Oktober 12, 2020
Von Diskursiv Aachen
238 ansichten


UPDATE: Aufgrund von Corona, wurde die Veranstaltung mittlerweile auf den 15. November 2021 verlegt.

Dieser Artikel erschien in der zweiten Ausgabe der Zeitung ‚Tacheles‘.

Am 9. November soll im Eurogress eine Veranstaltung mit Daniele Ganser stattfinden.

Ganser ist Teil der verschwörungsideologischen Gegenöffentlichkeit. Auf KenFM, Rubikon, den Nachdenkseiten, RT Deutsch, Sputnik und Compact, welche verschwörungsideologische bzw. rechtsextreme Plattformen sind, verbreitet Ganser seine Theorien.

Er schĂŒrt bei seiner Arbeit gezielt Verschwörungstheorien. Methodisch arbeitet er hierbei viel mit manipulativen Suggestivfragen. Er „reisst Zitate und Bildquellen aus dem Zusammenhang und verschweigt alles, was nicht in sein Argument passt“[1]

Neben seinem großen Interesse, die Wahrheit ĂŒber die TerroranschlĂ€ge von 9/11 ans Licht zu bringen – Ganser suggeriert, ein Teil des World Trade Centers sei durch die US-amerikanische Regierung selbst gesprengt worden –, bedient er auch andere Themen. So vermutet er hinter dem Anschlag auf das Satiremagazin „Charlie Hebdo“ eine false-flag-Operation westlicher Geheimdienste und sieht die USA bzw. die CIA als Verursacherinnen des Putsches in der Ukraine und des versuchten Putsches in der TĂŒrkei.

2014 war Ganser auch Teil einer GesprĂ€chsrunde fĂŒr das Compact-Magazin, zusammen mit dem rechten Chefredakteur JĂŒrgen ElsĂ€sser und Karl-Heinz Hoffmann, dem GrĂŒnder der 1980 verbotenen „Wehrsportgruppe Hoffmann“. Thema war das Oktoberfestattentat vom 26. September 1980, welches von einem Mitglied dieser „Wehrsportgruppe Hoffmann“ begangen wurde. Compact gilt als rechtsextreme Zeitschrift sowie Sprachrohr fĂŒr AfD und die Pegida-Bewegung und wird vom Bundesverfassungsschutz als Verdachtsfall gelistet.

Deutlich zu sehen ist hier Gansers NĂ€he zum rechten bis extrem rechten Spektrum. Neben den Interviews mit besagten Personen nahm Ganser auch bei einem Kongress des neurechten Kopp-Verlags teil. Der Kopp-Verlag arbeitet mit anderen Verlagen zusammen, welche als Anlaufstelle fĂŒr Holocaustleugner*innen gelten und bietet selbst auch antisemitische Werke an.

Eine Abgrenzung zum rechten beziehungsweise extrem rechten Spektrum ist bei Ganser dementsprechend nicht vorhanden. Vielmehr hĂ€lt er sich mit Verharmlosungen des Nationalsozialismus selbst nicht zurĂŒck. So meint er: „Deutschland wird immer niedergedrĂŒckt mit dem Stichwort ‚Hitler – Nationalsozialismus‘. Das ist eine psychologische KriegsfĂŒhrung, die sie schon seit vielen Jahren erleiden.[
] Und dann sage ich, man mĂŒsste eigentlich diese Verbindung ‚Deutschland – Hitler‘, die mĂŒsste man kappen und man mĂŒsste machen ‚Deutschland – Goethe‘.“[2] Damit bedient er den Mythos eines vermeintlichen Schuldkults und appelliert, Ă€hnlich wie bspw. der Faschist Björn Höcke, an eine Revision der Erinnerungskultur in Deutschland, in der das NS-Regime nicht mehr so stark thematisiert gehört.

Auf eine Mail mit unserer Forderung, die Veranstaltung abzusagen, versucht der Eurogress sich aus der Verantwortung zu ziehen, da sie nur den Raum vermieten wĂŒrden, nicht aber Veranstalter seien.

Wir sagen: Das ist zu einfach. Positionen, die dem Rechtsextremismus nahestehen oder Teil desselbigen sind, dĂŒrfen keine öffentlichen RĂ€ume zur VerfĂŒgung gestellt werden!

Deswegen bleibt unsere Forderung bestehen, die Veranstaltung mit Daniele Ganser abzusagen!

[1]https://www.republik.ch/2019/04/13/die-methode-ganser

[2]https://www.youtube.com/watch?v=9Pf5Xd9aF2w,  ab Minute 56:20, abgerufen am 16.08.2020.




Quelle: Diskursivaachen.noblogs.org