239 ansichten

Im zentral gelegenen Kiezladen „Tacheles“ in Magdeburg am Hasselbachplatz fand am vergangenen Freitag die erste Veranstaltung der Veranstaltungsreihe „Internationalistischer Soliabend“ statt. Themenschwerpunkt war der Vortrag von uns ĂŒber den tĂŒrkischen Angriffskrieg in Kurdistan, wobei sich auf die aktuelle Lage in SĂŒdkurdistan fokussiert wurde.

Im Schatten des Angriffskriegs in der Ukraine, welcher in den deutschen Medien sehr prĂ€sent ist, intensiviert der tĂŒrkische Staat die Angriffe auf Kurdistan und die Errungenschaften der Revolution. Die Referentinnen erlĂ€uterten in ihrem Vortrag, warum Kurdistan fĂŒr die TĂŒrkei und weitere internationale MĂ€chte interessant ist und wie sich die Kriegssituation aktuell darstellt. Sie verdeutlichten, dass der Angriff großflĂ€chig angelehnt ist und Kriegsverbrechen vor den Augen der Welt begangen werden. Eingegangen wurde dabei auch auf die unterschiedlichen Kriegsstrategien, wie den Einsatz von Chemiewaffen, die weiterhin vorantreibende Vertreibungs- und Siedlungspolitik, den stattfindenden Ökozid sowie die patriarchale Gewalt in Uniformen. Zum Ende des Vortrags wurde auf das Beziehungsgeflecht TĂŒrkei-NATO-BRD eingegangen. Es ging darum, dass Kurd:innen bei der Debatte um Schwedens und Finnlands NATO-Beitritt und dem Veto des tĂŒrkischen Staates erneut zum Spielball der HegemonialmĂ€chte gemacht werden.

Die Referentinnen berichteten darĂŒber, wie die TĂŒrkei den Angriffskrieg in der Ukraine fĂŒr sich nutzt, um die eigene Kriegs- und Expansionspolitik auszuweiten und weitere UnterstĂŒtzung von den NATO-Staaten zu erpressen. Sie stellten klar dar, wie die TĂŒrkei versucht ein Umfeld zu schaffen, in dem sich die NATO entsprechend den Interessen der TĂŒrkei verhĂ€lt und dies möglich ist, da die TĂŒrkei als zweitgrĂ¶ĂŸte NATO-Armee sowie der SchlĂŒsselrolle durch die eigene geografische Lage zentral fĂŒr die NATO ist.

Ebenfalls angeprangert wurde die Kriminalisierung der kurdischen Öffentlichkeits- und SolidaritĂ€tsarbeit in Deutschland, die unter anderem an den FĂ€llen der Internationalist:innen MarĂ­a und Uli deutlich wird. Des Weiteren thematisierten die Referentinnen die erhöhten Abschiebewellen Deutschlands in die TĂŒrkei, die allgemeine Verfolgung von kurdischen Aktivist:innen, die Notwendigkeit der Aufhebung des PKK-Verbots und das neue Gutachten des Wissenschaftlichen Dienstes des Bundestages, welches den tĂŒrkischen Angriffskrieg auf die Gebiete in SĂŒdkurdistan fĂŒr völkerrechtswidrig erklĂ€rt und erhebliche Zweifel am Vorliegen einer Selbstverteidigungslage fĂŒr die TĂŒrkei vorhanden sieht. Anhand von aktuellen Recherchen prĂ€sentierten die Referentinnen des SolidaritĂ€tsbĂŒndnisses, wie tĂŒrkische Faschisten in den Berliner Polizeibehörden aktiv sind und was dies fĂŒr prokurdische Demonstrationen bedeutet.

Im Anschluss fand eine Frage- und Diskussionrunde mit den knapp 50 Teilnehmer:innen im Publikum statt, in dem es unter anderem um die Rolle des Iraks, des Irans, Israels und den im kommenden Jahr auslaufenden Vertrag von Lausanne ging. Ausklang fand der Abend bei Musik und gemeinsamen GetrĂ€nken, deren Erlös an die Hilfsorganisation Heyva Sor a KurdistanĂȘ gespendet wird.




Quelle: Solibuendnis.noblogs.org