August 2, 2021
Von HaftunterstĂŒtzung Hessen
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„Free Ella“ heißt es auf den Transparenten die, auf verschiedensten Demonstrationen und Aktionen auftauchen – insbesondere seit das Amtsgericht Alsfeld Ella zu mehr als zwei Jahren Knast verurteilt hat. Diese Form von SolidaritĂ€t ist super, vergisst aber oft, dass seit der RĂ€umung des Dannenröder Forst auch eine zweite Person im Knast sitzt – um die es in diesem Text gehen soll. Björn wurde in diesem Jahr in zwei Prozessen zu einer mehrjĂ€hrigen Haftstrafe  verurteilt.

Nach Monaten der RĂ€umung und Rodung der WĂ€lder, die fĂŒr den Bau der A49 weichen mussten und vielen lebensgefĂ€hrlichen RĂ€umungsaktionen der Cops wurde Björn im November im Danni festgenommen und eingesperrt. Von Anfang an gab er Personalien an, kam aber trotzdem in Untersuchungshaft. Die Cops warfen ihm zweimal Körperverletzung im Zuge der RĂ€umung vor, Anfang des Jahres wurde er deshalb zu 12 Monaten Haft verurteilt – ohne BewĂ€hrung. Im Mai folgte ein weiteres Verfahren wegen angeblicher Straftaten aus anderen Aktionen. Ein Sammelsurium an Anklagepunkten von Hausfriedensbruch, Verstoß gegen das Versammlungsgesetz, Widerstand und tĂ€tlicher Angriff gegen Vollstreckungsbeamte, Beleidigungen und Fahren ohne Tickets wurde verhandelt. In einem Deal wurde gegen GestĂ€ndnis versprochen, dass inklusive der Haftstrafe von vorher maximal 2 Jahre und 6 Monate raus kommen. TatsĂ€chlich berechnete die Richterin das vorherige Urteil aber nicht mit ein und verurteilte zu zusĂ€tzlichen 2 Jahren und 2 Monaten. Wie auch immer sie so ihre eigene Propaganda von der „Resozialisierung“ glauben können und sich als die Guten darstellen, wenn sie sich nicht mal an ihre eigenen Versprechen halten. Deshalb lĂ€uft eine Berufung gegen das Urteil und Björn sitzt weiter in Untersuchungshaft.

Untersuchungshaft ist oft noch beschissener als Strafhaft, denn alle Briefe werden mitgelesen, Telefonate mitgehört, eine Verlegung in den offenen Vollzug (also mit etwas mehr „Freiheiten“) ist nicht möglich. Der Knast zensiert zudem alle politischen, Texte, die reingeschickt werden. Das Rote Hilfe Magazin beispielsweise ist nicht erlaubt, da „der Erhalt dieser Zeitung die Haftziele gefĂ€hrdet“. So soll ein politischer Austausch und Diskussion verhindert werden. Gleichzeitig schaffen auch nicht alle Briefe den Weg raus, so schreibt Björn: „Zensieren tun die hier am laufenden Band, vor allem wenn es darum geht, wenn Dinge in Briefen ĂŒber deren Verhalten steht, was ihnen nicht passt!“

FĂŒr ein halbes Jahr war zudem keinerlei Besuch möglich, nicht mal ein Videotelefonat ĂŒber Skype, wie in anderen KnĂ€sten ĂŒblich.

WĂ€hrend es Sommer wird, geben die Briefe von Björn einen Eindruck was es mit Menschen macht, sie einzusperren: „Wenn ich jetzt hier aus dem Fenster schaue und die Sonne sehe, und zu wissen, draußen fĂ€ngt das Leben wieder an zu blĂŒhen und mir dann aber im selben Moment klar wird, nicht raus zu können, zu wissen noch eine lange Zeit nicht in lauen SommernĂ€chten an tollen PlĂ€tzen die Nacht zu verweilen, den Mond und die Sterne beschauen zu können. Oder kurz gesagt einfach die Welt zu sehen wie sie scheint, wann immer mir danach ist, bin ich schon immer wieder sehr traurig gestimmt.“

Deshalb lasst Björn nicht alleine, so wenig wie die zahlreichen anderen Gefangenen, die in KnĂ€sten sitzen. Schreibt Briefe, wenn euch nichts einfĂ€llt, schreibt einfach linke Texte ab, gerne was zu Hausbesetzungen. Den Nachnamen fĂŒrs Briefe schreiben erfahrt ihr bei freethemall at riseup do net.

„So fern und doch so nah – der Freiheit entgegen, Tag fĂŒr Tag – Jahr fĂŒr Jahr“.




Quelle: Freethemall.blackblogs.org