Februar 18, 2021
Von Indymedia
129 ansichten


Unser Antifaschismus ist international!

AfD, rechte Netzwerke und faschistische Schläferzellen sind uns allen bekannt. Die AfD ist mittlerweile in allen Landtagen vertreten, die Netzwerke um Stepahn Ernst wurden nicht weiter untersucht und die NSU-Akten bleiben unter Verschluss. Auch rechte Netzwerke in Bundeswehr, Polizei und Geheimdiensten werden nur dann mit Repression konfrontiert, wenn ihr Treiben durch journalistische Arbeit an die Öffentlichkeit gezerrt wird.
Rassistische Mordanschläge, wie der in Hanau, der sich morgen jährt, sollten in einem Staat wie Deutschland eigentlich niemanden mehr verwundern, der rechte Netzwerke und Ideologien über Jahrzehnte relativiert, klein redet und fördert. Nur wenn es mal zu offensichtlich wird, wird dazu Stellung genommen, ein paar Krokodilstränen vergossen und dann mit der mörderischen Machtpolitik weitergemacht die abertausenden von Menschen das Leben kostet!
Alles was ein Staat eben tun muss um sein wahres Gesicht zu verstecken. Die Regierung lässt Menschen im Mittelmeer ertrinken, stopft Großunternehmen mit Fördergeldern voll damit sie die Corona-Pandemie überleben und schickt Waffen und Panzer in alle Welt. Gesetze aus der Nazizeit sind immer noch gültig. Abgeschlossen, bzw. wirklich begonnen hat die Entnazifizierung und Entfaschisierung nie!
So trifft sich Bundesverteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) mit dem türkischen Verteidigungsminister Hulusi Akar zu einem „Arbeitsgespräch“. Die Deutsch-türkische Zusammenarbeit, die seit dem Osmanischen Reich, der Zusammenarbeit mit Atatürk und der Unterstützung der Militärputsche und der faschistischen Grauen Wölfe im 20. Jahrhundert und der Unterstützung des AKP/MHP Regimes Kontinuität hat wird damit weitergeführt.
Die BRD macht ihrer faschistischen Geschichte damit alle Ehre.

Faschistische Ideologien, Nationalismus und Rassismus sind ein Mittel zur Spaltung, sie können als Mittel zum Zweck angesehen werden, um die Macht des Staates und die Verwertungsideologie des Kapitalismus aufrecht zu erhalten.
Dass gerade in Zeiten, in denen der Status-Quo weltweit in Frage gestellt wird, Alternativen diskutiert und geschaffen werden, rassistische, nationalistische und faschistische Ideologien und Erklärungsmuster weltweit an Macht und Einfluss gewonnen haben ist kein Zufall. Es ist die Reaktion der Machtmonopole von Staat, Kapital und Patriarchat auf den Widerstand der emanzipatorischen Kräfte, um ihre Macht zu sichern.
Der Faschismus agiert dabei, genau wie die Strukturen des Kapitals international. Die Zusammenarbeit Hitlers mit Petain, Franco, Mussolini, Atatürk und anderen autoritären und verbrecherischen Machthabern ist dafür ein Beispiel, was uns der Blick in die Geschichte zeigt.
Die Eingliederung von Alt-Nazis in die Verwaltung, Geheimdienste und das Militär der Bundesrepublik durch die Vereinigten Staaten von Amerika zeigt, dass der Kapitalismus und der liberale Staat sich niemals davor gescheut haben mit Faschisten zu kooperieren.
Ganz Im Gegenteil:
Die Angst vor den sozialistischen Versuchen nach dem zweiten Weltkrieg sorgten dafür, dass die Verbündeten auf der Seite der Anhänger des Faschismus gesucht wurden.
Der Antikommunismus in der Zeit des „kalten Krieges“ sorgte für Verfolgung von Hunderttausenden, Berufsverbote für die Mitglieder der KPD, Verfolgung linker Kräfte in den Zeiten der bewaffneten Stadtguerilla, Überwachung und Antipropaganda gegen alle, die die herrschende Ordnung in Frage stellen und stellten.
Die Zusammenarbeit der NATO-Staaten mit faschistischen Regierungen und Bewegungen, wie bei den Militärputschen in Chile, Griechenland und der Türkei und vielen anderen machen deutlich, der (Neo)Liberalismus geht über Leichen und die Freiheit die er uns anzubieten hat ist nichts als eine Lüge!

Die Folgen sind profitbringend und blutig zugleich: Im Jemen sterben Menschen durch Bomben, die Rheinmetall in Italien produziert hat. Die Türkei führt mit Leopard-2-Panzern im nordsyrischen Afrin völkerrechtswidrigen Krieg. Die türkische NATO-Armee zerschlägt gesellschaftliche Strukturen, die sich in den letzten Jahren in den Bereichen Frauenbefreiung, Basisdemokratie & Ökologie richtungweisend organisiert hatten. Ob Mexiko, Kolumbien, Kurdistan oder Jemen, überall töten deutsche Waffen.
Die BRD hat Blut an den Händen! Waffenexporte in fast jeden Krieg dieser Welt, Ermordung von Flüchtenden an den EU-Außengrenzen, Umweltzerstörung durch deutsche Unternehmen, durch deutsche Banken und den deutschen Staat Investitionen in Verbrecherregime weltweit, doch sich selbst als „Frei, Demokratisch und die Menschenrechte achtend“ darstellend.
Die Verlogenheit des bürgerlichen Staates im Allgemeinen und des Deutschen im Speziellen, muss die Verachtung und die Wut eines kämpfenden Menschen mit Gefühl und Empathie ins Unermessliche steigen lassen!
Nur weil die Bundeswehr nicht immer selber schießt, ist Deutschland noch lange nicht unschuldig. Gerade in Ländern wie Mexiko oder Kurdistan werden diese Waffen eingesetzt um revolutionäre Kämpfe zu brechen. In Mexiko greift die Regierung die selbst verwalteten Städte und Regionen der Zapatistas an, in Kurdistan versucht sich die Türkei an dem Autonomiegebiet Rojava und den befreiten Gebieten der kurdischen Freiheitsbewegung.
Auch hier ist wieder nicht verwunderlich ,dass sich hochkapitalistische Staaten, oder auch die die es noch werden wollen, zusammenschließen um linke, emanzipatorische Kräfte zu bekämpfen die für eine bessere und freie Zukunft einstehen.
So wie in Deutschland Hausprojekte wie die Liebig 34 geräumt werden oder ganze Wälder für Autobahnen gerodet werden und der Widerstand mit massiver Polizeigewalt bekämpft wird, schießen in Rojava deutsche Waffen auf Zivilist*innen.
Ganz nach dem Motto, „die ganze Welt den Reichen und Schönen, Krieg den Hütten, Friede den Palästen“. Und eben genau weil die Bekämpfung revolutionärer Bewegungen international abläuft, muss auch der Widerstand dagegen international sein.
Wir wollen eine andere Welt. Eine Zukunft fern von Unterdrückung, Patriarchat, Ausbeutung, Vereinzelung, Staaten, Faschismus und Kapitalismus. Da reichen einzelne Aktionen nicht aus und dürfen nicht der einzige Ausdruck unseres politischen Daseins sein.
Und weil sich auch hier der Feind global organisiert hat gibt es keine Alternative zu einem international geführten Kampf um Befreiung und Gleichberechtigung. Um das zu erreichen müssen wir uns solidarisch mit den Kämpfen auf der ganzen Welt zeigen, die dieses Ziel verfolgen, nämlich eine Überwindung der Verhältnisse die uns unterdrücken, ausbeuten, töten. Die Millionen Streikenden in Indien, die feministischen Aufstände in Polen, der Blacklivesmatter-Bewegung, den Zapatistas in Mexiko, den Waldbesetzungen in Europa oder den Kämpfer*Innen in den freien Bergen Kurdistans, sie alle kämpfen für eine bessere Zukunft.
Dass es möglich ist, zeigt u.a. die 2012 begonnene Revolution in Rojava. Dort steht das ganze Zusammenleben der Menschen unter Selbstverwaltung. Ob Gemüseanbau, Wasserleitungen, Strom oder politische Entscheidungen, alles wird von den Menschen selbst aufgebaut und am Laufen gehalten. Hier ist kein Staat mehr nötig.
Was auch hier in Deutschland in Hausprojekten oder Waldbesetzungen im Kleinen teilweise schon funktioniert und gelebt wird, ist dort für tausende Menschen Realität. Dadurch ist Rojava eine weltweite Inspirationsquelle für diejenigen, die von einer anderen Welt träumen. Wie viel wir alle voneinander lernen können, wenn wir es schaffen uns aus unseren eigenen vier Wänden herauszuwagen und die Welt nicht als einen hoffnungslosen Ort betrachten sondern die Schönheit, die tief in uns allen schlummert und an Orten wie Rojava oder Chiapas, Mexiko Gestalt annimmt, zu erkennen und für sie zu kämpfen.
Denn wir spüren die innere Zerrissenheit und die Widersprüche zwischen dem Leben was wir hier führen und dem was unser Herz eigentlich möchte. Zwischen dem, was uns eine leistungsorientierte, durch und durch kapitalistisch-patriarchale Gesellschaft erzählt, was wir wollen und sein sollten und dem eingeborenen Bedürfnisse nach Gemeinschaft und der Überwindung von Isolierung.
Warum sonst brauchen wir Freund*innen, Genoss*innen und Gruppen mit denen wir zusammen arbeiten können? Dieser Wunsch steht im Widerspruch zum Kapitalismus der seine Macht durch Vereinzelung und den Individualismus aufrecht erhält. Die Erfüllung dieses Bedürfnisses nach Zusammenhalt suchten und suchen Menschen auch in Nationalstaaten, Klassen, Idolen, Religionen usw. Aber das alles ist verbunden mit Unterdrückung, Ausbeutung und Unterordnung.

Es liegt an uns, eine Gesellschaft aufzubauen die das Bedürfnis nach Gemeinschaftlichkeit erfüllt, dafür aber keine Staaten oder Unterdrückung und Ungerechtigkeit benötigt. Wir machen unsere Politik nicht für uns, nicht um kein schlechtes Gewissen zu haben, nichts zu tun, oder damit wir uns besser fühlen.
Dabei ist es wichtig nicht zu vergessen, dass wir nicht die einzigen sind, die sich diesem versuch annehmen, das wir Hunderte, Tausende, Millionen weltweit sind, die sich dafür einsetzten, kämpfen.
Internationalistische antifaschistische Kämpfe, wie die internationalistischen Brigaden gegen den Franco-Faschismus, mit denen Zehntausende aus ganz Europa nach Spanien gingen um sich dem Faschismus entgegen zu stellen. Ebenso kämpften die sozialistischen Widerstandkämpfer*Innen gegen den Hitler Faschismus in Deutschland und in ganz Europa, was durch die Geschichtsschreibung des Antikommunismus der Nachkriegszeit verschwiegen wurden.
Die Kämpfer*Innen in den antikolonialen Kämpfen der 60er und 70er weltweit, wie zum Beispiel der Befreiungskampf Algeriens und die internationalen Proteste die den Widerstand der Menschen Vietnams gegen die US-Inavasion unterstützt haben oder Che Guevara, der in unzähligen revolutionären Bewegungen weltweit gekämpft hat.
Sie alle sind Teil unserer antifaschistischen Geschichte, Gegenwart und Zukunft.

Die Internationalist*Innen, die aus aller Welt gekommen sind und in den Bergen Kurdistans und in Rojava gekämpft haben, sollten uns zeigen, dass wir Verantwortung übernehmen können und indem wir hier und überall weitermachen ihre Kämpfe, ihre Hoffnung und ihre Träume weiterzuführen und nicht in Vergessenheit geraten lassen. Sarah Handelmann, Ivana Hoffmann, Michael Panser, Haukur Hilmarson und viele Andere, die im Kampf gefallen sind, haben für die gleichen Hoffnungen und Träume gekämpft, die auch uns als widerständige Menschen in Europa antreiben.
Begreifen wir unseren Antifaschismus also als das Weiterführen ihres Kampfes.
Denn nur so können wir unser Ziel einer befreiten Gesellschaft erreichen, indem wir uns nicht als einzelne, Widerstand leistende, Personen wahrnehmen, sondern uns um schauen und unsere Verbündeten weltweit die Hand zu reichen.
Denn wir sind nicht die ersten die begreifen, das etwas falsch läuft und dagegen etwas tun wollen und wir werden auch nicht die letzten sein. Wir sind die Produkte der kämpfenden Menschen vor uns und ebnen den Weg für die kämpfenden Menschen nach uns.

Deshalb lasst uns zusammenschließen, als eine Kraft verstehen und die Offensive beginnen.
Schaffen wir Öffentlichkeit für die mörderische und imperialistische Politik der Bundesregierung. Markieren wir die Verantwortlichen und lassen wir sie dafür zahlen.
Werden wir dezentral und kreativ gegen Kriege und dessen Profiteure mit allen uns zur Verfügung stehenden Mitteln aktiv.
Spüren wir das Feuer in unseren Herzen, das sich nach Freiheit sehnt und
tragen wir es nach außen, bevor es zu spät ist!
Solidarität heißt Widerstand.
Denn, dass es notwendig ist sich diesen zerstörerischen Verhältnissen in den Weg zu stellen und jetzt eine neue Art des Miteinanders aufzubauen muss nicht noch mal gesagt werden.
Wir wissen, dass dem Kapitalismus nichts abzugewinnen ist, denn dieser stellt Profite vor Menschenleben. Das System hat Blut an den Händen. Die Tatsache, dass der deutsche Staat damit bis jetzt oft durchkommt müssen wir ändern!
Der Aufschrei und vor allem der Widerstand der linken Kräften hier, wenn unsere Verbündeten auf der anderen Seite des Globus oder in einer anderen Stadt angegriffen werden müsste viel größer sein, da wir eine Verantwortung tragen. Die Verantwortung, unsere Träume Wirklichkeit werden zu lassen und sie zu verteidigen.
Und das ist eine der schönsten und zugleich schwersten Aufgaben der wir uns angenommen haben, aber: Was sollen wir sonst tun?
Unsere politischen Traditionen, Schwerpunkte und Praktiken mögen verschieden sein, aber was uns vereint ist der Hass auf die herrschenden Verhältnisse und der tiefe Wunsch diese zu ändern. Ob wir Teil antirassistischer Proteste sind, uns gegen die rassistische Politik an den EU-Außengrenzen oder in den EU-Staaten stellen. Ob in Europa Wälder und Häuser besetzt werden, Scheiben zu Bruch gehen, sich um Genoss*innen gekümmert wird, in Indien die Streikenden unterstützt werden oder sich bewaffneten Kämpfen weltweit angeschlossen wird, es zählt der Widerstand.

Wichtig ist, dass wir nicht vergessen warum wir das alles tun, das es unterschiedliche Methoden und Aufgaben zur Erreichung dieses Ziels gibt und das Ziel immer eine Welt ohne Ausbeutung, Staat, Unterdrückung und Faschismus sein wird. Solange das der Fall ist, können wir mit Gewissheit jeden Tag voranschreiten und weiter kämpfen, denn unsere Träume und unsere Hoffnung werden uns nicht verlassen und den Weg zeigen.

”Komme was auch immer kommen wolle, das Ende wird wunderbar.”
– Şehid Xemgin Roj, Kämpfer der Zivilen Verteidigungseinheiten, kämpfte bei der Verteidigung Sur 2015/2016 mit größter Entschlossenheit gegen die faschistischen Besatzer.

Antifaschismus bedeutet aufzustehen gegen Unterdrückung, Umweltzerstörung, Ausbeutung, Krieg, Rassismus, Sexismus. Und das auf der ganzen Welt, denn Solidarität hört nicht mit Grenzen auf, also lasst uns unseren Kampf in einen internationalen Widerstand gegen Kapitalismus, Faschismus und Patriarchat einordnen und gegen die weltweit wütenden Verhältnisse vorgehen!




Quelle: De.indymedia.org