Januar 17, 2021
Von Emrawi
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Deutschnationale Burschenschaften stehen vor allem in Österreich fĂŒr völkischen Nationalismus, NS-Verherrlichung und Holocaustleugnung. Ihr extrem antisemitisches, homofeindliches, rassistisches, elitĂ€res und frauenfeindliches Weltbild stellt aber in Österreich leider kein isoliertes RandphĂ€nomen dar. Vielmehr sind deutschnationale Burschenschaften die KaderstĂ€tte des hiesigen Rechtsextremismus und dienen als Scharnier zwischen der FPÖ im Parlament und dem Neonazismus der Straße. Rund 40 Prozent der Nationalratsabgeordneten der FPÖ sind “Alte Herren” von Burschenschaften und auch sonst lĂ€sst sich – von KĂŒssel bis zu den “IdentitĂ€ren” – kein namhafter Ideologe des österreichischen Rechtsextremismus ausmachen, der nicht dem korporierten Milieu entstammt. Auch Peter Binder, bei dem kĂŒrzlich bei einer Hausdurchsuchung ein Waffendepot ausgehoben wurde, hatte nachgewiesenerweise Kontakt zu ehemaligen Burschenschafter, wie Franz Radl (Teutonia) und stand wie andere Burschenschafter, im Fokus der Ermittlungen aufgrund des Briefbombenterrors Anfang-Mitte der 1990er Jahre.

Über Jahre hinweg diente der Ball des Wiener Korporationsrings als Vernetzungstreffen der extremen Rechten. Seit 2008 gab und gibt es antifaschistische Proteste dagegen. Diese wurden von der Wiener Polizei immer wieder mit Repression ĂŒberzogen: Demonstrationen wurden verboten, BĂŒndnisse kriminalisiert und Aktivist*innen verhaftet,in Untersuchungshaft gesteckt und mit wahnwitzigen Gerichtsprozessen konfrontiert. Dennoch schafften die anhaltenden Proteste es, dass der Ball nicht mehr als WKR-Ball in der Wiener Hofburg stattfinden kann. Nun wird er von der Wiener Landesgruppe der FPÖ ausgerichtet und stellt damit erneut die engen Verbindungen zwischen dem völkischen Verbindungsunwesen und der FPÖ unter Beweis. Dieses Jahr hĂ€tte der Ball am 29. JĂ€nner stattfinden sollen, wurde jedoch erst kĂŒrzlich aufgrund der Corona-Pandemie abgesagt.

Am 27. JÀnner, dem Tag der Befreiung des Konzentrations- und Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau, wollen wir im Rahmen eines Budenbummels den Antisemitismus der deutsch-völkischen Verbindungen thematisieren.

Wir werden bei jenen vorbeischauen, die sich einander in ritualisierter Form die Wangen (und oft mehr) zersĂ€beln; die sich in strenge Hierarchien einpassen und entlang dieser einander solange demĂŒtigen, bis keiner mehr AutoritĂ€t in Frage stellt; die immer wieder Neonazis Zuflucht bieten oder gleich selber welche sind; die NS-Kriegsverbrechern als ihre “BundesbrĂŒder”, “Alte Herren” und “gefallenen Helden” gedenken; die exklusive mĂ€nnliche Herrschaft an den Unis in schweißig-bierdunstigem Kreis fortleben lassen; die bis heute ihren Sexismus fröhnen und Frauen in ihren eigenen Reihen nicht dulden; die ihren Antisemitismus nicht nur in Form widerwĂ€rtigen “Liedguts” traditionsreich pflegen.

Doch wenn wir gegen Burschenschaften und die FPÖ als ihren parlamentarischen Arm protestieren, mĂŒssen wir auch die Grundlagen benennen, warum diese Ideologien so stark sind, warum die Menschen die Bereitschaft haben, diese anzunehmen. Der Ohnmacht, der Konkurrenz und den falschen Spaltungen, die diese Gesellschaft hervorbringt, mĂŒssen wir die Perspektive auf einen solidarischen Aufbruch entgegenhalten. Eine Gesellschaft, die frei ist von Herrschaft, Ausbeutung und UnterdrĂŒckung, in der alle ohne Angst verschieden sein können. Diese Gesellschaft gibt es nur jenseits von Staat, Nation, Patriarchat und Kapital. FĂŒr diese ganz andere Welt lohnt es sich zu streiten und zu kĂ€mpfen – gemeinsam, entschlossen, vielfĂ€ltig und kreativ.




Quelle: Emrawi.org