September 30, 2021
Von Anarchist Black Cross Wien
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Quelle: anarchy live, ĂŒbersetzt von abc wien

In den letzten Jahren haben wir eine Explosion der so genannten GefÀngnisbewegung erlebt.

Wir haben beispiellose und massive Rebellionen in Form von Arbeitsstreiks, Hungerstreiks, Unruhen, Sabotage und anderen Formen der Revolte erlebt. Wir haben erlebt, wie sich VerbĂŒndete von außen in nie dagewesener Weise engagierten. Wir haben gesehen, wie sich der Weg von der Forderung nach einfach besseren Bedingungen hin zur Abschaffung der GefĂ€ngnisse entwickelt hat. Dann kamen die ersten Forderungen nach einer nationalen GefĂ€ngnisorganisation (Zentralisierung, Hierarchie) zur Koordinierung (Kontrolle) dieser AufstĂ€nde von den Spezialist*innen der Revolution. Trotz alledem ĂŒbersehen wir die WidersprĂŒche in den GefĂ€ngnissen unter den Gefangenen selbst, und ich denke, wir wĂ€ren dumm, wenn wir weiterhin ĂŒber diese WidersprĂŒche hinwegsehen wĂŒrden.

Wenn die spontane Selbstorganisation und die Aktionen ein noch nie dagewesenes Chaos in dem industriellen GefĂ€ngnis-Sklaverei-Komplex (PISC), den wir heute sehen, verursacht haben, warum sollte man dann versuchen, die Kontrolle darĂŒber zu erlangen? Dies sind nur meine Gedanken und Meinungen, aber wenn wir eine nationale GefĂ€ngnisorganisation mit einer Verfassung, Statuten usw. organisieren, werden wir scheitern und nicht die Abschaffung, sondern die Reform anstreben.

ZunĂ€chst also die Frage: Sind wir fĂŒr die Abschaffung oder die Reform? Die meisten Gefangenen sind nicht fĂŒr die Abschaffung des PISC. Sie glauben an das System. Sie wollen nur eine bessere Behandlung/Bedingungen. Sie weisen das System an, wie es besser werden kann. Die meisten Gefangenen sind autoritĂ€r eingestellt und können sich eine Welt ohne Polizei, Behörden oder GefĂ€ngnisse nicht vorstellen. Die meisten Gefangenen, die fĂŒr eine Änderung des derzeitigen Systems kĂ€mpfen, stellen nicht die AutoritĂ€t in Frage, sondern nur, wer diese AutoritĂ€t ausĂŒbt.

Ich könnte mich einfach zurĂŒcklehnen, tun, was die Schweine sagen (mich anpassen), mich ĂŒber nichts beschweren, aber das wĂŒrde meiner Seele Gewalt antun.

Ich könnte mich einfach zurĂŒcklehnen und mich um meine eigenen Angelegenheiten kĂŒmmern, aber höchstwahrscheinlich wird ein anderer Gefangener mir das nicht erlauben.

Es besteht die reale Möglichkeit, dass ich mein Leben in diesem GefÀngnis durch die Hand dieser Schweine verliere, aber mit hoher Wahrscheinlichkeit wird es durch die Hand eines anderen Gefangenen verloren gehen.

Seht euch an, wie wir in diesen GefÀngnissen leben.

Wir beschweren uns stĂ€ndig darĂŒber, wie die Schweine uns in ihren GefĂ€ngnissen misshandeln, aber sehen wir uns doch einmal an, wie wir uns gegenseitig in diesen GefĂ€ngnissen behandeln.

Hier in Alabama hat das US-Justizministerium einen zweiteiligen Bericht ĂŒber seine Untersuchung der MĂ€nnergefĂ€ngnisse in Alabama veröffentlicht. Die Ergebnisse sind erschreckend. Ausufernde Bandengewalt, Tod von Gefangenen durch Gefangene, Messerstechereien, ÜberfĂ€lle, Erpressung, Vergewaltigung usw. Dieser Scheiß ist verrĂŒckt, denn es ist alles wahr. Und wir Gefangenen denken, dass das etwas ist, womit man angeben kann, so wie die Leute damit angeben, welche Stadt die höchste Mordrate hat.

DIE GANGSTA-ÄRA

Do prison lives magtter? Spielt das Leben im GefĂ€ngnis eine Rolle? Wir behandeln uns gegenseitig schlimmer als die Schweine es tun. Wir schlagen, töten, erpressen, vergewaltigen usw. einander und nennen das „Gangsta“ (was so viel heißt wie „cool“). Wir haben ĂŒber 60 Jahre alte MĂ€nner, die auf dem Boden schlafen, weil jemand, der grĂ¶ĂŸer, jĂŒnger, stĂ€rker oder besser vernetzt ist, eine untere Koje oder eine Koje am Fenster haben will. Es ist wahr, einige haben ihre Kojen fĂŒr Drogen verkauft. Dann gibt es Typen, die absichtlich im GefĂ€ngnis bleiben und sich weigern, auf BewĂ€hrung freizukommen, nur um Geld zu verdienen. Das ist traurig und verrĂŒckt zugleich.

Und wir sprechen ĂŒber den Aufbau einer nationalen HĂ€ftlingsorganisation. Wir mĂŒssen neue Beziehungen zueinander aufbauen. Nur weil man im GefĂ€ngnis sitzt, ist man noch lange kein*e RevolutionĂ€r*in.

Solange wir keine neuen, gesunden Beziehungen forcieren, die auf Respekt und nicht auf Angst beruhen, auf Liebe und nicht auf Hass, die nicht darauf beruhen, woher man kommt, welcher Gang man angehört, welcher ethnischen Gruppe oder welcher Religion oder Sekte man angehört, wird sich nichts zum Besseren wenden, und die Abschaffung des Strafvollzugs wird definitiv nicht stattfinden.

Michael Kimble
#138017
William E. Donaldson Correctional
100 Warrior Ln
Bessemer, AL 35023
USA

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Quelle: Abc-wien.net