Juli 10, 2021
Von Chronik
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Berlin, 5. Juni 2021

Auch wenn sich der Rauch nach der Begehung der Rigaer 94 inzwischen wieder ein wenig gelegt hat, bedeutet das nicht, dass die KĂ€mpfe um bezahlbaren und menschenwĂŒrdigen Wohnraum in Berlin und anderswo aufhören. Viele andere Mieter*innen bangen jedes Jahr aufs neue um ihre Wohnung und damit um ihren Lebensmittelpunkt. Die Aussichten in dieser Stadt noch eine halbwegs bezahlbare Wohnung zu finden, tendieren fĂŒr die meisten Menschen mit durchschnittlichem Gehalt gegen Null.

Dass diese Angst durchaus auch tödliche Konsequenzen hat, zeigt der Tod von Peter Hollinger am 31.Mai 2021. Nach einem dreijÀhrigen, erfolglosen Gerichtsprozess gegen eine RÀumungsklage wegen Eigenbedarf, brachte sich der 67 JÀhrige Musiker und alteingesessene Kreuzberger um.
Dies ist nicht der erste Todesfall im Zusammenhang mit ZwangsrÀumungen. Erinnert sei auch an den Tod von Rosemarie F. , die Zwei Tage nach ihrer ZwangsrÀumung in einer Berliner Obdachlosenunterkunft starb.
In Beiden FÀllen war im Vorfeld der RÀumung klar, welch immensem Druck und psychischer Belastung die Betroffenen ausgesetzt worden waren und in beiden FÀllen wurde aus medizinischer Sicht dringend von einer RÀumung abgeraten. Die tödliche Konsequenz wurde billigend in Kauf genommen zu Gunsten einer Eigentumsfrage.

Als mit Beginn der Pandemie 2020 die Stimmen lauter wurden, Vermieter*innen sollen doch bitte „kulant“ auf etwaige coronabedingte Zahlungsschwierigkeiten reagieren und ZwangsrĂ€umungen sollen doch bitte ausgesetzt werden, haben wir uns keine Illusionen darĂŒber gemacht, was tatsĂ€chlich passieren sollte.
Die RÀumung der Meuterei, der Liebig 34 und des Syndikats, sowie die anstehenden RÀumungen des Buchladens Kisch&Co, der Köpi und der Potse sprechen eine deutliche Sprache. Was medial als Kampf von Autonomen gegen die Stadt verklÀrt wird, ist in Wahrheit die Logik eines Immobilienmarktes, deren Opfer nicht nach politischer IdentitÀt, sondern nach ökonomischer Verwertbarkeit ausgesucht werden.
Dass Wohnraum zur Ware wurde und zum Spekulationsobjekt börsennotierter Vermögensverwalter, lĂ€sst all diejenigen in permanenter Angst um ihre Existenz zurĂŒck, die finanziell nicht in der Lage sind die stĂ€ndig steigenden Mieten zu bezahlen.

Wir haben deswegen gestern Nacht ein Auto von Vonovia am Einsteinufer im Bezirk Tiergarten abgefackelt.

Die Pandemie hat dem GeschĂ€ft mit dem Wohnraum kaum geschadet. Gerade Firmen wie Vonovia erhöhten weiter regelmĂ€ĂŸig Mieten. Die Durchschnittsmiete von Vonovia Wohnungen betrĂ€gt 2021 bereit 3,5 Prozent mehr als vor einem Jahr.
Uns ist es egal, mit welchen Lippenbekenntnissen sich Firmen wie Vonovia versuchen, ihre profitorientierte und menschenfeindliche Wohnungspolitik schönzureden.
Solange private, börsennotierte und damit profitorientierte Immobilienunternehmen, mit kurzen Draht in die Politik ĂŒber unseren Wohnraum und damit ĂŒber unser Leben bestimmen, greifen wir sie an.

Alle Menschen haben Eigenbedarf an Wohnraum!
Gegen die Stadt der Reichen!
In Gedenken aller, die ihr Leben auf Grund dieser menschenfeindlichen Profitlogik verloren haben!

Quelle: Kontrapolis (Tor)




Quelle: Chronik.blackblogs.org