November 22, 2020
Von End Of Road
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Vortragsveranstaltung mit Daniel Poensgen

Donnerstag, 26. November 2020 | 19 Uhr | online

Die Veranstaltung findet nicht in der Buchte, sondern online ĂŒber BigBlueButton statt. Wenn ihr den Zugangslink haben möchtet, meldet euch kurz unter buero(et)die-buchte.de

In den vergangenen Monaten machten bundesweit stattfindende Proteste gegen die Corona-Maßnahmen Schlagzeilen. An diesen beteiligten sich zahlreiche Protestierende, welche sich die derzeitige Krise mit Hilfe von Verschwörungsmythen erklĂ€ren. So findet beispielsweise seit einigen Monaten der Verschwörungsmythos „QAnon“ auch in Deutschland immer mehr AnhĂ€nger_innen. Diese gehen davon aus, dass Donald Trump derzeit gegen einen einflussreichen Staat im Staate, ein internationales Netzwerk von PĂ€dophilen kĂ€mpfe. Doch es bleibt nicht nur bei solchen potentiell oder tatsĂ€chlich antisemitischen Verschwörungsmythen. Bei zahlreichen Demonstrationen finden antisemitische Selbstviktimisierungen statt: Demonstrierende tragen sogenannte „Judensterne“ und vergleichen die derzeitige Politik mit der Ermordung von sechs Millionen JĂŒdinnen und Juden in der Schoa. Zwischen Mitte MĂ€rz und Mitte Juni 2020 erfasste der Bundesverband RIAS 123 Demonstrationen, bei denen es zu antisemitischen Äußerungen kam. Diese Entwicklungen werfen unter anderem die Frage auf, ob es bei antisemitischen Äußerungen auf Demonstrationen bleibt, oder ob sich im Rahmen der Covid-19 Pandemie insgesamt eine antisemitische Dynamik entwickelt hat.

Dabei ist die weite Verbreitung von antisemitischen Verschwörungsmythen kein neues PhĂ€nomen. Rund in einem Viertel der VorfĂ€lle, die beispielsweise RIAS Berlin 2019 erfasst hat, spielten antisemitischen Steretoype von einer geheimen politischen oder ökonomischen Macht von JĂŒdinnen_Juden eine besondere Rolle. Diese Stereotype finden sich in allen politischen Milieus – von der extremen Rechten bis zur politischen Mitte. Der Glaube an antisemitische Verschwörungsmythen hilft TĂ€ter_innen, selbst extreme Gewalt zu legitimieren: Sowohl der AttentĂ€ter des rechtsextremen Terroranschlag an Jom Kippur 2018 auf eine Synagoge in Halle als auch Tobias R., der im Februar 2019 aus rassistischen Motiven neun Personen und spĂ€ter seine Mutter in Hanau erschoss, beriefen sich in veröffentlichten Pamphleten auf den Verschwörungsmythos „QAnon“.

Der Vortrag beleuchtet auf Basis erfasster antisemitischer VorfĂ€lle und dem Monitoring von Demonstrationen die Entwicklung antisemitischer VorfĂ€lle wĂ€hrend der Corona-Pandemie in Deutschland und bettet sie und insbesondere antisemitische Verschwörungsmythen in lĂ€ngerfristige Entwicklungen ein. Was macht antisemitische Verschwörungsmythen fĂŒr ihre AnhĂ€nger_innen so attraktiv? Ein besonderer Fokus liegt hierbei auf die Perspektive von JĂŒdinnen und Juden, die RIAS BK seit 2017 in mehreren Studien zu ihrer Wahrnehmung von Antisemitismus in Deutschland befragt hat.

Daniel Poensgen ist wissenschaftlicher Referent beim Bundesverband RIAS.

Alle weiteren Veranstaltungen der Aktionswochen gegen Antisemitimus in Bremen findet ihr unter www.aktionswochen.online.




Quelle: Endofroad.blackblogs.org