Januar 15, 2022
Von Anarchist Black Cross Wien
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Quelle: support eric king, ĂŒbersetzt von abc wien

In den vergangenen ĂŒber drei Jahren, in denen ich in der SHU (Segregated Housing Unit) [1] sitze, habe ich neun Suizide durch ErhĂ€ngen direkt miterlebt. Das heißt, sie fanden entweder in meinem Bereich, in meiner Zelle oder in der NĂ€he statt, so dass ich den Aufprall der Leiche auf dem Boden hören konnte. Einige dieser Selbstmorde waren „Hilfeschreie“, andere waren ernsthaft, alle waren vernichtend und erschĂŒtternd. Fast immer versteckt sich das BOP-Personal entweder hinter GleichgĂŒltigkeit gegenĂŒber unserem Leben oder hinter bĂŒrokratischen Vorschriften, anstelle wirklich zu helfen
 im USP Atlanta stĂŒrmten sie herein und rissen den Gefangenen zu Boden (an den Beinen), schlugen ihn und schrien, er solle „ein Mann sein, keine Schlampe“.

Vor zwei Jahren erhĂ€ngte sich Levi hier in Englewood, und es dauerte Minuten, bis seine TĂŒr geöffnet wurde
 Die WĂ€rter, denen das nicht egal war (es gab nur wenige), wurden durch die Richtlinien blockiert, die sie zu sehr fĂŒrchteten, zu verletzen. WĂ€hrend einige Beamte verzweifelt waren, lachten andere und nannten Levi eine „tĂŒrkische Piñata“
 Die Wut in meiner Brust schwoll an, als ich sah, wie ein verzweifelter Tod verspottet und verharmlost wurde
 Zu dieser Zeit durften wir im SHU keine Radios, Zeitungen, Zeitschriften oder persönliche BĂŒcher haben. Uns wurde gesagt, wir sollten damit klarkommen: „Kommt nicht in den SHU, wenn ihr damit nicht umgehen könnt“. FĂŒr manche kam der SHU zu uns, wir konnten ihn nicht vermeiden, ihm nicht entkommen, uns nicht befreien. Entweder man wird damit fertig oder man wird eine „Piñata“. 

Vor ein paar NĂ€chten zeigte das Abendpersonal von Englewood seine Menschlichkeit und behandelte ein Menschenleben wie ein Menschenleben. Mein Nachbar hing an seinem Sprinkler, sein aufgewachter Mitgefangener hob seine Beine hoch, um den Druck zu lindern, und schrie um Hilfe
 und sie kamen
 die WĂ€rter eilten herbei, um ihn herunterzuholen, der Leutnant verschwendete keine Zeit, es sollte keine Levi-Wiederholung geben. Bravo, wirklich.

Trotz dieses erlösenden Schauspiels wird es weitere Verzweiflungstaten geben, denn die Untersuchungshaft ist eine anstrengende, zutiefst verzweifelte Situation. Man darf Radios haben (wenn man 70 Dollar ausgeben kann), man kann sich Lesematerial zuschicken lassen (wenn man Leute hat, die das machen), aber diese Dinge bedeuten wenig in der spĂ€ten Nacht, diese winzigen 6×8 LĂ€rmkisten bieten wenig Trost, aber viel Verzweiflung. Menschen, die unter Entzugserscheinungen leiden, wĂ€hrend der Apotheker sich weigert, das MAT-Programm einzufĂŒhren. Menschen, die unter AngstzustĂ€nden, Aggressionen und MigrĂ€ne leiden, nachdem sie den kalten Entzug von Kaffee hinter sich gebracht haben, wir leiden unter dem Verlust von liebevollen Kontakten, da uns der physische Kontakt zu unseren Familien in den stressigsten Phasen unseres Lebens monatelang oder jahrelang verwehrt wird. Wir kommen immer noch nur eine Stunde am Tag nach draußen, wĂ€hrend wir in einer entwĂŒrdigenden HundehĂŒtte herumlaufen, und die meisten bekommen nur einen 15-minĂŒtigen Telefonanruf pro Woche. Meine Besuchssituation ist besser als die der meisten anderen (nach einem Jahr ohne Besuche oder Anrufe wĂ€hrend der Pandemie wurde mir in den letzten paar Monaten eine Stunde Besuch pro Woche gewĂ€hrt), wĂ€hrend die Telefonsituation schlechter ist
 aber fĂŒr mich sind Besuche im Moment wichtiger als Anrufe. 

Zum ersten Mal in meiner Gefangenenzeit kann ich sagen, dass nicht einmal das Personal das Problem ist. Hier werden wir viel anstĂ€ndiger behandelt, und die Wachen bemĂŒhen sich oft, respektvoll zu sein. Das Hauptproblem ist, dass sie auch durch die Politik eingeschrĂ€nkt sind. Das Personal ist nicht das Problem, die Politik ist das Problem, die SHU ist das Problem. Die Behördenleitung und die Richtlinien, die sie verfasst. Die Probleme sind grenzenlos
 der Mangel an Informationen, die einmal pro Woche gegebene Chance, Nachrichten zu bekommen, nur um dann „nichts“ zu erfahren, der Stress, wenn man versucht, seinen Fall mit drastisch eingeschrĂ€nktem Zugang zu seinem AnwĂ€lt*innenteam (und seiner Familie und seinen Freund*innen) zu bekĂ€mpfen, der stĂ€ndige LĂ€rm, der jede Hoffnung auf eine Minute klaren Denkens zunichtemacht, das Feststecken und das Wissen, dass alle Freundlichkeit oder alles gute Benehmen der Welt diese TĂŒr nicht öffnen wird. Diese Kombination wĂŒrde das stĂ€rkste RĂŒckgrat brechen, und das tut es auch oft.

Dies hier („FCI Englewood“) ist die “ leichteste“ SHU, die möglich ist, und die Leute erhĂ€ngen sich immer noch hier, denn selbst die mildeste SHU ist eine seelische Todesfalle
 wir mĂŒssen immer noch betteln und um medizinische Versorgung bitten, wir schlafen immer noch direkt neben unseren Toiletten
 wir können unsere Familien immer noch nicht umarmen oder kĂŒssen. Wir sitzen fest
 die langfristige Isolation muss abgeschafft werden, die Menschen, die ausgewĂ€hlt werden, um die Richtlinien festzulegen, sollten nicht unkontrolliert bestehen und grenzenlose Möglichkeiten der Folter zur VerfĂŒgung haben, kontaktlose Besuche mĂŒssen wieder in Kontakt umgewandelt werden, grundlegende BedĂŒrfnisse wie wirkliche Hygiene und Kaffee mĂŒssen erhĂ€ltlich sein, der Zugang zu Informationen und zu denen, die sie haben, muss ausgeweitet werden. Wir mĂŒssen raus aus diesen KĂ€figen.

Schafft die SHU ab, schafft die staatliche Vorherrschaft ab. 
Anarchie fĂŒr immer (A) 

-EK 

[1]: SHU, GefÀngniseinheit, die Gefangene von den restlichen Gefangenen absondert, isoliert

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Quelle: Abc-wien.net