April 2, 2021
Von FAU Duesseldorf
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Vorwort:

Das Königreich1 hat mehrere Provinzen2, einen Reichsverweser3 und einen König4 mit eigener Burg in Köln5. Seine Untertan:innen unterteilen sich grob in zwei Gruppen: Einerseits die Provinzverweser6 und der niedere Adel und andererseits das gemeine Volk.7

Nachdem das Land durch eine schweren Fluch getroffen war8, wurde das gemeine Volk besonders hart getroffen. Und so begab es sich, das sich in einer Provinz eine Schaar auf den Weg machte, zum Ritter:innen Orden der schwarzroten Katze9 um diese um Unterstützung an zu fragen.

Hintergrund:

Schon im Dezember 2020 wandten sich die studentischen Beschäftigten der Münchner Filialen der Buchhandelskette Walther König mit einer zentralen Frage an die FAU.

„Ist es legal, das wir während des Lockdowns Minusstunden anhäufen, die wir anschliessend alle abarbeiten müssen?“

Das es sich bei den studentischen Beschäftigten allesamt um sogenannte „Werkstudenten“ handelt, werden für diese keine Beiträge in die Arbeitslosenversicherung abgeführt10. Praktisch bedeutet dies, dass die studentischen Beschäftigten nicht zur Kurzarbeit angemeldet werden konnten. Eigentlich hätte nun die Firma Walther König die Löhne in voller Höhe weiter zahlen müssen. Dies ist auch geschehen – allerdings mit der Einschränkung, das die Kolleg:innen in der Zeit der Filialschließungen Minusstunden aufbauen würden, die diese dann später abarbeiten müssten. Dies ist natürlich der plumpe Versuch einerseits auf die Unwissenheit der Beschäftigten und anderseits auf ihre Untätigkeit zu setzten. In Wahrheit handelt es sich hierbei nämlich um den sogenannten „Annahmeverzug“.

Was bedeutet das?
Annahmeverzug entsteht immer dann, wenn Arbeiter:innen ihre Arbeitskraft wie im Vertrag ausgemacht anbieten, der Boss, diese aber nicht annimmt. Dabei spielt es keine Rolle, ob die Bosse von sich aus entscheiden die Leute nicht arbeiten zu lassen, oder ob im Rahmen einer Pandemie bestimmte Tätigkeiten schlicht untersagt sind. Letzteres fällt unter das sogenannte „Betriebsrisiko“ – und das liegt nun mal beim Boss!

Der Konflikt:
Aber, nicht genug damit das König ganz offensichtlich sein Betriebsrisiko auf die studentischen Arbeiter:innen abwälzen will. Die FAU München fand im Gespräch mit den Kolleg:innen sehr schnell heraus das es weiter Missstände gab. Augenscheinlich wurde den Kolleg:innen die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall ebenso vorenthalten, wie der bezahlte Urlaub. In beiden Fällen haben sie „Minusstunden“ geschoben, die sie später abarbeiten sollten. Günstigstenfalls wurde ihnen zugestanden im Falle von Krankheit oder Urlaub ihre Schichten untereinander zu tauschen. Und das alles bei einem Lohn, der mit 9,85 € nur 50 bzw 30 Cent über dem gesetzlichen Mindestlohn11 liegt, und Arbeitsverträgen, die in der Regel auf ein Jahr befristet sind – was „kalte Entlassungen“12 sehr einfach erscheinen lässt.

Es lebe die Republik!

Als gute „Republikaner:innen“13 entschlossen sich die Kolleg:innen, sich in der FAU zu organisieren und dem König und seinem Reichsverweser eine Liste mit Forderungen14 zukommen zu lassen:

  • Nachzahlung der Löhne die wegen Krankheit nicht ausgezahlt wurden
  • Nachzahlung der Löhne die wegen Urlaub nicht ausgezahlt wurden
  • Nachzahlung der Löhne die wegen des Lockdowns nicht gezahlt wurden bzw. Streichung der illigitimen Minusstunden
  • Lohnerhöhung auf mindestens 11 € / Stunde
  • Einführung von Feiertags-, Nacht-, und Wochenendzuschlägen
  • Verlängerung sämtlicher befristeter Arbeitsverträge

Und im Dorf an der Düssel?

Hier unterhält der König gleich drei Filialen:
Nämlich in der Kunsthalle und der Kunstsammlung NRW (K20), beide am Grabbeplatz sowie im K21 Ständehaus auf der Ständehausstraße 1. Nachdem die FAU bundesweit Kontakte zu ehemaligen und aktuell beim König Beschäftigten geknüpft hat, gehen wir davon aus, das die Situation an allen Standort sehr ähnlich ist. Wenn dem so ist, dann werden auch hier die Werkstudent:innen in schöner Regelmäßigkeit um ihre verbrieften Arbeitsrechte gebracht. Rechte – die einzig und allein Mindeststandards setzen. Schlimmer noch als das, wiegt aber sicher die Tatsache das sie mit solchen Taktiken ganz Konkret sowohl um ihren kargen Lohn als auch um ihre Lebenszeit gebracht werden.

Zu dem Zeitpunkt, da wir diesen Artikel schreiben, dürfen wir noch nichts über unsere lokalen Bemühungen verraten. Wir holen dies schnellstmöglich nach. Bis dahin verweisen wir auf die Homepage der FAU München (fau-m.de) und darauf das die FAU Düsseldorf tatkräftig die Werkstudent:innen, die sich unter dem Hashtag #NotMyKönig zusammengeschlossen haben in ihrem Kampf für ihre Arbeitsrechte und ihre Würde unterstütz. Gleichzeitig sind wir in engem Kontakt mit den Syndikaten in NRW, um alle Arbeiter:innen, die sich gegen das System „König“ zur wehr setzen wollen schnell und effektiv unterstützen zu können – Mit allen Mitteln die nötig sein werden um diesen Kampf zu gewinnen.

Übrigens:

Ihr könnt auch aktiv werden!

Die Kolleg:innen bei Walther König München haben eine Protestmail
ausformuliert, die ihr untenstehend findet. Wir möchten
euch bitten, diesen Brief (auch gerne umformulierte oder eigene Briefe)
an folgende Adressen zu schicken, um den Druck auf die „Königliche Familie und ihren Reichsverweser“ weiter zu erhöhen:

order@buchhandlung-walther-koenig.de
verlag@buchhandlung-walther-koenig.de

Oder per Brief:

Buchhandlung Walther König
Geschäftsführung Udo Milz und Franz König
Ehrenstraße 4
50672 Köln

Sehr geehrter Herr König,

aufmerksam verfolge ich die Enthüllungen über die arbeitsrechtlichen
Missstände in Ihren Filialen und bin, offen gestanden, schockiert von
Ihren „Geschäftspraktiken“. Dass Sie Ihr Geschäft, vor allem mitten in
einer Pandemie, auf Kosten studentischer Beschäftigter betreiben, ist
komplett inakzeptabel. Offenbar bestehen diese Missstände aber auch
schon seit Längerem in Ihrem Betrieb. Ich habe Ihre Buchhandlung
eigentlich immer gerne besucht, ein Laden von dem ich meinen würde, dass
Bildung und Kultur einen gewissen Stellenwert genießt. Aber ein solcher
Umgang mit seinen Angestellten lässt großen Zweifel daran. Seinen
Mitarbeitenden ihren Lohn vorzuenthalten und sie daraufhin unter
zweifelhaften Umständen zu entlassen, stößt bei mir auf großes
Unverständnis.

Ich, für meinen Teil, werde mir überlegen, Ihre Buchläden von nun an zu
meiden und mein Möglichstes tun, auch Anderen dazu zu raten. Zumindest
bis sich irgendeine Art Verbesserung in Ihrem Betrieb abzeichnet und Sie
bereit sind, mit der Gewerkschaft in Verhandlungen zu treten.

Mit freundlichen Grüßen

Rudolf Mühland (FAU Düsseldorf)




Quelle: Duesseldorf.fau.org