Juni 28, 2022
Von InfoRiot
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Urteil gegen KZ-Wachmann: Der Antisemitismus bleibt bedrohlich

Wie gefĂ€hrlich der Antisemitismus war und weiter ist, zeigte der Dienstag exemplarisch. Das Landgericht Neuruppin verurteilte einen ĂŒber 100 Jahre alten Mann, weil er im Konzentrationslager Sachsenhausen gearbeitet hatte, in dem auch Juden getötet wurden. Zeitgleich wurden in Berlin steigende Zahlen ĂŒber antisemitische VorfĂ€lle der Gegenwart prĂ€sentiert. Man sieht: Der Antisemitismus ist eine Krake mit vielen Armen.

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Ein Urteil gegen einen greisen Mann mag manchem unangebracht vorkommen. Doch Alter schĂŒtzt vor Verantwortung nicht. Überdies hat der Mann all die Jahre genutzt, um sich seiner Verantwortung zu entziehen. Das bleibt zumal aus der Perspektive der Opfer selbst nach so langer Zeit unertrĂ€glich. Manche leben schließlich noch – so wie manche TĂ€ter leben.

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Es gilt alte Hölderlin-Satz

Was zum Holocaust fĂŒhrte, ist nach wie vor virulent. Nein, heute werden keine Konzentrationslager mehr errichtet. Doch der rechtsextremistische Antisemitismus ist neu erstarkt. Auch seine islamistische Variante zieht Kreise. Besorgniserregend ist vor allem, dass sich viele Urheber einschlĂ€giger Taten gar keinem speziellen Milieu mehr zuordnen lassen. Der Antisemitismus ist abermals Alltag geworden – trotz Shoa.

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Zwar gilt fĂŒr die Auseinandersetzung damit der alte Hölderlin-Satz: „Wo Gefahr ist, da wĂ€chst das Rettende auch.“ Es gibt mehr Menschen, die sich gegen Judenfeindschaft wehren, aufseiten des Staates und der Zivilgesellschaft. Freilich haben auch staatliche Instanzen versagt, als es darum ging, dem Antisemitismus bei der documenta in Kassel rechtzeitig Einhalt zu gebieten. Dabei mĂŒssen alle wissen: Was heute geschieht, geschieht vor dem Horizont dessen, was vor 80 Jahren geschah. Das wird bleiben.




Quelle: Inforiot.de