Mai 7, 2021
Von InfoRiot
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Ein frĂŒherer Wachmann des Konzentrationslagers Sachsenhausen ist vor dem Landgericht Neuruppin wegen Beihilfe zum Mord angeklagt. Nun stellt sich die Frage, ob der 100-JĂ€hrige ĂŒberhaupt vor Gericht erscheinen kann. „Die VerhandlungsfĂ€higkeit des Mannes soll begutachtet werden“, sagte Gerichtssprecherin Iris le Claire. Wenn der Mann am Prozess teilnehmen kann, könnte vermutlich ab Ende Mai verhandelt werden, so le Claire. Andernfalls werde das Verfahren gegen ihn eingestellt.

Der 100-JÀhrige soll laut Anklage von 1942 bis 1945 im KZ Sachsenhausen wissentlich und willentlich Hilfe zur grausamen Ermordung von Lagerinsassen geleistet haben. Es geht um Beihilfe zum Mord in 3518 FÀllen. Im Februar hatte ein Gutachten den Mann als verhandlungsfÀhig eingestuft.

Oranienburg

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft Neuruppin, in deren örtlichen ZustĂ€ndigkeitsbereich die ehemaligen KZ Sachsenhausen und RavensbrĂŒck liegen, ist derzeit noch ein weiteres Verfahren gegen einen ehemaligen KZ-Wachmann offen. „Die Ermittlungen dauern noch an“, sagte der Leiter der politischen Abteilung, Cyrill Klement. Vor allem gehe es auch hier um die Frage, ob der Mann im hohen Alter noch verhandlungsfĂ€hig ist.

Insgesamt noch acht Verfahren

Immer wieder werden Verfahren gegen ehemalige SS-WachmĂ€nner eingestellt, weil die Beschuldigten aus gesundheitlichen GrĂŒnden nicht mehr vor Gericht erscheinen können. In Neuruppin waren im vergangenen FrĂŒhjahr noch acht Verfahren anhĂ€ngig, sagte Klement. Die meisten davon mussten wegen der VerhandlungsunfĂ€higkeit der Beschuldigten eingestellt werden, oder weil sie inzwischen verstorben sind.

Eine Erleichterung bei der Arbeit der Juristen gab es 2011: Seit dem Urteil gegen den KZ-Aufseher John Demjanjuk besteht die Justiz nicht mehr auf den oft unmöglichen Nachweis individueller Schuld. Auch die allgemeine DienstausĂŒbung in einem Lager, in dem erkennbar systematische Massenmorde stattfanden, kann juristisch geahndet werden. FĂŒr die Hinterbliebenen der getöteten Lagerinsassen ist die juristische Aufarbeitung wichtig.

Im KZ Sachsenhausen waren zwischen 1936 und 1945 nach Angaben der dortigen GedenkstÀtte mehr als 200 000 Menschen inhaftiert. Zehntausende HÀftlinge kamen dort durch Hunger, Krankheiten, Zwangsarbeit, medizinische Versuche und Misshandlungen um oder wurden Opfer systematischer Vernichtungsaktionen.




Quelle: Inforiot.de