Teil der Verantwortlichkeit fĂŒr das Bestehende erkennt. Somit kann die Wahl der Mittel nicht abhĂ€ngig vom staatlich gesetzten Rahmen sein. Der Google-Campus Berlin lĂ€sst sich nur verhindern, wenn es auf breiter Ebene Angriffe gegen dieses Vorhaben gibt. Es geht nicht um eine Hierarchisierung von Mitteln: ein GesprĂ€ch mit der Nachbarin ist nicht „weniger Wert“ als ein Flyer oder eine direkte Attacke. Entscheidend sind Eigeninitiative, Entschlossenheit, KontinuitĂ€t, eigene KreativitĂ€t, und eben eine Vielfalt von Angriffen (die sich nicht nur auf das GebĂ€ude in der Ohlauer Straße beziehen, sondern auf alle Verantwortlichkeiten fĂŒr den Google-Campus Berlin). Der direkte Angriff sucht nicht nach einer Versöhnung mit der Herrschaft, sondern zielt auf die Zuspitzung der sozialen Spannungen ab, die in Kreuzberg deutlich ist.Google versucht in einem Viertel Fuß zu fassen, das rasant zur VerĂ€nderung gedrĂ€ngt wird. Zum Nachteil von Ă€rmeren Menschen und „Ausgeschlossenen“. Im Kampf gegen den Google-Campus konzentrieren sich unterschiedliche Motive fĂŒr die Verhinderung: von VerdrĂ€ngung aus dem Kiez, ĂŒber Datenmissbrauch von Google, bis zu Herrschafts- und Technologiekritik. Eine „VerknĂŒpfung“ dieser Motive kann durch eine geteilte Zuspitzung eines sozialen Konfliktes möglich sein: der Verweigerung, den Konflikt politisch zu lösen, dem Widersetzen gegen jeglichen Versuch den Widerstand zu kontrollieren und dem Entgegenstehen einer Befriedung des Konfliktes.

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Quelle: Schwarzerpfeil.de