September 22, 2022
Von Soligruppe Für Gefangene
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Vom Kampf gegen Windmühlen oder auch nicht. Zum Artikel „Antwort an die Soligruppe für Gefangene“ in der Publikation In der Tat Nummer 16

Nach unserer Kritik an der Ausgabe Nummer 15 der anarchistischen Zeitschrift In der Tat (nachzulesen hier) erschien nun eine Antwort auf diese in der aktuelle Ausgabe Nummer 16. Da uns die Antwort bisher nur in gedruckter Form vorliegt, können wir sie hier, auch wenn wir das gerne tun würden, nicht veröffentlichen und zum besseren Verständnis unserer nun folgenden Kritik nur auf die entsprechende Ausgabe der Zeitschrift verweisen. Vielleicht senden sie uns den Artikel ja auch noch wie versprochen zu, was bisher nicht passierte, dann werden wir ihn selbstverständlich ebenfalls hier auf dem Blog veröffentlichen, so wie es auch ursprünglich vereinbart war.

Unsere Kritik richtete sich vor allem gegen die Positionen, die wie uns scheint, nicht von wenigen Anarchisten und Anarchistinnen, beziehungsweise von Menschen, die sich als solche sehen, in Bezug auf den Krieg in der Ukraine eingenommen werden. Gemeint ist damit die Unterstützung oder zumindest das Begrüßen der Eingliederung von „anarchistischen“ Gruppen und Einzelpersonen in das ukrainische Militär und somit die Verteidigung des ukrainischen Staates auf der Basis, dass dies mit anarchistischen Grundsätzen in Einklang zu bringen sei oder dies das einzig richtige Verhalten von Anarchisten und Anarchistinnen in diesem Konflikt sein könne, wobei wir der Überzeugung sind, dass genau das Gegenteil der Fall ist. Aber all dies kann in unserer ursprünglichen Kritik nachgelesen werden. Von Anfang an, also schon vor der Veröffentlichung unserer Kritik haben wir mit Leuten von IdT darüber diskutiert und unsere geäußerte Kritik wurde belächelt und sich darüber lustig gemacht. Erst daraufhin kam es zu der ausführlichen Kritik in schriftlicher Form unsererseits, auf die sich in der Ausgabe Nummer 16 der IdT bezogen wird.

Nun wird uns in unserer Kritik Recht gegeben, aber irgendwie auch wieder nicht, unsere Kritik sei zwar richtig und gerechtfertigt, aber trotzdem würden wir „halluzinieren“ und in dieser ganzen widersprüchlichen Antwort wird uns unterstellt, dass wir sie absichtlich missverstehen würden. Wobei sich uns auch die Frage stellt, wie es denn sein kann, dass wenn wir alles mögliche nur missverstanden und unterstellt haben, dann doch irgendwie zu einer gerechtfertigten und richtigen Kritik gekommen sind. Und nebenbei wird ein Großteil unserer Kritikpunkte von ihnen ignoriert, wie sie ja auch selbst in ihrer Antwort schreiben. Dabei scheinen sie nicht einsehen zu können oder zu wollen, dass es uns nicht bloß um die von der IdT unterlassene Kritik am Resistance Comittee ging. Kein Wort ist zu den von uns geäußerten Kritikpunkten an der Einleitung zu lesen, zum Thema Faschismus in der Ukraine und in den ukrainischen Kampfverbänden, denen sich die vermeintlichen AnarchistInnen angeschlossen haben, sowie vieles mehr, dass die IdT ein Interview mit Leuten führt und abdruckt, die gemeinsame Sache mit Faschisten und einem Staat machen und zum Thema der Gefühle wird so getan als handele sich nur um eine reine Frage der Wortwahl, also des Stils oder der Ästhetik, und nicht darum, dass die IdT anscheinend ihre Haltung dazu nur auf einer emotionalen Ebene wiedergeben kann und nicht klar und deutlich mit auf Fakten beruhenden Argumenten darlegt. Stattdessen wird uns vorgeworfen, dass wir „halluzinieren“ und polemisieren würden. Hierzu ist von unserer Seite nur erneut zu unterstreichen, dass es sich bei unserem Text nicht um eine Ansammlung von Vorwürfen gehandelt hat und es war und ist auch nicht unser Ziel irgendjemanden zu demütigen oder fertig zu machen, sondern wir haben Kritik geübt, die wir auch begründen, weshalb wir auch den Vorwurf, es handele sich bei unserem Text hauptsächlich um eine Polemik nicht gelten lassen. Dass in der IdT nun behauptet wird, dass wir „wohlweislich“ den in derselben Ausgabe wie das Interview erschienenen Text über Bakunin ignoriert haben, weil dieser ja dazu geführt hätte, dass wir die vermeintlich eigentliche Intention hinter dem abgedruckten Interview erkennen hätten müssen, wirkt wie ein weiterer Versuch unsere Kritik als böse Absicht hinzustellen, die, obwohl sie ja richtig ist, trotzdem nicht berechtigt sei. Wir können dazu nur sagen, dass es sich uns nicht erschließt inwiefern ein Artikel, der eine persönliche Einschätzung zu einem Bakunin-Zitat von vor 150 Jahren wiedergibt, das abgedruckte Interview oder die Entscheidung, dieses in eben dieser Form abzudrucken, in einem besseren Licht erscheinen lässt.

Dadurch dass sich die IdT in ihrer Antwort nun umso vehementer gegen Krieg und Pseudo-AnarchistInnen positioniert und diese angreift, war unsere Kritik offensichtlich nur um so richtiger und anscheinend können oder wollen sie sich das aber einfach nicht eingestehen. Auch dass nun geschrieben wird, dass die Absicht hinter dem Interview gewesen sei, dass sich das Resistance Comittee selbst als das, was es wirklich sei, entlarve und diese Selbstentlarvung zu dokumentieren und dass deren konterrevolutionärer Charakter Ende Mai noch nicht klar erkennbar gewesen sei, lässt entweder auf mangelhafte Recherche zu dieser Gruppe schließen (wir verweisen an dieser Stelle auf unseren Text Gegen die Kriege des Kapitalismus lautet unsere Antwort sozialer Krieg veröffentlicht am 02.03.2022, der ja auch in der Antwort auf unsere Kritik lobende Erwähnung findet oder auf etliche Artikel1 die in der bourgeoisen Presse veröffentlicht wurden – hier nur ein Auszug, es gibt viele mehr – die meisten davon schon Mitte März, ganz abgesehen das etliche Interviews und Artikel an und über Operation Solidarity und an dem Resistance Committee2 schon lange vor dem Druck der Nummer 15 der IdT öffentlich waren.) oder ist einfach nur eine Ex-post-Rechtfertigung, ein getarnter Enthüllungsjournalismus der alle Geheimnisse entlarvt, ganz nach der Art die Ermordung Franz Ferdinands sei zusammen mit der russischen Niederlage bei der Schlacht am Tannenberg im August 1914 ein bolschewistischer Komplott und Hindenburg in Wahrheit ein Bolschewist gewesen, um schließlich die russische Revolution auszulösen und um schlussendlich Lenin und die Bolschewiki auf den Thron der Romanows zu katapultieren. Des Weiteren behauptet IdT in ihrer Antwort, dass schlicht niemand außer uns die letzte Ausgabe so verstanden habe wie wir, woher auch immer sie das wissen wollen, vielleicht hat sich auch einfach niemand die Mühe gemacht sie damit zu konfrontieren. Und selbst wenn wir die einzigen gewesen sein sollten, die die letzte Ausgabe kritisch gesehen haben, was sagt das dann aus? Rein gar nichts, es sei denn man vertritt eine Position, die wir der IdT nicht zutrauen und im Grunde auch nicht unterstellen wollen, in der die Mehrheit Recht hat, weil sie die Mehrheit ist, und die Minderheit immer falsch liegt, weil ihr Standpunkt sonst ja dem der Mehrheit entsprechen würde. Und ohne allzu polemisch rüberkommen zu wollen, dass im gleichen Atemzug geschrieben wird, dass sollten Menschen doch auch unsere Kritik teilen, die IdT hoffe, dass diese Menschen trotzdem weiterhin die Zeitschrift lesen, ist in unseren Augen ganz schön anbiedernd bis erbärmlich.

Zum Abschluss sei vielleicht noch so viel gesagt, nein unsere Kritik kommt nicht in elitärer Pose vom hohen Ross, uns war es nur wichtig ausführlich und unmissverständlich unsere Kritik darzulegen und schlussendlich scheint sie ja auch ein paar Früchte getragen zu haben. Immerhin hat sie dazu geführt, dass sich die IdT genötigt gefühlt hat klar Stellung zu beziehen, auch wenn uns die Fabrikation von Unterstellungen, Missverständnisse, Polemik und Halluzinationen untergeschoben werden, ganz so als wären wir eine Art Don Quijote, der meint gegen Riesen zu kämpfen, während uns In der Tat in der Rolle des Sancho Panza versucht klar zu machen, dass es sich nur um Windmühlen handelt. Wer in der ganzen Handlung Rocinante spielt, wissen wir aber noch nicht. Des Weiteren trägt es auch nicht zum besseren Verständnis bei, dass die IdT über den Onlineversand Black Mosquito vertrieben wurde (ob das immer noch der Fall ist, wissen wir nicht), der Solishirts und Poster für Solidarity Collective ehemals Operation Solidarity herstellt und verkauft. Auch wenn man keinen Einfluss darauf hat, wo die eigene Publikation am Ende ausliegt und neben welchen anderen Zeitschriften, über welchen Onlineversand sie vertrieben wird, kann jedoch durchaus beeinflusst werden. Wir hätten gerne eine wirkliche Diskussion mit In der Tat geführt, aber offensichtlich wollen sie das nicht. Wir hätten hier auch noch durchaus weiter in die Tiefe gehen, einige Punkte weiter ausführen könne, aber ehrlich gesagt, haben wir daran kein Interesse, zumindest nicht als ein angeblicher Schlagabtausch mit IdT.





Quelle: Panopticon.blackblogs.org