November 17, 2021
Von FAU Flensburg
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Leipzig: Pizzafahrer wehren sich gegen GeschĂ€ftsleitung von Domino’s. Druck auf Mitglieder gewerkschaftlicher Betriebsgruppe

Direkt gegenĂŒber der Leipziger DGB-Zentrale toben gewerkschaftliche KĂ€mpfe in einer Filiale des grĂ¶ĂŸten Pizzaunternehmens der Welt. Die Basisgewerkschaft Freie Arbeiterinnen- und Arbeiter-Union (FAU) hat hier ĂŒber Monate die Betriebsgruppe »Dominoeffekt« aufgebaut. Die Mitglieder organisieren sich erfolgreich gegen schlechte Arbeitsbedingungen in der Lieferbranche. Nach zĂ€hen Auseinandersetzungen mit dem Management konnten sie zum Beispiel fĂŒr alle BeschĂ€ftigten den Anspruch auf bezahlten Urlaub durchsetzen. »Deswegen sind wir der GeschĂ€ftsleitung auch ein sehr großer Dorn im Auge, und diesen wĂŒrde sie gerne loswerden«, so der Fahrer Aaron Schmidt (Name geĂ€ndert) am Montag im jW-GesprĂ€ch.

Zusammen mit seinen Kollegen wirft er den GeschĂ€ftsfĂŒhrern der Effekt GmbH, der lokalen Franchisenehmerin von Domino’s, systematische VerstĂ¶ĂŸe gegen das Arbeitsrecht vor: »Dieses Unternehmen unterschreitet bewusst gesetzliche Mindeststandards und beschneidet die Rechte der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer«, kritisierte Schmidt. »Minijobbenden wird dort beispielsweise die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall verwehrt, obwohl sie darauf einen Anspruch haben.«

Die Chefs, Peter Plaschke und Josephine Willing, wĂŒrden die BeschĂ€ftigten bewusst und vorsĂ€tzlich einschĂŒchtern, sollten die auf ihren Urlaubsanspruch und die Mindestarbeitszeit bestehen, so der Teilzeit-Rider Frank Lehmann (Name ebenfalls geĂ€ndert). Er wurde Anfang Oktober selbst unter dem Deckmantel einer Abmahnung von der Filiale Leipzig SĂŒd in eine andere versetzt. BegrĂŒndung der Chefin: Er bringe durch seine vermutete gewerkschaftliche AktivitĂ€t Unruhe in den Laden.

Auch Schmidt wurde im Juli wegen der Forderung nach Coronaschnelltests aus dieser Filiale mit renitenten BeschÀftigten an eine ArbeitsstÀtte an den Stadtrand versetzt. Dort sperrte die Storemanagerin ihm anfangs gleich den Zugang zum Arbeitschat, um ihn von den anderen Mitarbeitern zu isolieren. Bei einem Feierabendbier mit seinen neuen Kollegen gelang es ihm aber, die KÀmpfe der Betriebsgruppe vorzustellen. Davon hatte Willing erfahren und reagierte umgehend mit einer Reduzierung seiner Arbeitszeit und damit seines Lebensunterhalts.

Die GeschĂ€ftsfĂŒhrerin des grĂ¶ĂŸten Franchiseablegers von Domino’s Deutschland und Herrin ĂŒber mehr als dreihundert BeschĂ€ftigte begrĂŒndete ihre gewerkschaftsfeindliche Entscheidung ganz freimĂŒtig per E-Mail. In dieser heißt es: »Aufgrund deiner Gedanken, dass wir dich einschĂŒchtern oder ausbeuten wĂŒrden, werden wir deine Stunden reduzieren. Wir wollen nicht, dass Mitarbeiter mit solchen GefĂŒhlen durch die Gegend rennen und andere Leute aufhetzen. Wir werden dich befreien und deine Stunden StĂŒck fĂŒr StĂŒck reduzieren. Wir sind nicht verpflichtet, deine Stunden zu halten. Du bist Minijobber.« Diese unrechtmĂ€ĂŸige Stundenreduktion wurde erst nach einem Widerspruch des organisierten Gewerkschafters wieder zurĂŒckgenommen.

Die FAU-Betriebsgruppe unterstĂŒtzt die Kollegen bei diesen individuellen Auseinandersetzungen mit der GeschĂ€ftsfĂŒhrung und macht auf die vielen Probleme in den neun Domino’s-Stores in Leipzig aufmerksam. So konnte sie beispielsweise durchsetzen, dass die Arbeitskleidung der Pizzaboten regelmĂ€ĂŸig gereinigt wird. Allerdings »werden die besonders dicken Roller- und Fahrradjacken bis jetzt nicht gewaschen, und so riechen die auch«, betonte der professionelle Rollerfahrer Schmidt. Die Bosse der Effekt GmbH verweigerten nach einer jW-Anfrage die Stellungnahme zu den VorwĂŒrfen ihrer Fahrer.

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Quelle: Fau-fl.org