Juni 3, 2021
Von Anarchist Black Cross Wien
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Quelle: support eric king, ĂŒbersetzt von abc wien

Neulich bekam ich zum Mittagessen einen Apfel. Das an sich ist nicht weiter interessant, denn seit Warden Williams an Bord ist, bekommen wir jeden einzelnen Tag Äpfel zum FrĂŒhstĂŒck, Mittag- und Abendessen. Selbst wenn wir darum bitten, keine Äpfel mehr zu bekommen, legen die WĂ€rter sie auf unsere GitterstĂ€be oder schieben sie in unsere Zellen. Diese Äpfel sind nicht unbedingt beeindruckend, es sei denn, man ist von winzigen, matschigen oder viel zu großen und gequetschten Äpfeln beeindruckt
 wenn ja, dann ist das ein Leckerbissen. Ein matschiger, gequetschter Leckerbissen! Toll!

Vor ein paar Tagen also, als die WĂ€rter ihr Apfelkontingent in unsere Kehlen kippten, wurde ein winziges Ding auf meine GitterstĂ€be gelegt. Dieser Kerl sah krĂ€nklich aus; ein stumpfes Rot, als wĂ€re er zu oft durch die Waschmaschine gelaufen, ein Miniatur-Wachsduplikat eines echten Apfels. Normalerweise wĂŒrde ein Apfel dieser QualitĂ€t die Etage hinunter in Richtung der Wachstation geschleudert werden, aber ich hielt ihn fest. Ich bemerkte etwas Seltsames
 diese kleine Kreatur war kein typischer Williams-Apfel, dieser hatte ein Blatt, das noch an ihm hing!!!

Stellt euch meine Überraschung und Freude vor! Wie konnte ich nur so viel GlĂŒck haben, Zeuge dieses Siegels der Entschlossenheit und des Überlebens zu werden? Nachdem ich meine Freude mit einer TrĂ€ne geteilt hatte und als Öko-Trottel abgetan wurde, setzte ich mich hin, um ĂŒber diese Apfel-Blatt-Kombination nachzudenken
 bitte teilt mein Wunder fĂŒr einen Moment
 dieser Apfel wurde in Washington aufgelesen (laut Aufkleber), zusammen mit hunderten oder tausenden seiner Geschwister, Rival*innen, GefĂ€hrt*innen. Nachdem er mit rauen, aber liebevollen HĂ€nden vom Mutterbaum gezogen wurde, wurde unser Apfelfreund in eine Kiste oder einen Eimer geworfen, zu einer Verarbeitungsanlage gefahren, abgespritzt, durch ein Fließband laufen gelassen und schließlich verpackt, um von StrĂ€flingen auf der ganzen Welt verspeist zu werden. Nach dem Verpacken wurde unser Freund (PAL) mit LKWs zu einer Lagereinrichtung und dann wieder mit LKWs zu diesem alten, heruntergekommenen  GefĂ€ngnis gebracht. Nach der Ankunft hier werden die Apfelkisten in die KĂŒche gebracht, in eine große MetallschĂŒssel zum Waschen geleert und dann in Kisten verpackt, um zum SHU getragen zu werden, wo sie von fleißigen Beamten verteilt wurden.

WĂ€hrend all dieser Aktionen klammerte sich unser kleines Blatt an seinen ApfelgefĂ€hrten, sie blieben zusammen, obwohl sich unzĂ€hlige UmstĂ€nde verschworen hatten, sie zu trennen. Es mag soft klingen, aber das Schöne daran hat mich emotional gemacht: Wir dĂŒrfen nicht zulassen, dass Ă€ußere KrĂ€fte uns brechen, uns von unseren Zielen trennen. Ich wollte den PAL an meine Frau und meine Kinder schicken, meine Inspiration mit ihnen teilen, aber der PAL ist „Eigentum“ der Behörde und ich hĂ€tte eine disziplinarische Abmahnung wegen Diebstahls von Regierungseigentum, Verwendung der Post fĂŒr kriminelle AktivitĂ€ten und dem Versuch, Freude und anderes zu inspirieren, bekommen
 sehr ernste Anschuldigungen.

Auch wenn dies gewagt klingen mag, ist das Thema sehr real. In GefĂ€ngnissen wird einfallsloses, gefĂ€hrlich ungesundes und stĂ€rkehaltiges Essen serviert, um Faulheit und Apathie zu fördern. GefĂ€ngnisse sperren Freude und alles, was auch nur im Entferntesten inspirierend ist, aus. Mit der Inspiration kommt das Wissen, dass 1) man das nicht verdient und 2) man das nicht ertragen muss. GefĂ€ngnisse bestrafen ausdrĂŒcklich und versuchen, Familien auseinanderzureißen
 man wird quer durch das Land verlegt, hat nur sehr begrenzte und teure Telefonanrufe, Besuche werden so unverschĂ€mt teuer und frustrierend wie möglich gemacht
 das Ziel ist, das Zeigen ihrer Liebe zu dir fĂŒr Familien und UnterstĂŒtzer*innen zu einer viel zu großen Unannehmlichkeit zu machen. Den Selbstwert so weit herabzusetzen, dass man im GefĂ€ngnisleben versinkt und das GefĂŒhl hat, keine Liebe, Freundschaft oder eine Zukunft zu verdienen
 GefĂ€ngnisse existieren, um Familien zu zerbrechen, den Geist zu erschĂŒttern, die Hoffnung zu zerstören
 sie haben jahrhundertelange Erfahrung und ihre Agent*innen sind gut darin geschult, unstabile Fundamente psychologisch zu demontieren
 sie werden lose Steine finden.

Apple hat mir gezeigt, was ich weiß und dass das GefĂ€ngnis versucht, uns zu blenden
. Dass wir unbeschadet ĂŒberleben können. Sie können uns weit weg von unseren Familien verfrachten, uns grob behandeln, uns durch das Fließband der Behörde schicken, uns wie Bestien wegsperren
aber sie unterschĂ€tzen unseren Willen. Sie haben noch nie revolutionĂ€re StĂ€rke und SolidaritĂ€t in ihren Herzen gespĂŒrt
 sie haben noch nie erfahren, wie es ist, sich wirklich geliebt zu fĂŒhlen, nicht nur von der Familie (die stĂ€rker und liebevoller ist, als GefĂ€ngnisse es sich jemals ertrĂ€umen könnten), sondern von Freund*innen und sogar GefĂ€hrt*innen, die Fremde sind
 unsere Feind*innen werden nie erfahren, was du und ich die ganze Zeit ĂŒber schon wissen
. Sie können uns verletzen, aber sie werden niemals unsere Liebe, Hoffnung und Freude angreifen können, wir sind stĂ€rker als jede GefĂ€ngnisfolter – EK

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Quelle: Abc-wien.net