Februar 20, 2021
Von Kiez Kommune
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Eine Woche ist es nun her, dass uns Unmengen an Kleidungs-, Hygiene- und Essensspenden aus ganz Berlin erreicht haben. Bei -10 Grad und Schneefall wurden im Kiezladen Kommune65 unzĂ€hlige Jacken, MĂŒtzen, Handschuhe, dicke Socken, Schuhe, Pullover, Thermoskannen und viele weitere Sachspenden abgegeben, sodass wir selbst gerĂŒhrt und auch etwas ĂŒberwĂ€ltigt von der SolidaritĂ€t so vieler Menschen waren.

Unsere Sammelkation hat dabei zwei Sachen deutlich gemacht: Erstens, dass es ausreichend Sachen fĂŒr alle gibt, aber die Verteilung hinten und vorne nicht stimmt! Vor allem wĂ€hrend der Pandemie funktioniert die Organisation von Wohlfahrt und sozialer Arbeit noch weniger als vorher. Die Sachen kommen nicht bei den Menschen an, die sie dringend benötigen.
Und zweitens haben uns gesammelte Spenden aus anderen Bezirken und StĂ€dten erreicht, was zum einen ein schönes Zeichen ist, aber zum anderen auch deutlich macht, wie sehr der Gedanke von staatlichem Zentralismus, BĂŒrokratismus und von PassiviĂ€t auch bei linken Menschen verankert ist.
Im Nachhinein stellen wir fest, dass wir an dieser Stelle lieber zu dezentralen Sammel- und Verteilaktionen hÀtten aufrufen sollen. So hÀtten sich auch viele hilfsbereite Nachbar:innen besser einbringen können.

Dank gilt trotzdem allen Beteiligten, die unserem Aufruf gefolgt sind! In der letzten Woche haben wir viel Arbeit investiert, die Spenden an die Menschen, die sie in diesen kalten Tagen benötigt haben, zu verteilen. DafĂŒr sind vollgepackte Taschen zu Anlaufstellen fĂŒr BedĂŒrftige, wie dem Fixpunkt e.V., den Kiezboxen der Kiezkommune Neukölln, Jenny de la Torre-Stiftung, Unter Druck e.V. und vielen weiteren geliefert worden.

Auch UnterstĂŒtzer:innen der Menschen aus dem gerĂ€umten, bis dahin selbstverwalteten Obdachlosencamp in der Rummelsburger Bucht, haben uns um Spenden gebeten. Die dort lebenden Menschen wurden vor knapp zwei Wochen in einer Hauruck-Aktion und aus niedertrĂ€chtigen GrĂŒnden eines dort geplanten Millionenprojektes des Lichtenberger Bezirksamtes aus ihren selbsterrichteten Behausungen vertrieben. Diese Menschen wurden so ihrer Habseligkeiten und sicherem Unterschlupf beraubt. Einige von ihnen wurden in Hostels untergebracht, wohlwissend, dass sie ab Mai wieder auf der Straße landen werden.
Die FĂŒrsorge, die sich die Stadt auf die Fahne schreibt, gleicht einer einzigen EntmĂŒndigung der Betroffenen und verfehlt den Weg in ein selbstbestimmtes Leben.

Diese RĂ€umung ist nur die Spitze des Eisberges, wenn es um die Missachtung der BedĂŒrfnisse obdach- und wohnungsloser Meschen in Berlin geht. Denn auch wenn unsere Aktion wenigstens einigen Menschen eine weitere Schicht an Kleidung oder eine zweite Decke zum Schlafen ermöglicht hat, mussten wir sie doch bei -15 Grad auf der Straße zurĂŒck lassen. Wir ĂŒbernehmen die symptomatische Arbeit, die das kapitalistische System verursacht und nicht selbst bewĂ€ltigen kann. Wir fordern deshalb die dauerhafte RĂŒckumwandlung von Ferienwohnungen und Hotels in menschenwĂŒrdigen und bezahlbaren Wohnraum und – ganz nach dem Prinzip Housing-First – dass obdachlosen Menschen eine eigene Wohnung zur VerfĂŒgung gestellt wird.

Ein erster Schritt in diese Richtung ist die UnterstĂŒtzung der Kampagne „Deutsche Wohnen und Co Enteignen“. Werdet Teil unseres Kiezteams (kiezteam_wedding@dwenteignen.de) und unterstĂŒtzt den Volksentscheid fĂŒr die Vergesellschaftung der Wohnungen von privaten Wohnungsgesellschaften.

Denn nur durch ein solidarisches Miteinander im Kiez können wir uns fĂŒr Wohnraum fĂŒr Menschen einsetzen, die diesen unsĂ€glichen Risiken ausgesetzt sind.

Kommission fĂŒr Wohnen der Kiezkommune Wedding




Quelle: Kiezkommune.noblogs.org