Oktober 20, 2020
Von Indymedia
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“Es fing mit einem BerĂŒhrungsverbot bei Besuchen an, bei dessen Missachtung der Besuch abgebrochen wurde. Dann wurden schon wenige Tage spĂ€ter alle Besuche abgesagt. Es werden nun nur noch halbstĂŒndige Besuche hinter einer Trennscheibe gewĂ€hrt. Allerdings nicht fĂŒr Gefangene, deren Besuche mit LKA-Überwachung stattfindet, da diese den Mindestabstand nicht einhalten könnten. (
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Auf dem Hof soll jetzt nur noch in Paaren gelaufen werden, was, wie die meinsten bisher getroffenen Maßnahmen, recht sinnlos wirkt, da im Treppenhaus und auch in den Fluren Hunderte zusammenstehen. In der letzten Woche wurden mehrere Sationen unter komplett-verschluss gesetzt wegen Corona VerdachtsfĂ€llen.

Im Haus B waren 2 Stationen (4+5) fĂŒr 5 Tage komplett geschlossen. Also ohne jeglichen Hofgang, ohne Duschen und generell ohne Kontakt-Möglichkeiten. Im Haupthaus erging es den Gefangenen auf Station 5 fĂŒr 3 Tage ebenso. (
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Es gibt generell keine Kommunikation von Seiten des Knastes gegenĂŒber Gefangenen. Die Informationen werden Beamten aus der Nase gezogen oder direkt von Hausarbeitern mitgehört. (…)

Am letzten Wochenende gab es Widerstand. Freitag und Samstag Abend wurde fĂŒr jeweils ca. 1 Stunde mit GegenstĂ€nden gegen die Gitter geschlagen, MĂŒll, Geschirr, Klopapier und brennende HandtĂŒcher aus den Zellen in den Hof geworfen und “Wir Wollen raus!” gerufen. Was sicherlich wörtlich und allgemein zu verstehen ist, sich aber auch auf die Situation von beschrĂ€nkten und teilweise verwĂ€hrten HofgĂ€ngen beziehen kann. Der Knast hat wohl mit Disziplinar-Maßnahmen und teilweiser Verlegung/Isolation von sog. “RĂ€delsfĂŒhrern” reagiert.”

Aktuell (03.09.) schildert ein Gefangener die Situation wie folgt:

“Was die EinschrĂ€nkungen aufgrund von Corona-Maßnahmen angeht (…): Maskenpflicht, bis auf unregelmĂ€ĂŸige Ausnahmen keine Sport- und Freizeitangebote, verkĂŒrtzer Besuch (2×30 Min im Monat) hinter einer Scheibe.“

Leider zeigen die Berichte aus diesem Knast auch,  mit welchen weiteren fĂŒr uns banalen Themen sich Gefangene tagtĂ€glich beschĂ€ftigen mĂŒssen, zum Beispiel der Frage, ob es erlaubt ist, ein Fenster im Sommer zu öffnen


„Tja, was ist hier los. Die letzten Wochen ist es sehr heiß gewesen und wie schon letzten Sommer waren die Fenster ein großes Thema unter den Gefangenen. Die Stockwerke 2, 3 und 4 des Haupthauses sind recht modern renoviert.

In den Zellen dieser Stationen gibt es neue Fenter, die bis auf ein Kippfenster, das mit einer Lochblende aus Metall verdeckt ist, nicht zu öffnen sind. Also wĂ€ren sie von Seiten der Anstalt schon aber mit der BegrĂŒndung dies wĂ€re ein „Sicherheitskonzept“, bleiben sie permanent verschlossen. Das absurde an dieser „Sicherheits-Konzept“-Ausrede ist, dass die Fenster im 5. Stockwerk, sowie auf baulich Ă€lteren Stationen anderer HĂ€user, die direkt nebenan sind, zu öffnen sind. Aber eine Knast-Weisheit, die sich als sehr wahr entpuppt hat, ist: Vergiss alle W-Fragen! Warum? Wie? Wann? Wer? Wo?
 spielt hier keine Rolle. Auf jeden Fall wurden wir die letzten Wochen in den Zellen gebacken. Viele haben sich mit kalten FußbĂ€dern in ihren MĂŒlleimern zu etwas erfrischung verholfen. Es wurden fleißig AntrĂ€ge auf Öffnung der Fenster oder auch einfach temporĂ€res LĂŒften gestellt, die alle mit er BegrĂŒndung des „Sicherheits-Konzetes“ abgelehnt wurden. Die Stimmung ist also etwas erhitzt 😉 und auf der Sicherheits-Station (Iso, usw) hat ein*e Gefangene*r wortwörtlich ihren*seinem Unmut Luft gemacht und das Zellenfenster unter großem Kraft-Aufwand und Applaus sowie Jubel an den Fenstern eingeschlagen. SpĂ€ter wurde beobachtet, wie die Person von behelmten MenschenwĂ€rter*innen [C4F: WĂ€ter*innen ] aus der Zelle geholt wurde. Es ist zu hoffen, dass es der Person nicht zu schlimm ergangen ist und sie es wenigstens kĂ€lter hatte im Keller.

Das ganze ist am 16. August passiert.

Sonst kĂŒmmert sich die GMV (Gefangenenmitverantwortung) um allerlei „Kleinkram“, der das Leben der Gefangenen erschwert. Das sind sehr solidarische Leute aber sie stoßen na klar schnell an die Grenzen dieses Knast-eigenen und kontrollierten Instruments. Entscheidungen werden ins unendliche herausgeschoben oder mit eben solchen WorthĂŒlsen wie „Sicherheits-konzept“ „begrĂŒndet“ Ihr könnt es euch vorstellen. “

 Diese Berichte reihen sich in viele weitere ein, welche aufzeigen, wie autoritĂ€r, repressiv und menschenverachtend KnĂ€ste mit Gefangenen (vor allem in Pandemie-Zeiten) umgehen (Link zu mehr Infos zu Corona in KnĂ€sten :https://criminalsforfreedom.noblogs.org/post/category/corona/)

Lassen wir das nicht unbeantwortet! Zeigt den Gefangenen, dass sie nicht alleinsind und lasst uns der Isolation entschlossen entgegentreten. Werdet aktiv: schreibt Gefangenen, veröffentlicht ihre Belange, geht dafĂŒr auf die Straße und zieht Verantwortliche zur Rechenschaft!




Quelle: De.indymedia.org