Juni 21, 2021
Von La Presse
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English below – Bereits im vergangenen Jahr berichteten wir über die Situation von Geflüchteten in der Erstaufnahmeeinrichtung in Dölzig bei Leipzig. Das von den Maltesern betriebene Camp bei Leipzig steht aufgrund seiner Lage im Gewerbegebiet und der schlechten Verkehrsanbindung besonders in der Kritik. Im Frühling 2020 gab es dort Proteste von Geflüchteten aufgrund der schlechten Unterbringungssituation und Gesundheitsgefährdung durch Corona. Einer Person gelang es durch eine Gerichtsentscheidung die Verlegung aus dem Camp zu erwirken. Der politische Druck führte zudem dazu, dass viele Bewohner*innen in kleinere Unterkünfte verlegt wurden. Nun gibt es erneut Probleme. 

Karim H. lebt seit mehreren Monaten in der Aufnahmeeinrichtung in Dölzig. Er leidet unter Asthma, einer schweren Atemwegserkrankung, die am 10.6.2021 von einer Leipziger Klinik diagnostiziert wurde. Die Dokumente liegen la-presse.org vor. In der Nacht vom 17. zum 18.6. erlitt er einen Asthmaanfall, wie es vorher schon mindestens vier Mal passierte. Er wendete sich an die Rezeption um nach einem Krankenwagen zu rufen. Dort wurde er als Lügner bezeichnet, die Maltester-Mitarbeiter*innen weigerten sich einen Notarzt zu rufen. 

Karim selbst sagt, dass die gesundheitlichen Probleme während seines Aufenthalts in Erstaufnahmeeinrichtungen begannen, als er im Winter wie viele andere gezwungen war die Außenduschen zu nutzen. Auch in Dölzig gibt es seit mehr als einem Jahr nur Duschcontainer im Freien. Diese sollten eigentlich nur eine vorübergehende Notlösung für die Zeit von Bauarbeiten in den Häusern sein. 

Die medizinische Versorgung in den Aufnahmeeinrichtungen ist schlecht. Einerseits ist der Umfang von Gesundheitsleistungen qua Gesetz beschränkt. Andererseits steht für mehrere hundert Personen nur temporär medizinisches Fachpersonal, insbesondere Ärzt*innen zur Verfügung. In Dölzig sieht es besonders prekär aus. Laut der Antwort des Innenministeriums auf eine Kleine Anfrage (Drs 7/1170) ist in Dölzig nur eine medizinische Fachkraft angestellt. Zwar gibt es eine regelmäßige Arztsprechstunde, für mehrere hundert Personen, die eine oft schwierige Flucht hinter sich haben und unter schlechten Bedingungen in dem Camp leben, ist dies allerdings nicht ausreichend. Denn es ist erwiesen, dass das Leben in den Massenunterkünften negative Auswirkungen auf die physische und psychische Gesundheit hat.  Das zeigen unter anderen die Ergebnisse einer in 2018 veröffentlichten Studie der AOK. Die Unterbringung in Lagern habe negative Auswirkungen auf die Psyche, insbesondere bei psychisch bereits vorbelasteten Menschen. Eine Studie der Uniklinik Leipzig offenbarte 2019 den Versorgungsbedarf für Geflüchtete Menschen. Die Studie wurde in Leipziger Aufnahmeeinrichtung durchgeführt. Klar ist damit: wer an physischen Beschwerden leidet wie Karim ist weiteren Belastungen ausgesetzt. Durch psychosomatische Folgen beginnen sich physische und psychische Beschwerden zu vermengen. Eine komplexe, medizinische Lage – die allein  durch die Form der Unterbringung ausgelöst werden kann. /MF RN MG 

Failure to provide assistance at the initial reception facility in Dölzig?

Last year, we already reported on the situation of refugees in the initial reception facility in Dölzig near Leipzig. The camp near Leipzig, which is run by the Maltesers, has come under particular criticism due to its location in an industrial park and poor transport links. In the spring of 2020, there were protests by refugees there due to the poor accommodation situation and health hazards from Corona. One person succeeded in obtaining a transfer out of the camp through a court decision. Political pressure also led to many residents being moved to smaller accommodations.

Now there are problems again.
Karim H. has been living in the reception center in Dölzig for several months. He suffers from asthma, a severe respiratory disease, which was diagnosed by a Leipzig clinic on 10.6.2021. The documents are available to la-presse.org. On the night of 6/17/18, he suffered an asthma attack, as had happened at least four times before. He turned to the reception to call for an ambulance. There he was called a liar, and the Maltester staff refused to call an ambulance.

Karim himself says that the health problems started during his stay in first reception facilities, when he was forced to use the outdoor showers in winter like many others. In Dölzig, too, there have only been outdoor shower containers for more than a year. These were supposed to be only a temporary emergency solution for the time of construction works in the houses.

Medical care in the reception facilities is poor. On the one hand, the scope of health services is limited by law. On the other hand, medical personnel, especially doctors, are only temporarily available for several hundred people. In Dölzig, the situation is particularly precarious. According to the Ministry of the Interior’s answer to a small question (Drs 7/1170), only one medical specialist is employed in Dölzig. Although there is a regular medical consultation, this is not sufficient for several hundred people who have fled and live in poor conditions in the camp. It has been proven that living in mass accommodation has negative effects on physical and mental health. This is shown, among others, by the results of a study published in 2018 by the AOK. Accommodation in camps has negative effects on the psyche, especially for people who are already psychologically pre-stressed. A study by Leipzig University Hospital revealed care needs for refugees in 2019. The study was conducted in Leipzig reception center. It is thus clear that those who suffer from physical complaints like Karim are exposed to further stress. Due to psychosomatic consequences, physical and psychological complaints begin to intermingle. A complex, medical situation – which can be triggered by the form of accommodation alone. /MF RN MG – Translation MS




Quelle: La-presse.org